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Badische Neueste Nachrichten: Erdogans Vorwahlkampf - Kommentar von Susanne Güsten

Karlsruhe (ots) - Recep Tayyip Erdogan hat sich bei seinem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in Berlin von seiner sanften Seite gezeigt. Es gebe keine Probleme bei der Integration von Türken in Deutschland, sagte er. Der heftige Streit um Erdogans Warnung vor einer "Assimilierung"? - Längst erledigt. Höflich bat Erdogan um die Unterstützung der Deutschen bei der türkischen EU-Bewerbung. In klaren Worten, aber ruhigem Ton, prangerte er das Leid der Menschen in Syrien an. Fast präsidial war Erdogans Auftritt im Kanzleramt, und das sollte er wohl auch sein. Der 59-jährige läuft sich für eine Präsidentschaftskandidatur im Sommer warm, weshalb das Programm seines Berlin-Besuchs auch eine Rede vor einem türkischen Publikum im Tempodrom umfasste: Die 1,5 Millionen türkischen Staatsbürger in Deutschland sollen bei der Präsidentenwahl erstmals auf deutschem Boden ihre Stimme abgeben können. Eine erste wichtige Etappe auf dem Weg ins Präsidentenamt sind die türkischen Kommunalwahlen im März, die Erdogan nach seinem Treffen mit Merkel eigens erwähnte. Die Wahlen seien ein "Test", sagte er. Vor allem wird im März getestet, wie groß Erdogans Chancen bei der Präsidentenwahl sind. Bricht seine Regierungspartei AKP ein, wird wohl nichts aus dem Traum vom Umzug in den Präsidentenpalast. Erdogans Deutschland-Reise war also Teil des türkischen Vorwahlkampfes. In Berlin ließ der Ministerpräsident auch einen Blick auf seine Strategie zu: Erdogan präsentiert sich, wie so oft, als Opfer. Und zwar als Opfer einer Verschwörung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der angeblich die derzeitigen Korruptionsvorwürfe gegen seine Regierung ausgeheckt haben soll.

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