Thüringische Landeszeitung

Thüringische Landeszeitung: Putin in aller Munde
Kommentar von Matthias Benkenstein zum G7-Gipfel in Brüssel

Weimar (ots) - Eigentlich ist Wladimir Putin gar nicht anwesend beim Gipfel der großen Industriestaaten. Und doch ist der russische Präsident präsent, zumindest ist er in aller Munde. Erst gestern betonte die Kanzlerin mit einem Unterton des Bedauerns, dass der jetzige G7-Gipfel kein normaler sei, weil er erstmals seit langem ohne Russland stattfindet. Auch gibt es die Hoffnung, dass Putin beim nächsten Gipfel in Deutschland wieder dabei ist.

Überhaupt herrscht momentan beim Westen das Prinzip Hoffnung vor - die Hoffnung, dass es Russland bei der Annexion der Krim bewenden lässt und nicht länger den Aggressor gibt. Viele andere Möglichkeiten gibt es momentan auch nicht. Das muss nicht unbedingt verkehrt sein. Deutschland und Westeuropa ist an einer Zuspitzung des Konflikts nicht gelegen. Die Europäer, die im Schnitt 30 Prozent ihres Erdgases und 35 Prozent ihres Rohöls aus Russland einkaufen, sind in ihrer Wortwahl vorsichtig. Brüssel hat zwar Pläne für einschneidende Wirtschaftssanktionen bis hin zu einem Importstopp für Gas und Öl in der Schublade. Doch Verhandlungen haben richtigerweise Vorrang.

Selbst das neue außenpolitische Selbstbewusstsein des US-Präsidenten darf nicht überschätzt werden. Die Ankündigung, die Truppen in Osteuropa aufzustocken, klingt zwar konfrontativ. Aber durch zusätzliche Manöver lassen sich wohl kaum Polen und die baltischen Staaten vor einem russischen Angriff verteidigen. Und eine massive Truppenstärke in Grenznähe ist ohnehin ein Tabu. Vielleicht kommt es jetzt wenigstens auf den französischen Schlachtfeldern an der Nordatlantikküste zu etwas Tauwetter.

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