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Thüringische Landeszeitung: Kommentar: Das Internet vergisst nie

Weimar (ots) - Das Internet soll nun also auch vergessen können. So hat der Europäische Gerichtshof entschieden, und das ist zu begrüßen. Allein, es fehlt der Glaube an eine tragfähige Umsetzung. Wenn man sich erst bei Google & Co. beschweren muss, damit die eine Verknüpfung zu den relevanten Daten "vergessen" wird, gestaltet sich die Praxis schwierig. Es gibt nämlich nicht nur Google - und nicht nur Netzanbieter, die vom europäischen Recht geregelt werden. Dort würden derlei Ansprüche schlicht ins Leere laufen.

Schwierig wird es zudem bei Informationen, die man selbst gar nicht kennt. Wurden Bilder oder Texte über eine Person im Internet veröffentlicht, wissen er oder sie nicht zwangsläufig auch davon. Wo aber kein Kläger, da auch kein Richter. Was bleibt also am Ende des Tages?

Wahrscheinlich müssen Nutzer, die Angst vor peinlichen oder unliebsamen Informationen über sich im Netz haben, einfach selbst die Initiative ergreifen. Freunde müssen erzogen werden, peinliche Partyfotos nicht ins Internet zu stellen, Schmähungen in sozialen Netzwerken müssen die Anbieter dort unterdrücken.

Doch was einmal online ist, lässt sich manchmal nur schwer verdrängen - zumal eine Vervielfältigung im digitalen Raum wahrlich kein Problem mehr darstellt. Hier könnte die juristische Theorie der Wirklichkeit auf den Leim gehen.

Dennoch ist das Urteil ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem zeitgemäßen Datenschutzrecht. Aber eben nur ein Schritt.

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