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Badische Neueste Nachrichten: Neuorientierung in den USA Kommentar Von Frank Herrmann

Karlsruhe (ots) - Henry Stimson war Franklin D. Roosevelts Kriegsminister, im Zweiten Weltkrieg zuständig für die Bewaffnung der Streitkräfte. Nun kramen die Realpolitiker der Regierung Barack Obamas seinen Zitatenschatz aus den Archiven, die Anmerkungen eines Lehrmeisters pragmatischen Denkens. Von Stimson stammt nämlich der schlichte Satz: "Amerika muss handeln in der Welt, wie sie ist, nicht in der Welt, die es sich wünscht". Auf Stimson beruft sich Chuck Hagel, wenn er - gegen heftigen Widerstand der Besitzstandswahrer - einen Sparkurs verteidigt, der die Armee der Supermacht zur kleinsten seit 1940 werden lässt. In der Welt des Jahres 2014 brauchen die USA eine hochflexible Streitmacht, kein riesiges Heer, das nach bisheriger Doktrin zwei Landkriege zugleich führen kann. Der Einsatz im Irak ist Geschichte, der in Afghanistan demnächst beendet. Nach Einschätzung Hagels wird sich der Ausnahmefall so bald nicht wiederholen, werden US-Präsidenten so schnell nicht wieder größere Truppenkontingente nahezu simultan in zwei Länder beordern. Hinzu kommt ein enormer Spardruck. Beharrt der Kongress auf dem Kürzen sämtlicher Etatposten nach dem Rasenmäherprinzip, könnte die Armee bis auf 420 000 Mann schrumpfen. Die Luftwaffe soll 300 Kampfjets vom Typ A-10 "Warthog" verschrotten, Fluggerät, das konstruiert wurde, um im Ernstfall sowjetische Panzer in den Ebenen Mitteleuropas zu zerstören. Für die Anhänger Hagels, eines Republikaners der Mitte, markiert die Wende einen Einschnitt, wie er auf der Hand liegt, wenn Kriege zu Ende gehen. Ähnlich war es in den Fünfzigern nach dem Waffenstillstand in Korea, in den Siebzigern nach dem Abzug aus Vietnam, in den Neunzigern im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion. 1990 zählte das Heer noch 780 000 Soldaten. Die Pläne untermauern Obamas weltpolitische Weichenstellung, den Schwenk nach Asien. Wendet sich das Weiße Haus Ostasien zu, brauchen die USA deutlich weniger Bodentruppen.

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