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Badische Neueste Nachrichten: Proporz - Kommentar von martin Ferber

Karlsruhe (ots) - Hans-Peter Friedrich war Franke und Protestant. Daher musste auch sein Nachfolger im Amte des Landwirtschaftsministers Franke und Protestant sein. So verlangt es der innerbayerische Proporz, denn die beiden anderen CSU-Minister im Kabinett, Alexander Dobrindt und Gerd Müller, kommen aus Oberbayern und Schwaben - und sind katholisch. Nichts gegen Christian Schmidt. Dass er das Zeug zum Minister hat, steht außer Frage. Seit acht Jahren gehört er dem Kabinett an, länger als er hat sich kein Staatssekretär im schwierigen Wehrressort gehalten. Er ist ein leiser, pragmatischer und seriöser Fachmann, der unter vier Ministern gedient und dabei gelernt hat, wie eine große Behörde zu führen ist. Nur: Mit Agrarpolitik hat er sich noch nie beschäftigt, die Landwirtschaft war niemals sein Thema. Schmidt ist ein ausgewiesener Verteidigungsexperte und Sicherheitspolitiker, bestens vernetzt und mit hohem Sachverstand. Alles hätte für eine Rochade gesprochen: Der neue Entwicklungsminister Gerd Müller, zuvor acht Jahre Agrar-Staatssekretär und bestens eingearbeitet in alle Probleme der Landwirtschaftspolitik, kehrt in sein angestammtes Haus zurück und tritt die Nachfolge Friedrichs an, im Gegenzug übernimmt der anerkannte Außenpolitiker Schmidt das Entwicklungsressort. Die Kompetenz wäre in beiden Fällen dort angesiedelt gewesen, wo sie hingehört. Doch aus welchen Gründen auch immer durfte diese Lösung nicht zustande kommen. So wird Schmidt Agrarminister, weil ein protestantischer Franke ins Kabinett musste, egal wohin - ein Sieg des Proporzes über die Kompetenz.

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