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Schwäbische Zeitung: Fracking hat hier keine Zukunft - Leitartikel

Ravensburg (ots) - Man mag es mutlos finden, dass die Minister in Konstanz nicht einfach ein Frackingverbot beschließen. Immerhin gibt es in Deutschland eine breite Ablehnung der umstrittenen Technik. Doch der Beschluss vom Freitag ist eine weitere hohe Hürde, die jedem Unternehmen die Lust auf das Abenteuer Fracking in Deutschland verleiden wird. Selbst wenn es jemandem gelänge, in jahrelangen Antragsverfahren alle behördlichen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wird die Aussicht auf Dauerproteste wütender Bürger mögliche Investoren abschrecken. Wer unbedingt fracken will, findet andernorts bessere Voraussetzungen als hierzulande.

Recht so. Denn kaum jemand in Deutschland will Fracking. Auch die Zukunft der hiesigen Energieversorgung hängt nicht von ein paar möglichen Gasvorkommen im Alpenvorland ab. Die Probleme sind größer und drängender. Um die deutsche Energiewende vor dem Scheitern zu bewahren, braucht es neue Leitungen, bessere Speicher und schnell zuschaltbare Kraftwerke, die bislang weder gebaut noch finanziert sind. Und um die Abhängigkeit großer Teile Mittel- und Osteuropas vom russischen Gas zurückzufahren, muss ein europäischer Energiemarkt mit noch mehr Handel und noch mehr Leitungen her.

Die Herausforderungen sind riesig: Erst angesichts der Ukrainekrise wird vielen Menschen bewusst, wie sehr vor allem östliche EU-Mitglieder am russischen Gastropf hängen. Die Flüssiggasterminals, an denen die Tanker aus den USA in Europa anlanden könnten, existieren bisher meist nur in der Fantasie.

Gewaltig sind aber nicht nur die Probleme, sondern auch die Chancen: Bei der energetischen Sanierung schlummern riesige Sparpotenziale, intelligente Stromnetze eröffnen neue Nutzungsmöglichkeiten, und noch immer sollte man die Hoffnung auf gute Stromspeicher nicht begraben. Es gibt für Firmen viele Möglichkeiten, an der Energiewende schnell und gut zu verdienen. Und alle sind besser, als einen langen und fast aussichtslosen Kampf um ein Erdgas-Bohrloch am Bodensee zu führen.

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