Bundespolizeidirektion München

Bundespolizeidirektion München: 70 in einem Zug - 100 an einem Tag - 1.100 im April

In der Dienststelle der Rosenheimer Bundespolizei unterstützt der Malteser Hilfsdienst bei der Versorgung der unerlaubt eingereisten Personen. (Foto: Bundespolizei)

Rosenheim (ots) - Am Dienstag (28. April) hat die Bundespolizei in einem Fernreisezug aus Italien 70 unerlaubt eingereiste Personen festgestellt. Die meisten von ihnen stammen aus Afrika. Einige versteckten sich unter den Sitzen. Am Rosenheimer Bahnhof mussten letztlich alle 70 den Zug verlassen. Unter ihnen befand sich nach ersten Erkenntnissen sogar ein Schleuser. Die Rosenheimer Bundespolizei wurde von der Feuerwehr und dem Malteser Hilfsdienst unterstützt.

Bundespolizisten nahmen am Dienstagnachmittag beim Halt eines EuroCity in Rosenheim 70 Personen in Gewahrsam. Die Erwachsenen und Jugendlichen hatten keine Papiere, die für die Einreise oder den Aufenthalt in Deutschland erforderlich gewesen wären. Ein Großteil war offenbar in Italien am Brenner in den Zug eingestiegen. Ihre ursprünglichen Herkunftsländer sind vor allem Eritrea, Somalia, Äthiopien, Ghana und Syrien. Mehrere Afrikaner versuchten vergeblich, sich unter den Sitzen eines Abteils zu verstecken. In einem Fall weigerte sich ein Mann zunächst den Zug freiwillig zu verlassen. Schließlich nahm die Bundespolizei 70 unerlaubt Eingereiste zur Rosenheimer Dienststelle mit. Bei deren Beförderung unterstützte die Feuerwehr. Sie stellte ihren Omnibus, der sonst bei Katastrophenfällen und Evakuierungsmaßnahmen zum Einsatz kommt, zur Verfügung.

Da mehrere Afrikaner offensichtlich an Krätze leiden und ein Mann auch Tuberkulose-Symptome aufweist, wurde das Gesundheitsamt eingeschaltet. In den Räumlichkeiten der Bundespolizei kümmerte sich der Malteser Hilfsdienst um die Versorgung der Menschen. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wurden die meisten am Dienstag und im Verlauf des darauffolgenden Tages der Aufnahmestelle für Flüchtlinge in München zugeleitet. 15 Minderjährige, die ohne Eltern oder Verwandte unterwegs waren, konnten der Obhut des Jugendamtes anvertraut werden. Ein Eritreer, der sich unter den 70 unerlaubt Eingereisten befand, musste hingegen die Rückreise antreten. Ersten Ermittlungen zufolge ist er bereits in Italien behördlich gemeldet. Er wird beschuldigt, als Schleuser tätig gewesen zu sein. Der 24-Jährige wird zumindest für die Organisation der Zugfahrt einiger Landsleute mitverantwortlich gemacht.

Die Bundespolizeiinspektion Rosenheim registrierte allein am Dienstag im deutsch-österreichischen Grenzgebiet etwa 100 unerlaubt eingereiste Personen. Im April waren es insgesamt rund 1.100. Mehr als zwei Drittel davon nutzten Reisezüge für den illegalen Grenzübertritt.

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Rainer Scharf
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