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Frankfurter Rundschau: Falsches Geschichtsbild

Frankfurt (ots) - Dass Radovan Karadzic als Kriegsverbrecher verurteilt und das Gefängnis für den Rest seines schon 70-jährigen Lebens nicht mehr verlassen würde, musste jedem klar sein, der den Prozess des Haager Kriegsverbrechertribunals verfolgt hat. Schleierhaft bleibt, was in Bosnien den "Umschwung" bewirken sollte. Urteile des Tribunals sind in dem andauernden Streit der einstigen Kriegsparteien immer nur Munition für die jeweils andere Seite. Auch die Zeit, 20 Jahre seit dem Krieg, macht nichts besser. Im Gegenteil: Vor zehn Jahren bestand noch mehr Bereitschaft, die eigene Nationalgeschichte ein bisschen zu revidieren. Die Zerreißung Jugoslawiens und Bosniens, vieler Städte, Familien, erscheint aus der Rückschau der neuen Staaten nicht als Zerstörungs-, sondern als Gründungswerk. Wer dafür verurteilt wird, ist ein Märtyrer. Nur Verlierer widersprechen. Solange der Fatalismus der Geschichte nicht in Frage steht, muss Läuterung ausbleiben.

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