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Schwäbische Zeitung: Endlich mit Assad reden - Leitartikel zu Syrien

Ravensburg (ots) - Bis zu 300 000 Menschen sollen in Aleppo eingeschlossen sein, humanitäre Organisationen fordern ein Ende der Kampfhandlungen. Die zweitgrößte Stadt Syriens, eines der kulturhistorischen und wirtschaftlichen Zentren des Landes, berühmt für seine Gelehrten, für seinen Markt unterhalb der berühmten Zitadelle, ist zum Sinnbild geworden für einen Krieg, der immer weitergeht, weil zu viele an ihm Gewinn machen.

Es profitieren ein halbes Dutzend Rebellengruppen, die entweder mit dem Terrornetzwerk al-Kaida verbandelt sind oder aber mit dem Islamischen Staat. Andere wiederum begaben sich vor fünf Jahren in einen Krieg gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und entdecken nun, dass Krieg auch ein Geschäft ist: mit Schutzgeldern, mit Schmuggel, mit Waffenverkäufen. Ihre Kommandanten, die Warlords, sind oft genug selbst ernannte Herrscher ohne Programm, außer dem, Profit zu machen. Auf der anderen Seite sind es Offiziere der Assad-Armee, die versuchen, aus der Lage für sich ebenfalls das Beste zu machen: mit Schutzgeldern, mit Schmuggel, mit Waffenverkäufen.

Dazwischen sind die Aleppiner. Auch wenn meist über den Hunger und Schrecken in von den Rebellen gehaltenen Stadtteilen berichtet wird, geht es jenen in den von Assads Truppen verteidigten Quartieren, wo die verbleibenden Christen leben, nicht viel besser. Es gibt in diesem syrischen Krieg, dessen Sinnbild Aleppo geworden ist, keine klaren Linien, die Gut von Böse und Noblesse von Niedertracht trennen.

Die schöne, alte Stadt ist Symbol für die Einheit Syriens als Staat. In Aleppo manifestiert das Regime seinen Machtanspruch, die Rebellen würden von hier aus ihr Kalifat regieren. Wer dieses Syrien als Staat erhalten will, muss Präsident Assad einbinden, ebenso wie seine Unterstützer aus Russland und Iran. Niemand muss den Diktator als Heilsbringer bejubeln. Aber der Fall Aleppos an eine Allianz aus Rebellen, Terroristen und Geschäftemachern würde Syrien zu einem zweiten Somalia machen.

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