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Badische Neueste Nachrichten: Ausbeuterisches System

Karlsruhe (ots) - Natürlich ist in Deutschland niemand verantwortlich für den Tod der streikenden und gewaltsam protestierenden Textilarbeiter in Kambodscha. Die Verantwortung liegt unzweifelhaft und ganz eindeutig bei der kambodschanischen Militärpolizei und Regierung. Soweit so klar. Dennoch ist es zynisch, nach der Methode vorzugehen: Was kümmert es uns, wenn im fernen Asien ein Sack Reis umfällt? Kümmern sollten wir uns schon. Denn ein Großteil der Hemden, Blusen und Jeans, der Röcke, Kleider und Dessous, die von Textil-Discountern in Europa und Amerika unschlagbar billig angeboten werden, sind nur deshalb so preisgünstig, weil ihre Herstellung mit Ausbeutung und Kinderarbeit zu tun hat. Verbraucher in den reichen Ländern profitieren von einem System, das auf der Missachtung elementarer Menschen- und Arbeitnehmerrechte beruht. Und das nicht nur in Kambodscha und Bangladesch, sondern in weiten Teilen der Dritten Welt. Wer reflexartig nach den billigen Fummeln greift, der sollte zumindest gelegentlich darüber nachdenken, unter welchen Bedingungen solche Ware hergestellt wird. Vielleicht reift dann die Erkenntnis, dass Verbraucher so ganz machtlos doch nicht sind. Wenn Schneiderinnen in Kambodscha streiken, können die großen Textil-Discounter in Europa und Amerika schnell umdisponieren. Sie lassen dann eben mehr Teile in Bangladesch oder Indien nähen. Wenn jedoch die Verbraucher in den großen Industrieländern sich von einem ausbeuterischen System abwenden, wird sich an der Herstellungskette was ändern. Weltkonzerne haben längst realisiert, dass die auf Hochglanz polierte Marke ihr wichtigster Wert ist.

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