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Schwäbische Zeitung: "Ein kleiner Schritt für den Sport" - Kommentar zum Dopingskandal

Ravensburg (ots) - Der Ausschluss der russischen Leichtathleten von Olympia mag ein klitzekleiner Schritt in Richtung eines ehrlichen Sports sein - ein Sieg ist er nicht. Dem Weltverband blieb schlicht keine andere Wahl mehr, als dem Rat seiner Taskforce zu folgen und die Russen für ihre langjährigen, systematischen, bis in die Gegenwart anhaltenden Dopingvergehen zu bestrafen. Andernfalls hätte die IAAF auch das letzte Fitzelchen Glaubwürdigkeit verloren. Schließlich handelt es sich um einen Verband, dessen langjähriger Präsident Lamine Diack unter Anklage steht, gegen Geld Doping verschleiert, respektive gefördert zu haben und damit jeglichen fairen Wettkampf ad absurdum geführt zu haben. Und dessen aktuellem Chef Sebastian Coe ebenfalls Vetternwirtschaft vorgeworfen wird.

Für Russland und Präsident Wladimir Putin, der offenbar Siege im Sport braucht, um die Kraft seines Reiches zu demonstrieren, ist die Sperre eine Ohrfeige, mehr nicht. Wohl, um Vorwürfen der Sippenhaft zu begegnen, baute die IAAF russischen Einzelsportlern ein dubioses Hintertürchen auf, zudem bleiben Putin in Rio immerhin noch 40 andere Sportarten - auch in denen manipulierten seine Russen allerdings.

Allein sind sie damit leider nicht: Der olympische Sport steckt in einer globalen und existenziellen Krise. Am Donnerstag erst kam die Nachricht, dass alle vier kasachischen Olympiasieger von 2012 im Gewichtheben gedopt waren, auch die Zahl und die Umstände der Betrugsfälle in Kenia und Jamaika lassen tief blicken. Gleich 55 Nachproben aus Peking und London waren positiv, die Sotschi-Spiele mit 14 russischen Siegen rückblickend wohl eine Farce.

Nähmen die führenden Funktionäre im Weltsport den Kampf gegen Doping ernst (wäre ihre Mehrzahl also Gegner, nicht Teil des Betrugssystems), müssten sie diverse Nationen und komplette Sportarten für Jahre aus dem Verkehr ziehen. So bleibt der Kampf gegen Sportbetrug einer, den vor allem westliche Justizen per Gesetz vorantreiben - und Journalisten wie der ARD-Mann Hajo Seppelt, der in Russland nun Staatsfeind Nummer eins sein dürfte.

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