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Badische Neueste Nachrichten: Im Privaten

Karlsruhe (ots) - Ein Kind, das heute geboren wird, kenne keine Privatsphäre mehr - meint Edward Snowden. Dass der Ex-Geheimdienstmitarbeiter in seiner "Weihnachtsansprache" ein Ende der staatlichen Überwachung einfordert, löst allerdings nur einen klitzekleinen Teil des Problems. Denn Snowden hat fraglos recht: Das Ideal einer reinen Privatsphäre ist innerhalb nur einer Generation arg verbeult worden. Daran sind allerdings weniger die Geheimdienste schuld, die mit einem kaum für möglich gehaltenen Aufwand Kommunikationsdaten horten. Schuld sind die Verlockungen modernerer Medien, die das Leben komfortabler machen - und als Preis dafür, einen tiefen Blick ins Private werfen. Das Handy weiß heute mehr über einen Menschen als sein eigener Ehepartner, hat kürzlich ein schlauer Mann formuliert. Und da das Handy zwar viel speichern kann, aber wenig für sich behalten mag, können viele daran Anteil nehmen - Telekommunikationsfirmen natürlich und Internetkaufhäuser, und der ein oder andere, der im Trüben fischt. Aber auch manch ein elektronischer Schnickschnack, der jetzt zu Weihnachten unterm Christbaum lag, wird schon vom ersten Einschalten an den Datenberg über private Vorlieben im Internet erhöhen. Engländer umgeben ihre Häuser traditionell mit mannshohen Sträuchern, um ihr Heim zu schützen und damit ihre Privatheit. Wer heute seine Privatsphäre schützen will, muss eine weit höhere Schranke setzen: Er muss ein gerüttelt Maß an Komfort aufgeben. Er muss seinem Computer verbieten, Cookies zu setzen und Ortungsfunktionen im Handy ausschalten. Das heißt bei vielen sinnvollen und unproblematischen Verrichtungen auf Bequemlichkeit zu verzichten. Es heißt aber auch, ein wenig die Spuren zu mindern, die jeder, der im Netz unterwegs ist, unweigerlich hinterlässt. Und diese Spuren wachsen sich zu einem Rohstoff aus, der längst für Milliardenumsätze sorgt. Die EU bastelt gerade an einem Gesetz, das den Umgang mit dem Datenmüll regeln soll. Das ist gut gemeint, um nicht zu sagen: etwas naiv. Viel zu rasant entwickelt sich die Branche. Wer Kindern heute die Privatsphäre erhalten will, darf nicht auf den Gesetzgeber warten. Er muss selbst abschalten.

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