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Thüringische Landeszeitung: Klitschko unerfahren
Kommentar von Florian Girwert zur Entwicklung in der Ukraine

Weimar (ots) - Dass die Regierung der Ukraine zurücktreten musste, ist ein gutes Zeichen. Oppositionsführer Vitali Klitschko hat es richtigerweise als Teilerfolg eingeordnet. Doch es ist auch ein kluger Schachzug desjenigen, der noch immer die meisten Fäden im Land in der Hand hält: Präsident Viktor Janukowitsch. Der setzt damit nämlich die Opposition auf den Straßen durchaus unter Druck, sich künftig an der Verantwortung im Land zu beteiligen.

Er weiß sehr genau, dass er am Ende durchaus profitieren könnte, sollte etwa der Ex-Boxer Klitschko Verantwortung bekommen. Denn er und viele der Führungsfiguren der Opposition im Land haben keinerlei politische Erfahrung vorzuweisen und könnten sich von den Alten Hasen unter Umständen vorführen lassen. Hinzu kommt, dass die Kassen des Landes ohnehin leer sind. Das hält die Gestaltungsmöglichkeiten übersichtlich und könnte die Unzufriedenheit im Land auch auf einen neuen Regierungschef ausstrahlen lassen. Zudem sind einige Teilgruppen der sehr heterogenen Opposition mit Klitschkos eher vorsichtigem Stil schon seit einigen Wochen unzufrieden und werden die Proteste nicht einstellen, wenn der Ex-Boxer sie darum bittet, ohne vorher echte Resultate vorweisen zu können. Nach Vorstellung mancher Demonstranten kann das nur der Rücktritt oder gar die Festnahme des Präsidenten selbst sein.

Janukowitsch hat schon eine Revolution gegen sich überlebt. Klitschko muss aufpassen, dass es dem Präsidenten nicht gelingt, die Opposition mit Zugeständnissen frühzeitig zu zersplittern.

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