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Thüringische Landeszeitung: Kommentar zur Suche nach dem neuen EU-Kommissionspräsidenten

Weimar (ots) - Wenn sich Bundeskanzlerin Merkel plötzlich demonstrativ für Jean-Claude Juncker als neuen EU-Kommissionspräsidenten ausspricht, heißt das vor allem eins: Die Chancen von Juncker sind nicht wesentlich gestiegen.

Merkel will der SPD den Wind aus den Segeln nehmen, die lautstark das lauwarme Bekenntnis der Unions-Chefin für ihren eigenen, den christdemokratischen Kandidaten kritisiert. Die Empörung ist gespielt und scheinheilig, denn den Sozialdemokraten geht es nicht um hehre demokratische Prinzipien, sondern nur um Postengeschachere. Sie wollen nämlich ihren eigentlich in der Europa-Wahl abgeschlagenen Kandidaten Martin Schulz doch noch zum Kommissionspräsidenten machen, falls Juncker scheitert, wofür nach wie vor einiges spricht. Dabei kann die SPD darauf vertrauen, dass der Widerstand aus den eigenen Reihen gegen Juncker, speziell aus Großbritannien, Holland, Schweden und Ungarn, nicht so schnell nachlassen wird.

Wird ein Bürgerlicher, wer auch immer, doch noch Kommissionspräsident, dann will die SPD Schulz wenigstens zum deutschen EU-Kommissar machen, weil für die Wahl vermutlich sozialdemokratische Stimmen notwendig sein würden. Deutscher EU-Energie-Kommissar ist aber der Christdemokrat Günther Oettinger, der seine Sache exzellent macht.

Schon deswegen wäre es befremdlich, wenn er dem Wahlverlierer Schulz weichen müsste. So sitzt Merkel zwischen allen Stühlen, und die Bürger lernen die EU schon wenige Tage nach der Wahl erneut von ihrer unappetitlichen Seite kennen.

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