Lernen ohne Bauchweh

München (ots) - Es ist Anfang Februar und die Winterferien stehen bevor. Die Freude auf Freizeit, Skifahren und Rodeln wird allerdings bei nicht wenigen Schülern getrübt durch die Aussicht auf die Verteilung der Zwischenzeugnisse.

Oft gipfelt in der Zeugnisausgabe über die Schulwochen angestauter Stress, im schlimmsten Fall sehen sich Kinder in ihrer Angst vor schlechten Noten bestätigt. Eine von der Techniker Krankenkasse durchgeführte Studie zeigt: rund ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler leidet unter Leistungsdruck und Angst vor schlechten Noten. Im Schnitt ist jedes zweite Kind durch die Schule gestresst, mehr als zehn Prozent stehen schon unter "starkem Druck".

Gerade Kinder mit schwachem Selbstwertgefühl laufen Gefahr, sich in den Gedanken zu versteifen, sie seien lediglich so viel wert, wie sie schulische Leistungen erbringen. Häufig wirkt sich Schulstress gar auf den gesundheitlichen Zustand der Kleinen aus: Kopf- und Bauchschmerzen oder auch Schlafstörungen sind ernst zu nehmende Symptome.

Keinesfalls sollte der Druck daher durch die Eltern noch erhöht werden; statt eines zwanghaften Lernens rund um die Uhr müssen diese vielmehr unbedingt versuchen, den Kindern wieder Spaß am Lernen zu vermitteln - und dabei unbedingt auch genügend Pausen und Freizeit zum Abschalten einplanen. Zudem sollten Kinder keinesfalls mit der Bewältigung des Lernstoffs alleine gelassen werden:

"Damit man Kinder dazu bekommt, dass sie Spaß am Lernen haben, ist es ganz wichtig ihnen Techniken an die Hand zu geben. Das heißt Methoden aufzeigen, wie lerne ich eigentlich. Denn in der Schule wird es den Kindern leider oft nicht vermittelt", so die professionelle Lerncoachin Christiane Stenger. Dabei spricht die junge Frau aus eigener Erfahrung: Wäre sie noch in der siebten Klasse aufgrund mangelnder Motivation beinahe durchgefallen, bestand sie kurze Zeit später mit nur 16 Jahren das Abitur. Im Gedächtnissport fand sie die Bestätigung, die im schulischen Umfeld oft fehlte. Heute ist sie dreifache Junioren-Gedächtnisweltmeisterin und empfiehlt gerade auch für jüngere Kinder die "Geschichtentechnik": "Beim Lernen ist es immer wichtig, sich Dinge auch vorzustellen, Dinge miteinander zu verknüpfen, das heißt neues Wissen mit bereits bekanntem Wissen zu verbinden. Mit der Geschichtentechnik versucht man, sich die Information die man sich einprägen möchte als Geschichte vorzustellen und sich eine verrückte kunterbunte Geschichte auszudenken."

Bunte Bilder im Kopf helfen dabei, aus langweiligem Lernen einen Ausflug in die Phantasie zu machen - so wird Lernen und Geschichtenerzählen zu einem gemeinsamen Erlebnis für Eltern und Kinder und der Stressfaktor tritt in den Hintergrund.

Auch kleine Lernerfolge sollten dabei honoriert werden - hier ist beispielsweise ein gemeinsamer Ausflug in die Eislaufhalle oder ins Hallenbad weit motivierender als Geldgeschenke, von denen Pädagogen und Kinderpsychologen unbedingt abraten. So kann ein kleines Lernpensum durchaus mit in die Ferien genommen werden, ohne dabei Angst vor Schulaufgaben und Noten zu schüren und dem Schulstart nach der freien Woche hoffentlich ohne Bauchschmerzen entgegengesehen werden.

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