OV: Überfällige Korrektur Thema: Mehr Geld für künstliche Befruchtung Von Andreas Lesch

   

Vechta (ots) - Es gibt politische Entscheidungen, die immer falsch sind - egal ob der Staat sparen muss oder nicht. Ein unschönes Beispiel dafür ist die Gesundheitsreform 2004. Seit dieser Reform werden die Kosten für eine künstliche Befruchtung nicht mehr vollständig, sondern nur noch zur Hälfte und für die ersten drei Versuche von den Krankenkassen übernommen.

Erstaunlich ist weniger, dass die Politik diesen Fehler nun zumindest teilweise korrigiert - sondern mehr, dass sie es erst so spät tut. Künftig werden ungewollt kinderlose Paare wieder stärker unterstützt. Wer mit Experten spricht, der hört, dass das überfällig ist.

Denn zum einen hat die Kürzung von 2004 unser Land ungerechter gemacht. Sie hat dafür gesorgt, dass Gutverdiener sich künstliche Befruchtungen eher leisten konnten als Schlechtverdiener. Zum anderen hat sie die sozialen Probleme, die auf uns zukommen, verschärft: Pro Jahr konnten Tausende Paare weniger als vorher zu Eltern werden, die ein Kind wollen. Das schmerzt nicht nur die Betroffenen, es geht uns in Zeiten des demografischen Wandels alle an.

In unserem Gesundheitssystem werden Millionen Euro verschwendet für überteuerte Medikamente und überflüssige Behandlungen. Wer sparen will, kann das also anderswo tun. Soll die neue Unterstützung kinderlosen Paaren helfen, dann muss sie dauerhaft sein. Und uns muss klar sein, dass sie nur ein Symptom kuriert, nicht die Ursache des Problems: dass die Gesellschaft viele Menschen fast zwingt, ihren Kinderwunsch lange aufzuschieben. Manchmal zu lange.

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