Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK)

BDK: Das alltägliche Versagen des Kinderschutzes Bundesweite Einführung von RISKID könnte viele unschuldige Kinderleben retten!

Berlin (ots) - In dem neuen Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder", das in der neusten Ausgabe des STERN ausführlich vorgestellt wird, haben der Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und seine Kollegin Saskia Guddat zahlreiche Fälle von Kindesmisshandlungen zusammengetragen. Laut Tsokos werden in Deutschland jede Woche rund 70 Kinder schwerst misshandelt. Sie werden geprügelt, getreten, geschüttelt, gebissen, gewürgt oder verbrüht. Drei davon sterben im Schnitt an den Folgen ihrer Misshandlung.

"Die von Professor Tsokos präsentierten Zahlen sind dramatisch, Insidern aber leider schon lange bekannt", so der Bundesvorsitzende des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz. "Die Täter sind fast immer die Väter oder die Mütter beziehungsweise die neuen Lebensgefährten eines Elternteils. Das Dramatische dabei ist, dass man einen Großteil der Opfer hätte verhindern können", so Schulz weiter.

Seit mehreren Jahren unterstützt der BDK das Projekt RISKID (www.riskid.de). Bei RISKID handelt es sich um ein dateibasiertes elektronisches Informationssystem für Ärzte. Unter Berücksichtigung der ärztlichen Schweigepflicht wird es Ärzten so ermöglicht, sich gegenseitig über Befunde und Diagnosen zu informieren. Der informierte Kinderarzt hat dann die Chance, intensiver zu schauen und zu prüfen, ob ein misshandeltes Kind jeweils bei unterschiedlichen Ärzten vorgeführt wurde, um die Misshandlungen zu verschleiern.

"Mit RISKID wird das Ärztehopping fast unmöglich gemacht", so Schulz. "Die seit Jahren regional teilweise vorhandene und vom BDK bundesweit geforderte Datei wird in einem aktuellen Rechtsgutachten als rechtskonform bewertet, eine bundesweite Einführung wären sofort möglich. Der Gesetzgeber weigert sich aber weiterhin beharrlich unter dem Deckmantel des Datenschutzes vor der Umsetzung."

Der BDK unterstützt die Forderungen von Prof. Tsokos, dass Helfer von Jugendämtern und freien Trägern, die mit der Betreuung von auffälligen Familien beauftragt werden, sowie Entscheider - wie Richter, Schöffen, Staatsanwälte oder Kinderärzte - verpflichtet werden müssen, rechtsmedizinische Schulungen zu absolvieren, damit sie nicht auf die Schutzbehauptungen elterlicher Misshandler hereinfallen. Ebenso ist eine generelle Leichenschaupflicht bei toten Kindern und Jugendlichen erforderlich, die von Rechtsmedizinern oder entsprechend geschulten Ärzten durchgeführt werden muss.

"Neben denjenigen, die ihre Kinder misshandeln, gehören alle die mit auf die Anklagebank, die verhindern, dass wir Kinder wirkungsvoll schützen können. Opferschutz muss hier ganz klar vor Täterschutz gehen", so Schulz abschließend.

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