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Schwäbische Zeitung: Deutschland braucht die USA - Leitartikel

Ravensburg (ots) - Schier unendlich scheint es zu sein, das Sünden- und Fehlerregister der USA. Unselige Kriegseinsätze inklusive Kriegsverbrechen, Todesstrafe, Guantánamo, Umgang mit der schwarzen Bevölkerungsminderheit, Abhörwut der NSA samt Bespitzelung befreundeter Politiker und so weiter und so fort. Fazit: ein schlimmes Land. 45 Prozent der Deutschen teilen diese Ansicht, so viele wie noch nie. Nur noch die Hälfte hat ein positives Amerika-Bild. Die Kritik an all den genannten Sünden, Fehlern, Missständen ist berechtigt. Teilweise sind sie schändlich für die USA. Dennoch ist der zunehmend salonfähige Antiamerikanismus ein erstaunlicher Befund - und ein gefährlicher. Erstaunlich ist er, weil das kollektive Gedächtnis der Deutschen offensichtlich immer größere Lücken aufweist. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Deutschland keinen verlässlicheren Partner als die USA. Der Wiederaufbau, der schnell errungene Wohlstand, die Wiedervereinigung: Ohne die Hilfe des großen Bruders jenseits des großen Teichs wäre all dies und vieles mehr nicht möglich gewesen. Die Vereinigten Staaten waren die entscheidende Schutzmacht innerhalb der Nato. Sie haben zu Zeiten des Kalten Krieges den Westdeutschen ihre Freiheit garantiert. Und sie sind heute die wichtigste Schutzmacht der osteuropäischen Staaten, die sich von einem aggressiven Putin-Russland bedroht sehen. In diesen Ländern steht das Ansehen der USA nicht zufällig hoch im Kurs. Ein zunehmend amerikafeindliches Deutschland birgt aber auch die Gefahr einer dauerhaften Entfremdung. Die wäre eher zum Schaden der Deutschen. Weshalb sollten die USA weiter den Schulterschluss pflegen mit einem als unsicher wahrgenommenen Kantonisten? Umgekehrt ist aber das Gewicht der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik geradezu abhängig von diesem Schulterschluss. Summa summarum: Deutschland ist auf eine intakte transatlantische Partnerschaft angewiesen. Die antiamerikanischen Ressentiments blenden diese schlichte Tatsache aus. Sie sind irrational.

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