Save the Children Deutschland e.V.

Alle 35 Sekunden steckt sich ein Kind im Jemen mit Cholera an

Berlin (ots) - Die Cholera-Epidemie im Jemen gerät außer Kontrolle, mindestens ein Kind wird jede Minute mit dem potenziell tödlichen Erreger angesteckt, warnt die Kinderrechtsorganisation Save the Children. Damit hat sich die Infektionsrate in den vergangenen zwei Wochen mehr als verdreifacht: Geschätzte 5.470 neue Verdachtsfälle treten täglich auf, davon 46% bei Kindern unter 15 Jahren.

"Das ärmste Land der Region steht kurz davor, zusammenzubrechen", warnt Grant Pritchard, Länderdirektor von Save the Children Jemen. "Kinder sterben, weil sie keine medizinische Grundversorgung erhalten. Die tödliche Epidemie kann nur aufgehalten werden, wenn wir medizinische Hilfe in den Jemen bringen können - was durch inakzeptable Auflagen und lange Verzögerungen, z.B. durch die Schließung des Flughafens von Sana'a, verhindert wird. Wir von Save the Children fordern, dass die finanziellen Mittel für die Nothilfe erheblich angehoben werden, bevor Tausende jemenitischer Jungen und Mädchen an einer gänzlich vermeidbaren Krankheit sterben."

Mehr als 2 Millionen Kinder Jemens sind akut mangelernährt und damit besonders gefährdet, weil ihre geschwächten Immunsysteme nicht gegen die Krankheit ankommen. Bereits jetzt sterben mehr als 30 Menschen täglich an Cholera/AWD (Acute Watery Diarrhoe). 300.000 neue Fälle werden für die kommenden Monate vorausgesagt. Jemens Gesundheitssystem kollabiert unter der großen Anzahl kranker Menschen, die Symptome wie Durchfall, Sich-übergeben und Austrocknen zeigen. Die Cholera breitet sich schnell aus.

Dabei ist Cholera einfach und günstig zu behandeln, vorausgesetzt Patienten haben Zugang zur entsprechenden Versorgung. Doch die angeschlagene logistische und soziale Infrastruktur des Landes, die Nahrungsmittelunsicherheit, das versagende Wirtschaftssystem und der andauernde Krieg verhindern, dass die Menschen rechtzeitig Hilfe finden können. Krankenhäuser sind überfüllt, gleichzeitig können sie nur eingeschränkt arbeiten, weil es an Medikamenten, Ausstattung und Personal mangelt. Einige wurden zu Zielen bewaffneter Angriffe im andauernden Konflikt. Besonders schwierig ist die Situation in den entlegeneren Gebieten des Landes. Die Cholera hat auch wegen des Mangels an sauberem Wasser leichtes Spiel.

Der 53-jährige Saleh erzählt Mitarbeitern von Save the Children von den Schwierigkeiten, seine kranken Kinder ins Krankenhaus zu bringen: "Zuerst habe ich meine Kinder in ein Krankenhaus in Abs (Provinz Hajjah) gebracht, wo man ihnen einige Tabletten und Tropfen gab. Aber wir durften nicht rein, weil die Klinik voller kranker Menschen war. Also haben wir uns ein Taxi bis nach Sana'a genommen. Das ist mehr als 200 km weit weg. Der Transport war wirklich das schwierigste. Ich musste über 50 Euro bezahlen, um von meinem Dorf nach Abs zu kommen. Und dann noch einmal fast 70 Euro bis nach Sana'a."

Save the Children und andere humanitäre Organisationen haben den sogenannten "Integrated Cholera Response Plan" entwickelt, in dem sie den dreifachen Betrag (im Gegensatz zum bisherigen) aufrufen: 59 Millionen Euro werden benötigt, um Gesundheits-, Hygiene- und Kommunikationsmaßnahmen ergreifen zu können, die den Menschen vor Ort wirklich helfen können. Die Geber müssen diese Gelder dringend frei geben, bevor noch mehr Menschen umkommen.

Weitere Zahlen und Statistiken finden Sie im unteren Teil dieser Pressemeldung. Um Näheres über den Einsatz von Save the Children im Jemen zu erfahren oder ein Interview mit Mitarbeitern vor Ort zu vereinbaren, kontaktieren Sie bitte die Pressestelle.

Multimedia-Link:

http://ots.de/pd09w

Das Material kann unter Angabe von ©Save the Children kostenfrei auch zur Weitergabe an Dritte genutzt werden.

Zahlen und Statistiken:

- Bis zum 13. Juni wurden in 20 der 22 jemenitischen Regierungsbezirke129.185 Verdachtsfälle auf Cholera/AWD und 942 Todesfälle registriert. Die meisten Todesfälle gibt es in den Gemeinden, die aufgrund der gefährlichen Lage nicht erreicht werden können. In den vergangenen Wochen gab es ca. 5.470 Neu-Infektionen pro Tag.

- 46% der Cholera-Verdachtsfälle sind Kinder unter 15 Jahren, 54% sind Mädchen und Frauen.

- Seit Mitte März 2015 hat sich der Konflikt im Jemen auf 21 der 22 Regierungsbezirke im Land ausgeweitet.

- 18,8 Mio. Menschen brauchen dringend humanitäre Hilfe. Das sind 70% der Bevölkerung, einschließlich 10,3 Mio. Kinder (UNOCHA, Yemen HNO 2017).

- Zwischen März 2015 und dem 14. April 2017 wurden 8.010 Menschen getötet (UNOCHA) und 44.538 verletzt (Gesamtzahl der Opfer: 52.548).

- Mehr als 6,2 Mio. Kinder sind schutzbedürftig (UNOCHA, Yemen HNO 2017).

- 14,5 Mio. Menschen, einschließlich 8 Mio. Kinder, haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen (UNOCHA, Yemen HNO 2017). 4,5 Mio. Kinder und schwangere oder stillende Frauen brauchen dringend Nahrungsmittelunterstützung. 1,1 Mio. der schwangeren oder stillenden Mütter und 2,2 Mio. Kinder unter 5 Jahren sind bereits akut mangelernährt, 462.000 Kinder sind schwer akut mangelernährt.

Für mehr aktuelle Informationen folgen Sie uns online:   
www.savethechildren.de 
@stc_de		  
Save the Children Deutschland 

Über Save the Children

Save the Children ist als größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in mehr als 120 Ländern tätig. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie Überleben und Gesundheit - auch in Katastrophensituationen. Save the Children setzt sich ein für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen können.

Pressekontakt:

Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle - Diane Nakschbandi
Tel.: +49 (30) 27 59 59 79 - 120
Mail: presse@savethechildren.de



Weitere Meldungen: Save the Children Deutschland e.V.

Das könnte Sie auch interessieren: