Berufsverband Deutscher Honorarberater e.V.

BVDH: Provisionsverbot in Großbritannien ist großer Erfolg

Berlin (ots) -

   - Trend zu einfachen und kostengünstigen Produkten
   - Qualifikation der Vermittler nimmt zu
   - Honoraranlageberatungsgesetz in Deutschland muss nachgebessert 
     werden 

In Großbritannien hat das Verbot von Provisionen in der Finanzberatung zu einer Professionalisierung des Beratungsmarktes geführt. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie im Auftrag der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA (Financial Conduct Authority). Gleichwohl gebe es weiterhin Optimierungsbedarf auf dem Weg zu einer unabhängigen, verbraucherorientierten Beratung. "Das Beispiel Großbritannien zeigt, dass ein Provisionsverbot bei Finanzprodukten sowohl für Anleger als auch für Finanzberater viele Vorteile hat", erklärt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes deutscher Honorarberater (BVDH e.V.). Großbritannien sei in dieser Hinsicht schon deutlich weiter als Deutschland.

Finanzprodukte: weniger Neuheiten, geringere Komplexität, günstigere Preise

Rund zwei Jahre nach Einführung des Provisionsverbots im Rahmen der "Retail Distribution Review" (RDR) ließ die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA von einem unabhängigen Institut die Auswirkungen des Gesetzes untersuchen. Die Veröffentlichung "Post-implementation review of the Retail Distribution Review" vom Dezember 2014 bescheinigt dem Markt für Finanzberatung in Großbritannien eine zunehmende Professionalisierung gegenüber der Situation vor Einführung des Gesetzes.

Positive Entwicklungen gab es demnach vor allem im Bereich der Produkte: Seit Einführung des Gesetzes ist die Zahl der Produktneuheiten deutlich zurückgegangen, insbesondere bei Produkten mit hohen Vertriebsprovisionen. Aus Sicht der Studienverfasser besteht hier ein direkter Zusammenhang zu dem Verbot von Vertriebsprovisionen, die von Produktgebern an Vermittler gezahlt werden. Zudem ließ sich feststellen, dass der Absatz komplexer Produkte stark zurückgegangen ist, während der Verkauf einfacher Finanzprodukte deutlich zugenommen hat. Die Preise für Finanzprodukte sind in der Regel um den früheren Gebührenaufschlag gesunken, zum Teil gab es darüber hinaus Preisrückgänge in Folge des intensiveren Wettbewerbs unter den Finanzvermittlern.

Finanzvermittler: höhere Qualifikation, steigende Profitabilität

Die Studie belegt, dass die große Mehrheit der Finanzberater inzwischen die neu eingeführten Minimum-Standards erfüllt. Eine wachsende Zahl der Berater qualifiziert sich sogar über diese Minimum-Standards hinaus. Die zunehmende Qualifizierung in Verbindung mit einem stärkeren Fokus auf der Qualität der Beratungsleistung habe zu einer deutlichen Professionalisierung des Beratermarktes geführt, erklären die Studienverfasser. Mit Blick auf den Zugang sämtlicher Bevölkerungsschichten zu Finanzberatung ließen sich keine Einschränkungen belegen. Die Finanzberater seien überwiegend daran interessiert, ihren Kundenstamm weiter auszubauen. Auf Seiten der Verbraucher lässt sich demgegenüber eine kritischere Prüfung der Beratungsleistung feststellen - stimme aus Sicht der Kunden das Preis-Leistungsverhältnis nicht, bestehe die Gefahr einer Hinwendung zu günstigeren Beratungsmodellen. Dabei haben sowohl der durchschnittliche Erlös als auch die Profitabilität bei den Beratungsunternehmen zugenommen.

Verbesserungen in Deutschland notwendig

"Die Erkenntnisse nach zwei Jahren Provisionsverbot in Großbritannien sind sehr ermutigend", so BVDH-Vorsitzender Schmidt: "Es zeigt sich, dass die häufig formulierte Kritik eines unzureichenden Zugangs zur Finanzberatung für weite Bevölkerungskreise nicht stichhaltig ist. Die Zahl der Finanzberater ist in Großbritannien seit Einführung des Provisionsverbots gleich geblieben, die Qualifikation der Berater hat sich erhöht. Für Anleger ist dies eine gute Nachricht", betont Schmidt. In Deutschland sei man jedoch noch nicht so weit. Zunächst gelte es, das Honoraranlageberatungsgesetz weiter zu verbessern. Nach Auskunft des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) haben sich 65 Honorar-Finanzanlagenberater per 31.12.2014 registriert. Beim Honoraranlageberater-Register der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sind aktuell 15 Unternehmen registriert. "Die noch immer geringe Zahl der Registrierungen zeigt, dass das Honoraranlageberatungsgesetz Verbesserungsbedarf hat", erklärt Dieter Rauch, stellvertretender Vorsitzender des BVDH, der die freien Berater repräsentiert. So sollte beispielsweise eine größere Transparenz durch das Vorschreiben von Nettorenditen geschaffen werden, die Honorarberatung sollte auch auf Versicherungsprodukte ausgeweitet werden, auch sollten Provisionen und Honorare steuerlich gleichgestellt werden.

Über den Berufsverband deutscher Honorarberater (BVDH):

Der BVDH wurde im Oktober 2010 von der quirin bank und der VDH GmbH Verbund Deutscher Honorarberater gegründet. Er vertritt die Interessen von knapp 1.500 Honorarberatern in Deutschland, die insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro an verwalteten Kundengeldern betreuen. Ziel des Berufsverbands ist es, die Honorarberatung als neutrale Dienstleistung im Finanzsektor zu fördern und zu etablieren. Zur Honorarberatung gehören hohe Qualitäts- und Transparenzstandards. Honorarberater des Berufsverbands stehen zu diesen Prinzipien und zum Verbraucherschutz, indem sie den Kodex der Honorarberatung verbindlich anerkennen und sich durch unabhängige Prüfer kontrollieren lassen.

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