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Badische Neueste Nachrichten: Nicht nur ein Segen - Kommentar von WOLFGANG VOIGT

Karlsruhe (ots) - Unentwegt hat sich Theresia Bauer in den vergangenen Monaten mit den Hochschulen im Land abgestimmt, hat Professoren gehört, Juristen konsultiert, die Wirtschaft einbezogen, diskutiert, verworfen, beschlossen. Auf keinen Fall wollte sich die Stuttgarter Wissenschaftsministerin hinterher sagen lassen, sie habe über die Köpfe der Betroffenen hinweg von oben reguliert. An vielen Stellen ist das neue Landeshochschulgesetz deshalb ein Fortschritt. An manchen aber auch das Gegenteil. Es ist gut, dass Zuständigkeiten an den Hochschulen teilweise neu geregelt und klarer abgegrenzt werden. Wenn Senat und Hochschulrat künftig die Rektoren in gemeinsamer Sitzung wählen, ist die Gefahr von Konflikten wie es sie bei der Rektorenkür etwa an der Pforzheimer Hochschule gegeben hat, minimiert. Mehr Regulierung und die Einführung verlässlicher Spielregeln kann auch den Promotionsverfahren nicht schaden. Ob die geplante Erleichterung des Zugangs zum Doktorgrad für die Absolventen einer Fachhochschule allerdings ausschließlich Segen entfaltet, ist so klar nicht. Per "Experimentierklausel" will die grüne Ministerin Fachhochschul-Gespannen ein begrenztes Promotionsrecht verleihen, doch der nötige wissenschaftliche Mittelbau an dieser Stelle fehlt. Gewiss könnte die regionale Wirtschaft von den anwendungsorientierten Forschungen der FH-Doktoranden profitieren. Das aber kann niemals alleiniges Kriterium sein. Nur wenn die Qualität der Arbeiten wirklich gesichert ist, darf das Land diesen neuen Weg gehen. Beim Umgang mit Drittmitteln trägt das neue Hochschulgesetz paternalistische Züge. Stuttgart schreibt hier in Zukunft mehr Transparenz vor, zugleich versichert die Ministerin, die Interessen der Geber blieben gewahrt. Selbst mit viel Fantasie leuchtet kaum ein, wie beide Erfordernisse in der täglichen Hochschulpraxis miteinander ausgesöhnt werden können. Wenn die Neuregelung das Aufkommen an Drittmitteln eindampft, hätte die Landesregierung dem Wissenschaftsstandort einen Bärendienst erwiesen.

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