Karlsruhe (ots) - Kofi Annans Rücktritt als Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Syrien war mehr als überfällig. Seine Mission scheiterte bereits vor Wochen und diente zuletzt nur noch als diplomatisches Feigenblatt, die Scham des Wegschauens bei der blutigen Metzelei zu verdecken. Damit wird es nun Zeit, für die Weltmächte Farbe zu bekennen. Zufall oder nicht sendet das Weiße Haus genau das richtige Signal. Kurz vor dem Kofi-Rückzug sickerte an die Presse durch, der US-Präsident habe eine geheime Direktive unterzeichnet, die es den amerikanischen Geheimdiensten erlaubt, die Rebellen direkt zu unterstützen. Das ist ein moralisch richtiger und strategisch cleverer Schachzug. Und ein Musterbeispiel für Obamas "versteckte Hand", mit der er in internationalen Konflikten "von hinten" führt. So hatte einmal der stellvertretende Sicherheitsberater Ben Rhodes den Stil des Präsidenten anschaulich beschrieben. Statt große Fensterreden zu halten oder mit Kraftmeierei seine Landsleute zu beeindrucken, handelt Obama mit präziser Entschlossenheit. Wann genau er die Direktive unterzeichnet hat, bleibt das Geheimnis des Weißen Hauses. Natürlich kommentiert Washington Berichte über verdeckte Operationen nicht. Das liegt in der Natur der Sache. Zumal die Schlapphüte in Syrien mit allergrößtem Fingerspitzengefühl vorgehen müssen. Schließlich muss vermieden werden, dass Waffen in die falschen Hände geraten. Vor allem nicht an Kämpfer der Al Qaida. Wie in Libyen mischen sich die Amerikaner auch in Syrien geschickt von innen ein, um dem Widerstand zu helfen, den brutalen Diktator Baschar Al-Assad zu stürzen. Das birgt Risiken, wie die lange Geschichte fehlgeschlagener Geheimdiensteinsätze nur zu gut belegt. Gemessen an den anderen Optionen - ein direktes militärisches Eingreifen oder Nichtstun in Syrien - wählte Obama einen vernünftigen Mittelweg, der bereits Früchte trägt. Nach übereinstimmenden Berichten aus der Region gehen die Rebellen bereits sehr viel koordinierter vor und sollen sich nun auch gegen die Angriffe aus der Luft verteidigen können. Wenn die jüngere Geschichte des Nahen Ostens der Maßstab ist, dürften die Tage des Diktators in Damaskus nun endgültig gezählt sein.
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