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Schwäbische Zeitung: Leitartikel zum ADAC - Auf Normalmaß geschrumpft

Ravensburg (ots) - Deutschland ist um eine als unantastbar geltende Instanz ärmer. Seitdem der ADAC-Pressechef gestanden hat, bei der Wahl des Gelben Engels betrogen zu haben, ist das Vertrauen in Deutschlands größten Verein erschüttert. Es wird lange dauern, bis Politiker und Autobosse wieder vor dem ADAC kuschen. Nun stellt sich die Frage, wem es nützt, dass die Mauscheleien öffentlich wurden. Denn schließlich kamen die Fälschungen nicht zufällig heraus, sondern durch gezielte Indiskretion - vermutlich in der Absicht, den gesamten Club zu diskreditieren. Feinde hat sich der ADAC wahrlich genug gemacht. Viele Kritiker, die sich jetzt zum Skandal äußern, begleichen in Wahrheit alte Rechnungen. Der ADAC ist das Feindbild der Ökobewegung und der Quälgeist der Verkehrspolitiker. Die Grünen nehmen dem Club Kampagnen gegen Biosprit übel, die CSU hadert mit dem kategorischen Nein zur Maut. Selbstbewusst, oft selbstherrlich haben ADAC-Funktionäre Politik und Presse belehrt. Wer Positionen des Vereins in Zweifel zog, wurde abgekanzelt. Der Club vereinnahmte Millionen Mitglieder, um Politik zu machen. Geschickt inszenierte sich der ADAC als überparteilicher Fürsprecher der Verbraucher. Ihm fiel die Rolle zu, dem Kollektiv der deutschen Autofahrer eine Stimme zu verleihen. Oft schützte der Club vermeintliche Interessen seiner Mitglieder auch nur vor, um auf eigene Rechnung zu arbeiten. So gaben ADAC-Funktionäre die Büchsenspanner für die Industrie. Sie vertraten Positionen, die den Autoherstellern in einer auf Umweltschutz und Vernunft geeichten Gesellschaft anrüchig schienen oder peinlich waren. Im Namen des Volkes kämpfte der ADAC gegen Umweltzonen, Tempolimit und strikte Promillegrenzen. Nun schrumpft der Club auf Normalmaß. Der Skandal reduziert ihn auf die Rolle eines fehlbaren Vereins, dessen Mitglieder vor allem die Pannenhilfe und Unfallrettung schätzen. Diese selbst verschuldete Verzwergung des ADAC passt gut zu einer Gesellschaft, in der das Auto den Rang als Statussymbol verloren hat.

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