Kreispolizeibehörde Viersen

POL-VIE: Polizei und Verbraucherzentralen warnen anlässlich des Weltverbrauchertags am 15.3. vor unseriösen Schlüsseldiensten und geben Tipps, wie man sich vor ihnen schützen kann

Kreis Viersen (ots) - Auch im Kreis sind die unseriösen Schlüsseldienste tätig: An einem Wochentag Mitte Januar musste zur Mittagszeit für eine 77-jährige Dülkenerin aus gesundheitlichen Gründen der Rettungswagen alarmiert werden. Ihr 86-jähriger Ehemann begleitete sie zum Krankenwagen. Währenddessen fiel die Wohnungstür zu. Der Schlüssel steckte von innen. Der Senior ging zu einem Nachbarn, um von dort einen Schlüsseldienst zu verständigen. In den "Gelben Seiten" befand sich recht weit oben ("AA") der Eintrag eines Schlüsseldienstes mit Viersener Vorwahl, welcher mit "von der Polizei empfohlene Sicherheitseinrichtungen" warb. Dies machte auf den Dülkener einen vertrauenswürdigen Eindruck, so dass er diese Rufnummer wählte und den Schlüsseldienst ohne weitere Absprachen zu tätigen, beauftragte. Es erschien ein Mann nicht aus Viersen, sondern mit entsprechend teurerer Anfahrt aus Düsseldorf, der ihn davon überzeugte, dass er die zugefallene Tür nicht einfach öffnen könne, sondern den gesamten Zylinder austauschen müsse. Für den "Dienst" musste der Geschädigte knapp unter 500 Euro sofort in bar bezahlen. Diese Summe übersteigt die üblichen Preise um ein Vielfaches. Auch eine Rechnung erhielt der Dülkener nicht. Als die Ehefrau nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, versuchte sie, telefonisch eine Rechnung nachzufordern. Nachdem sie über zwei Wochen lang erfolglos von einem Mitarbeiter zum nächsten verwiesen wurde, wandte sie sich an die Polizei. Ermittlungen ergaben, dass diverse Einträge in den Gelben Seiten für Viersen aufgrund der örtlichen Vorwahl und teilweise auch (falsch) angegebenen Anschriften den Eindruck erwecken, dass es sich um lokale Schlüsseldienste handelt. Tatsächlich jedoch führen die Rufnummern alle zu dem Callcenter einer "Schlüsseldienstzentrale". Der Geschäftsführer ist in den vergangenen Jahren wegen ähnlich gelagerter Sachverhalte bereits häufig aufgefallen.

Und nicht nur in Viersen, sondern wie die Pressemitteilungen der Verbraucherzentrale und Polizei von heute belegen, überall, sind diese unseriösen oder betrügerischen Handlungen verbreitet. Wie man sich schützen kann, ist ebenfalls heute veröffentlicht worden. Auszug aus der gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Verbraucherzentralen:

"Ortsansässige Firma suchen: Um Kosten gering zu halten und Angaben nachprüfen zu können, sollten Ausgesperrte im Notfall einen Schlüsseldienst in der Nähe anrufen. Beim Gespräch immer nach der genauen Anschrift der Firma und einem verbindlichen Festpreis - in der Regel zwischen 75 und 100 Euro - fragen. Nutzen Schlüsselnotdienste die Bedrängnis von Kunden aus und verlangen mehrere hundert Euro fürs Türöffnen oder wollen keinen Preis nennen, ist es ratsam, auch in der akuten Stresssituation mehrere Anbieter anzurufen und deren Leistungen miteinander zu vergleichen. Auf keinen Fall sollten Firmen einen Auftrag erhalten, die sich im Telefon- oder Branchenbuch durch die Aneinanderreihung des Buchstabens "A" an vorderster Stelle einen Vorteil verschaffen. Oft sind solche Dienste weder seriös noch ortsansässig.

Nur sachgerechte Leistungen akzeptieren: Vor Erteilung eines Auftrags sollte die Vereinbarung akribisch geprüft werden. Firmen vor Ort dürfen nur Fahrtkosten innerhalb der Ortsgrenzen berechnen. Ist eine Tür bloß zugefallen, muss sie weder aufgebrochen noch das Schloss ausgebaut werden. Beides ist aber häufige Praxis, um die Kosten in die Höhe zu treiben. Unverschlossene Türen lassen sich in der Regel ohne Beschädigung in zehn bis dreißig Sekunden von einem Fachmann öffnen. Für diese Leistung kann nur ein angemessener Betrag und nicht ein Fantasiepreis - etwa für einen zweiten Monteur oder Spezialwerkzeug - verlangt werden. Nur wenn der Notdienst außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten anrückt, kommen zur reinen Tätigkeit Nacht- und Feiertagszuschläge von 25 bis 100 Prozent hinzu. Rechnung prüfen: Eine Rechnung sollte nur dann vollständig bezahlt werden, wenn die Arbeiten korrekt ausgeführt wurden und jede Position einzeln aufgeführt und vereinbart worden ist. Kunden, die eine ungewöhnlich hohe Rechnung bekommen, sollten höchstens eine Anzahlung unter Vorbehalt leisten oder besser die Zahlung verweigern und die Rechnung lieber prüfen lassen. Nötigung nicht gefallen lassen: Dubiose Firmen werden mit verbalem Druck und erneutem Aussperren versuchen, ihren Rechnungsbetrag sofort zu kassieren. In einem solchen Fall ist es ratsam, die Polizei zu rufen und - wenn nötig - Anzeige zu erstatten. Hierzu ist wichtig, über die Kontaktdaten des Schlüsseldienstes zu verfügen und den Sachverhalt in allen Einzelheiten - von der Auftragsvergabe bis zur Nötigung - am besten mit Bestätigung eines Zeugen zu schildern. Vorsorgen für alle Fälle: Wer einen Schlüssel beim Nachbarn deponiert, ist auf den Einsatz eines Notdienstes oftmals nicht angewiesen. Wer sich zudem vorsorglich nach Preisen und Leistungen eines seriösen Schlüsseldienstes sowie weiterer Notdienste erkundigt und deren Rufnummer parat hat, ist für den Notfall bestens gewappnet."

Ein Faltblatt mit einer Checkkarte zu Notfall-Nummern und rechtlichen Rat bei überhöhten Rechnungen gibt's in den örtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW. Adressen unter www.vz-nrw.de/beratung-vor-ort. Notrufe und Strafanzeigen nimmt die Polizei Viersen unter der Rufnummer 02162/377-0 entgegen. Auf den Polizeiwachen in den Kreispolizeibehörden sind die Faltblätter der Verbraucherzentrale ausgelegt./ah (370)

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