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Schwäbische Zeitung: Traurige Stichwahl

Ravensburg (ots) - Vieles passte so gar nicht zu den Brasilianern, die als ausgesprochen harmoniesüchtig gelten und die Gesprächspartnern aus Höflichkeit so gut wie nie ein deutliches Nein entgegnen. Doch der Präsidentenwahlkampf ist aus dem Ruder gelaufen.

Nicht Respekt vor der anderen Position, sondern Hass auf den Gegenkandidaten prägte die letzten Wochen der Kampagne. Das Wahlgericht verbot persönliche Angriffe. Eine der Folgen dieser Entscheidung: Die Spots von Präsidentin Dilma Rousseff mussten um 20 Prozent gekürzt werden.

An und für sich stehen beide Bewerber in der Stichwahl politisch gar nicht einmal so weit auseinander. Aber Rousseff ist es nicht gelungen, sich vom sozialistischen Übervater, Vorgängerpräsident Lula, zu emanzipieren. Und ihr Gegner Aécio Neves verstand es nicht, das Wählerreservoir der ausgeschiedenen und eher grünen Kandidatin Marina Silva geschlossen zu sich herüberzuziehen. Also wurde mangels überzeugenden Argumenten mit Polemik auf den jeweils anderen eingedroschen.

Alleine diese Entwicklung ernüchtert die Optimisten, die glaubten, der größte Staat Lateinamerikas sei dabei, als stabile Demokratie eine globale Führungsrolle zu übernehmen. Der Wahlkampf war ein Wettstreit auf niedrigem Dritte-Welt-Niveau. Dilma Rousseff könnte davon profitieren. Viele Millionen ohne geregeltes Einkommen und Bildung verehren den charismatischen Lula, der als Strippenzieher hinter der blassen Rousseff weiterhin die brasilianische Politik bestimmt. Es scheint, als könnte Rousseff davon noch einmal profitieren.

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