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Badische Neueste Nachrichten: Zu forsch - Kommentar von Martin Ferber

Karlsruhe (ots) - Sie reden über das Gleiche. Und doch reden sie völlig anders. Die Bundeswehr, klagt Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Bundestages, agiere schon seit langem an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Von wegen, sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Truppe sei durchaus in der Lage, neue Auslandseinsätze zu stemmen. Erschöpft oder unterbeschäftigt? Beim Blick auf die reinen Zahlen wirkt das Lamento des Wehrbeauftragten nicht nachvollziehbar. Rund 185 000 Soldatinnen und Soldaten hat die Bundeswehr, von ihnen sind derzeit 4 935 unmittelbar im Ausland tätig. Das sind gerade einmal 2,66 Prozent. Wenn eine Armee schon bei einem solch geringen Anteil an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommt, stimmt etwas nicht, dann entsprechen die Strukturen nicht dem Auftrag. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass es immer die gleichen Einheiten sind, die von den anstrengenden Auslandseinsätzen betroffen sind. Sie tragen seit bald 15 Jahren die gesamte Last der Einsätze alleine und werden in einem regelmäßigen Rhythmus in die gefährlichen Missionen entsandt. Insofern werden die betroffenen Soldaten die forschen wie fordernden Worte ihrer neuen Oberbefehlshaberin mit Bangen vernehmen. Zwar läuft der Einsatz in Afghanistan aus, doch von der Leyen denkt gar nicht daran, der Truppe eine Verschnaufpause zu gönnen. Dabei ist die Bundeswehr von ihren Strukturen her noch immer weit davon entfernt, eine Interventionsarmee zu sein.

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