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Badische Neueste Nachrichten: Berliner Überraschung

Karlsruhe (ots) - Yasmin wer? Auch viele altgediente Genossen staunten nicht schlecht, als zum ersten mal der Name einer unbekannten 46-jährigen durch den Flurfunk des Willy-Brandt-Hauses geisterte. Obwohl die Gewerkschaftsfunktionärin Yasmin Fahimi seit fast 30 Jahren Mitglied der SPD ist, hatte die Tochter eines Iraners und einer Deutschen kaum jemand als neue Generalsekretärin auf der Rechnung. Mittlerweile allerdings hat Parteichef Sigmar Gabriel Fakten geschaffen und die SPD-Gremien über seinen Personalvorschlag informiert: Am 26. Januar soll die gelernte Chemikern beim Parteitag in Berlin in ein Amt gewählt werden, das für viele so etwas ist wie der heimliche Parteivorsitz. Als Vizekanzler und Superminister für Wirtschaft und Energie wird sich Gabriel in den nächsten vier Jahren kaum noch um die Parteiarbeit kümmern können. Umso wichtiger ist es aus seiner Sicht, dass in der SPD-Zentrale eine Generalsekretärin sitzt, der er vertraut, die den Laden auch in unruhigen Zeiten zusammenhält und die Partei telegen nach außen vertritt. Eine Frau wie Yasmin Fahimi, die wie Gabriel aus Niedersachsen stammt und zuletzt die Grundsatzabteilung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) geleitet hat. Dort hat sie sich nicht nur einen Ruf als großes Organisationstalent und streitbare Arbeitnehmervertreterin erarbeitet, sondern auch ihr privates Glück gefunden: Der Gewerkschaftsvorsitzende Michael Vassiliadis ist der Lebensgefährte der neuen SPD-Generalsekretärin. Die Nachfolgerin der zur Arbeits- und Sozialministerin aufgestiegenen Andrea Nahles gilt als ehrgeizig, klug - und im Zweifel eher links. Sie ist Mitglied im "Denkwerk Demokratie", einem unter dem Eindruck der Finanzkrise gegründeten Gesprächskreis von Sozialdemokraten, Grünen und Gewerkschaftern, und engagiert sich unter anderem für eine stärkere betriebliche Mitbestimmung. Die Energiewende, Gabriels Megathema, liegt ihr schon kraft Herkunft am Herzen: Ihre Gewerkschaft trägt die Energie schließlich im Namen. Obwohl sie sich schon früh bei den Jusos engagiert und auch die Führungsakademie der SPD besucht hat, eine Art sozialdemokratische Kaderschmiede, ist die Genossin Fahimi in der Bundespartei bisher nicht größer in Erscheinung getreten. Nach dem Studium in Hannover ging sie direkt als wissenschaftliche Mitarbeiterin zur Stiftung Arbeit und Umwelt ihrer Gewerkschaft und übernahm dann verschiedene Posten in Brandenburg, in Ostwestfalen und im Ruhrgebiet, ehe sie 2005 in der Zentrale in ihrer Heimatstadt Hannover anheuerte. Als langjährige Gewerkschaftssekretärin verfüge seine neue Generalsekretärin über große politische und strategische Erfahrung, sagt Sigmar Gabriel. Ursprünglich hatte er ja den Parteilinken Ralf Stegner für den prestigeträchtigen Posten vorgesehen, sich damit aber gegen die Frauen in der Partei nicht durchsetzen können. Sie bestanden auf einer Frau.

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