Karlsruhe (ots) - Die Krise der Euro-Zone hat sich zur Zeit dermaßen in den Vordergrund gespielt, dass andere Europa-Themen überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden. Die maroden Schuldenstaaten Griechenland, Spanien und Italien dominieren die Schlagzeilen; und eine Institution wie die Europäische Zentralbank, die früher im Verborgenen die Fäden zog, steht plötzlich im grellen Licht der Öffentlichkeit. Wer will da noch wissen, was derzeit in Ungarn und Rumänien passiert - oder gar in Serbien? Gewiss, diese Staaten gehören nicht der Eurozone an, aber Ungarn und Rumänien sind EU-Mitglieder; und Serbien will der Europäischen Union so bald wie möglich beitreten. Diese Nationen sind also keine fernen Staaten, zu denen Deutschland nur lose diplomatische Beziehungen pflegt, sondern sie sind über Verträge und über einen Wertekanon eng mit den Deutschen verbunden. Trotzdem regt sich hierzulande niemand darüber auf, dass in Budapest und Bukarest ein Verfassungsbruch nach dem anderen begangenen wird. Auch wird ignoriert, dass in Serbien die Unabhängigkeit der Nationalbank im Handstreich beseitigt worden ist. Kritische serbische Stimmen weisen sogar darauf hin, dass dieser Vorgang in Europa einmalig und nur mit Zuständen in Nordkorea oder Kuba zu vergleichen sei. Übertrieben ist das nicht. Denn in Serbien erlebt das national-kommunistische Milosevic-Regime derzeit seine Auferstehung. In der neuen Koalition um Regierungschef Ivica Dacic sind all die alten Seilschaften wieder auf wichtigen Ministerposten anzutreffen. Aber was hört man dazu aus Brüssel oder Berlin? Nichts, rein gar nichts. Dabei wäre es doch wichtig, solche verheerenden Entwicklungen bei einem EU-Beitrittkandidaten sofort anzuprangern. Wehret den Anfängen, sagt ein altes lateinisches Sprichwort. Aber mit diesem Grundsatz steht die Europäische Union seit jeher auf Kriegsfuß. Schon bei Rumänien und Bulgarien nahm es Brüssel nicht so genau: Obwohl beide Länder aufgrund ihrer ungelösten Korruptionsprobleme nicht reif für einen EU-Beitritt waren, wurden sie aufgenommen. Ganz zu schweigen von Griechenland, das nie der Euro-Zone hätte beitreten dürfen, da es die Gemeinschaft über seinen Schuldenstand falsch informiert hatte. Das zeigt nur eins: Expansion um jeden Preis führt zu einer Überdehnung von EU und Eurozone. Über kurz oder lang drohen beide daran zu zerbrechen.
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