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Badische Neueste Nachrichten: Neue Bescheidenheit

Karlsruhe (ots) - Als das US-Kabinett im vergangenen Frühjahr über Waffen für die syrischen Aufständischen diskutierte, war Barack Obama, so schilderten es Insider, "the last man standing". Der Letzte, der darauf beharrte, kein Kriegsgerät an die Rebellen zu liefern. Während Pentagon, State Department und CIA grünes Licht signalisiert hatten, bestand der Präsident, alle anderen überstimmend, auf einem Embargo. Erst im Juni ließ sich Barack Obama vom Gegenteil überzeugen und schwenkte um, wenn auch halbherzig. Natürlich liegt es an der Befürchtung, dass Maschinengewehre, Granatwerfer und Munition für die eher pro-westlichen Teile der Opposition in die Hände radikalislamischer Milizen fallen könnten. Natürlich steckt alten Hasen wie Joe Biden, dem Vizepräsidenten, noch die Erfahrung Afghanistans in den Knochen. Indem Washington die Mudschahedin hochpäppelte, um die Sowjetunion zum Abzug zu zwingen, begünstigte es ungewollt eine Entwicklung, in deren Ergebnis Al-Qaida-Fanatiker am Hindukusch ungestört für Terroranschläge trainieren konnten. Aleppo, lautet die Schlussfolgerung, darf kein zweites Kandahar werden. Unausgesprochen heißt das: dann lieber Baschar al-Assad. Doch entscheidend ist die Weltsicht Obamas, die feste Überzeugung eines kühlen Realpolitikers, nach der Amerika, selbst wenn es wollte, grandios überfordert wäre mit der Rolle des Weltpolizisten. Dass Assad die Macht aufgeben müsse, hat Obama oft genug verlangt. Dass die Syrien-Gespräche zu einer Übergangslösung ohne den Diktator führen sollen, ist offiziell erklärtes Ziel, ausdauernd wiederholt von Außenminister John Kerry. Es ändert nichts daran, dass die USA kaum etwas tun werden, um die Kräftebalance militärisch zugunsten der Regimegegner zu kippen. Wer das Blatt wirklich wenden wolle, gibt Obama in einem Gespräch mit dem "New Yorker" zu verstehen, müsste schon bereit sein zu einer Intervention wie 2003 im Irak, alles andere sei "magisches Denken". Ein solches Szenario aber findet in einem ernüchterten, auf sich selbst fixierten Amerika keine Mehrheiten, weder im Kongress noch in Meinungsumfragen - es ist ja nicht nur Präsident Obama, der sich in neuer Bescheidenheit übt.

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