Badische Neueste Nachrichten: Symbolische Geste

   

Karlsruhe (ots) - Sie nehmen nichts - und geben viel. 23 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich in Vereinen und Kirchengemeinden, in Umweltinitiativen, Integrationsprojekten oder sie bringen sich als rüstige Rentner bei der Hausaufgabenhilfe ein. Was sie für eine Gesellschaft leisten, deren Fliehkräfte sich rasant beschleunigen, lässt sich in Euro und Cent gar nicht ausdrücken. Diese Kultur der Mitverantwortung ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar. Sie ist der Kitt, der das Gemeinwesen zusammenhält. Auch der kleine Steuernachlass, mit dem der Staat den Einsatz von Jugendtrainern oder Chorleitern honoriert, ist nicht viel mehr als eine symbolische Anerkennung für dieses Engagement - seinetwegen alleine wird kaum jemand seine Feierabende und seine Wochenenden opfern. Der wahre Charme des neuen Gesetzes, das das Kabinett gestern beschlossen hat, liegt deshalb auch nicht in den etwas höheren Freibeträgen für Ehrenamtliche. Profitieren werden von der Neuregelung vor allem die Vereine, Initiativen und Stiftungen, in denen diese Menschen sich engagieren: Union und FDP befreien sie nicht nur von einem Teil der lästigen Steuerbürokratie: Sie können künftig auch etwas mehr Geld zurücklegen, ohne dass das Finanzamt sofort die Hand aufhält oder ihnen gar die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Das ist vernünftig, für den Fiskus nicht allzu teuer und nach den Scharmützeln um das Betreuungsgeld, die Rente oder die Praxisgebühr ein Beweis, das die Koalition sich zumindest im Kleinen noch einigen kann, wenn sie es denn will. Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre Deutschland ärmer und kälter. Umgekehrt allerdings ist dieses Engagement auch für die, die sich engagieren, ein Gewinn. Wer sich einmischen kann, wer helfen und mitgestalten kann, lebt zufriedener und entwickelt sich auch persönlich weiter. Der kleine Steuervorteil ist dann nur noch das Tüpfelchen auf dem berühmten i.

Pressekontakt:

Badische Neueste Nachrichten
Klaus Gaßner
Telefon: +49 (0721) 789-0
redaktion.leitung@bnn.de