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Crowdinvesting durch Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes bedroht

Crowdinvesting durch Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes bedroht
David Rhotert, Gründer und Geschäftsführer Companisto GmbH. Weiterer Text über OTS und www.presseportal.de/pm/106768 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Companisto/Max Threlfall"

Berlin (ots) - Die Bundesregierung hat einen Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes erarbeitet und diesen am Montag veröffentlicht. Wir sind derzeit dabei, diesen zu prüfen und in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband German Crowdfunding Network (GCN) eine ausführliche Stellungnahme vorzubereiten. Diese Stellungnahme werden wir in einigen Tagen auf www.companisto.com veröffentlichen.

Bereits nach einer ersten Durchsicht ist jedoch offensichtlich, dass der Gesetzesentwurf das Fortbestehen von Crowdinvesting in Deutschland erheblich bedroht.

David Rhotert, Gründer und Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform Companisto, erläutert: "Die Regelungen des Gesetzesentwurfs sind primär auf hunderte Millionen Euro schwere Finanzprodukte ausgelegt und sehen dementsprechend bürokratische und kostspielige Verfahren und Abläufe vor. Diese bürokratischen Verfahren und Abläufe sollen nun auch auf die Crowdinvesting-Branche angewendet werden - dieser Rückschritt bedroht die ganze Branche."

Die junge Crowdinvesting-Branche, die mit Hilfe der Crowd in den vergangenen drei Jahren insgesamt über 30 Millionen Euro in über 100 junge innovative Unternehmen investiert hat, soll nun bis auf wenige Ausnahmen genauso reguliert werden, wie beispielsweise die 1,4 Milliarden Euro Vermögensanlage von Prokon. Und dies, obwohl das gesamte Volumen aller in Deutschland durchgeführten Crowdinvestings lediglich 2 % des Investmentvolumens von Prokon ausmacht. "Unser Land braucht eine neue Gründerzeit," heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD und es ist nicht lange her, da forderte Bundeskanzlerin Merkel gar einen "einen Gründerboom wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts." Sollte das Regulierungsvorhaben in seiner jetzigen Form umgesetzt werden, wird jedoch das Gegenteil eintreten. Die Situation der mangelhaften Frühphasenfinanzierungen für innovative Unternehmen würde weiter verschärft und Gründern in Deutschland noch weniger Kapital zum Aufbau eines eigenen Unternehmens zur Verfügung stehen. Und das, obwohl die Bundesregierung bereits in einer Pressemitteilung zum Innovationsdialog vom 28. Februar 2012 verlautbarte: "Wir wollen mehr Wagniskapital für deutsche Unternehmen mobilisieren, um unsere Position im internationalen Innovationswettbewerb weiter zu stärken." Der aktuelle Gesetzesentwurf ist in Bezug auf Crowdinvesting jedoch vielmehr dazu geeignet, diese neue Quelle von Wagniskapital in Deutschland wieder auszutrocknen.

Ganz unabhängig von politischen Maßnahmen hat sich in Deutschland und in der Welt durch eine gemeinsame Initiative von Privatpersonen eine Crowdinvesting-Bewegung entwickelt, die genau dieses Ziel erreicht und sich bereits jetzt als eine echte Alternative in der Finanzierung innovativer Unternehmen etabliert hat. Aus politischer und gesellschaftlicher Sicht ein absoluter Glücksfall. Jetzt aber droht die Crowdinvesting-Branche in Deutschland durch die erstmalige Intervention von politischer Seite ins Abseits gedrängt zu werden. Auch Deutschlands derzeit marktführende Position im weltweiten Crowdinvesting-Wettbewerb wäre damit in kürzester Zeit verloren.

Klargestellt werden soll, dass die Crowdinvesting-Branche geschlossen für absolute Transparenz und die Interessen des Verbraucherschutzes einsteht und jede effektive und umsetzbare Maßnahme unterstützt. Dies ist im ureigensten Interesse der Crowdinvesting-Branche, denn nur wenn die Crowdinvesting-Investoren über die Risiken aufgeklärt sind, kann Crowdinvesting auch langfristig bestehen. Deshalb haben die in dem German Crowdfunding Network organisierten Crowdinvesting-Plattformen in Zusammenarbeit mit Crowdinvesting-Investoren bereits Branchen-Standards in einem Code of Conduct entworfen, um hohe Qualitäts- und Informationsstandards sicherzustellen.

Besonders folgende drei Punkte des Regulierungsvorhaben können zu einer existenziellen Schädigung der Crowdinvesting-Branche führen:

1. Medienbruch durch Unterschreiben eines ausgedruckten Vermögensanlagen-Informationsblattes

Ein zentraler Faktor der Attraktivität von Crowdinvesting liegt im schnellen, einfachen und rein digitalen Beteiligungsprozess. Künftig müssen Crowd-Investoren, die mehr als 250 Euro investieren wollen, bei jedem Investment ein Vermögensanlagen-Informationsblatt unterschreiben und jeweils ausgedruckt, postalisch an die Crowdinvesting-Plattform zurückschicken, bevor ihr Investment wirksam sein soll. Der ganze Prozess soll dabei zwingend postalisch erfolgen müssen. Ein elektronisches Verfahren soll nicht zulässig sein.

"Dieser Vorschlag ist nicht nur völlig unzeitgemäß und schafft nur unnötige Bürokratie, sondern durch diese Regelung ist Crowdinvesting in Deutschland in Gänze bedroht." resümiert Rhotert und führt aus:

"Der Vorstoß zwingt Crowd-Investoren bei einer Investition zu einem Medienbruch; der Investitionsprozess ist nicht mehr online abschließbar. Die Erfahrung zeigt, dass Medienbrüche zu sehr hohen Abbruchraten führen. Auch deshalb hat sich die Bundesregierung selbst zum Ziel gesetzt, Medienbrüche zu vermeiden. Anstatt das erklärte Ziel einer kontinuierlichen Digitalisieren gemäß der "Digitalen Agenda" nun aber voranzutreiben und im Kleinanlegerschutzgesetz anzuwenden, wird das Gegenteil realisiert."

Sinnvoll wäre es, wenn die Crowdinvesting-Plattformen das Vermögensanlagen-Informationsblatt stattdessen auch online anzeigen und dann mit technischen Mitteln sicherstellen könnten, dass das Vermögensanlagen-Informationsblatt gelesen wird, beispielsweise indem das Vermögensanlagen-Informationsblatt für eine gewisse Zeit zwingend im Volltext angezeigt wird, bevor investiert werden kann.

2. Eine im europäischen Vergleich viel zu niedrige Investitions-Obergrenze

Im Entwurf des Kleinanlegerschutzgesetzes ist vorgesehen, dass pro Crowdinvesting nicht mehr als 1 Million Euro eingesammelt werden können, ohne dass ein Verkaufsprospekt nach dem Vermögensanlagengesetz erstellt werden muss. Ein solcher Prospekt kostet mit Folgekosten ca. 30.000 EUR - 50.000 EUR. Diese Kosten müssten dann auf die Crowdinvestoren umgelegt werden, womit Crowdinvestings für Crowdinvestoren ähnlich kostpielig würden, wie der klassische Finanzvertrieb, bei dem bereits jetzt ein großer Teil der Investments von Anlegern oftmals versteckt in Verwaltungskosten fließt.

"Die Limitierung der Höchstsumme auf 1 Million Euro ist willkürlich und nicht nachvollziehbar. Der deutsche Crowdinvestingmarkt ist - zusammen mit dem Markt in Großbritannien - der größte der Welt und steht jetzt bereits in einem globalen Wettbewerb. Die Hauptwettbewerber der deutschen Crowdinvestingplattformen kommen aus England. Dort sind speziell zur Ermöglichung von Crowdinvestings Gesetze geschaffen worden, die Ausnahmen von der Prospektpflicht für Finanzierungsrunden von bis zu 5 Millionen Britischen Pfund vorsehen", so Rhotert.

In Großbritannien wurde damit dem Fakt Rechnung getragen, dass viele Unternehmen für die erfolgreiche Entwicklung eine Wachstumsfinanzierung von mehr als 1 Million Euro benötigen. Wenn in Deutschland Unternehmen hingegen nur einen Betrag von 1 Million Euro einsammeln, weil sie die Erstellung eines sehr kostspieligen Verkaufsprospekts vermeiden müssen, ist dies zum Nachteil der Anleger. Denn dadurch sind diese Unternehmen von Anfang an unterkapitalisiert, verfügen also nicht über das nötige Kapital, um ihr Geschäftsmodell umzusetzen. Hierdurch steigt das Risiko der Crowdinvestoren eklatant an. Diese Regelung führt also nicht zu mehr, sondern im Gegenteil zu weniger Anlegerschutz.

"Neben dem gesteigerten Risiko unterkapitalisierter Unternehmen würde der Gesetzesentwurf einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für deutsche Anbieter darstellen." fasst Rhotert zusammen.

3. Wettbewerbsnachteil durch nationalen Alleingang entgegen der Empfehlung der EU-Kommission

Am 27. März 2014 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Mitteilung zur "Freisetzung des Potenzials von Crowdfunding in der Europäischen Union". Darin warnte sie ausdrücklich davor, dass eine harte Regulierung das Potenzial von Crowdfunding im Keim ersticken und die vielversprechende junge Crowdinvesting-Branche in ihrer Existenz bedrohen könnte. Außerdem verwies die Europäische Kommission in der Mitteilung auf die Gefahr, dass nationale Regulierungsmaßnahmen der verschiedenen Mitgliedstaaten das potenzielle Wachstum von Crowdfunding in Europa behindern werden.

"Überall auf der Welt werden derzeit Gesetze erlassen, die Crowdinvesting ermöglichen und explizit fördern (USA, Neuseeland, Großbritannien, Frankreich). In Deutschland hingegen wird eine Regulierung geschaffen, die trotz aller Warnungen, Crowdinvesting durch eine Bürokratie wie in der Steinzeit in ihrem Fortbestand bedroht" kommentiert Rhotert.

Deshalb ist Handeln gefragt. Eine Feedback der Crowd könnte einen wichtigen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren haben, denn die jetzt geplanten Regelungen wurden geschaffen, ohne dass die Crowd hierzu jemals befragt wurde. Hierzu wollen wir jetzt mit folgender kurzer Umfrage die Gelegenheit geben: https://de.surveymonkey.com/s/LGGMB7S.

Der vollständige Gesetzesentwurf ist hier abrufbar: http://ots.de/4grZE

Pressekontakt:

Companisto GmbH
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12249 Berlin

Joschka Rugo
Head of Public Relations

E-Mail: joschka.rugo@companisto.com
Tel.: 030 / 95 60 41 45
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