Badische Neueste Nachrichten: Vorsichtige Aufhellung

Karlsruhe (ots) - Auch Kanzlerinnen können irren. Angela Merkels düstere Prognose, die deutsche Wirtschaft werde sich 2013 noch schwerer tun als 2012, ist nur wenige Wochen nach ihrer Neujahrsansprache schon widerlegt. Mit einem Wachstum von 0,7 Prozent kalkuliert der Industrie- und Handelskammertag bisher zwar ähnlich vorsichtig wie die Bundesregierung - die Gefühlslage in den 28 000 Unternehmen, die der Verband regelmäßig befragt, ist allerdings deutlich besser als diese vergleichsweise bescheidene Zahl es ausdrückt. In fast allen Wirtschaftszweigen hellt sich der Konjunkturhimmel danach wieder etwas auf. Ein richtiger Aufschwung ist das zwar noch nicht - aber möglicherweise der zarte Beginn eines solchen. Indizien dafür liefert die Konjunkturumfrage des DIHK jedenfalls reichlich: Der Rückgang bei den Investitionen ist offenbar gestoppt, der in den Sog der Schuldenkrise geratene Export kommt langsam, aber sicher wieder auf Touren - und auch der Beschäftigungsboom ist bei einem erwarteten Zuwachs von weiteren 150 000 Stellen im Jahresmittel noch nicht zu Ende. Dass Messeveranstalter, Unternehmensberater und IT-Dienstleister ihre Aussichten für 2013 noch optimistischer beurteilen als andere Branchen, passt in dieses Bild: Die Wirtschaft, so scheint es, kommt allmählich wieder in Schwung. Wenn die Schuldenkrise nicht eskaliert und nach der Bundestagswahl keine milliardenschweren Belastungen auf die Wirtschaft zukommen, könnte 2014 das Jahr werden, in dem die Konjunktur wieder richtig Fahrt aufnimmt. Die große Krise haben Deutschlands Unternehmen damit deutlich besser gemeistert als viele ihrer Konkurrenten in anderen Ländern. Das ist, unter anderem, auch ein Verdienst der Politik, die ihnen mit einem klugen Krisenmanagement und großzügigen Kurzarbeiterregelungen größere Blessuren erspart hat. Schon deshalb muss die Politik jetzt darauf achten, dass sie diese Erfolge nach der Wahl nicht durch schärfere Regelungen bei der Erbschaftsteuer, eine verpatzte Energiewende oder gar eine Substanzbesteuerung von Betriebsvermögen wieder zunichtemacht.

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