Polizeidirektion Itzehoe

POL-IZ: 141128.6-Kreis Steinburg: -Teerkolonnen und reisende Dachdecker - Kripo warnt vor dubiosen Haustürgeschäften mit unseriösem Hintergrund

Kreis Steinburg (ots) - In der jüngeren Vergangenheit fielen im südlichen Teil Schleswig-Holsteins Gruppierungen auf, die an verschiedene Haus- und Grundstückseigentümer herangetreten sind und ungefragt ihre Dienste angeboten haben: Mitarbeiter von Teerkolonnen, die von den britischen Inseln aufs europäische Festland gekommen sind, und solche, die Dachdeckertätigkeiten verrichten wollen und sich ihren Kunden als alteingesessene Deutsche vorstellen. Nun ist gegen das Reisegewerbe grundsätzlich nichts einzuwenden, doch ins Visier von Polizei und Kripo geraten die "Handwerker" dann, wenn sie in betrügerischer Absicht an die ahnungslosen Kunden herantreten, um mit wenig handwerklichem Einsatz und überteuerter Arbeit an gutes Geld zu kommen.

Dass die Teerkolonnen in größerer Anzahl - darunter in Kellinghusen, Horst, Rosdorf, Brokstedt oder Nortorf bei Wilster - aufgetreten sind, hat nach Auskunft eines Itzehoer Kripobeamten "eher zufälligen Charakter". Ursache dafür sei die "Reisebewegung", die sie quer über den Kontinent, aber auch in andere Teile der Welt führe. "Die Gruppen stehen nicht selten in 'geschäftlicher Konkurrenz'. Deshalb ist es eher Zufall, dass sie gegenwärtig hier so massiv herumreisen und in großer Zahl tätig sein wollen."

Jede Gruppe, so der Kripobeamte, teile sich in mehrere Arbeitscrews auf, die sondierten, wo möglicherweise Geschäfte zu machen sind. So kann es dann vorkommen, dass plötzlich ein Mann vor der Tür steht, der angibt, Mitarbeiter eines Straßenbauunternehmens zu sein. Sein Auto hat er so platziert, dass die Aufschrift "Baustellenfahrzeug" letzte Zweifel an seiner Seriosität beseitigen soll. Er habe soeben mit seinem Unternehmen in der näheren Umgebung eine öffentliche Straße geteert und noch Material übrig, lässt er wissen. Weil er erkannt habe, dass die Grundstücksauffahrt des Angesprochenen baufällig sei, biete er an, sie komplett neu zu asphaltieren.

Was bei solchen Haustürgeschäften, wenn sie dann zustande kommen, passieren kann, zeigt ein Fall Ende Juli im Großraum Glückstadt. Dort wurden Leistungen für rund 7.000 Euro angeboten, die sofort per Online-Überweisung auf das Konto eines irischen Kreditinstituts zu entrichten wären. Zwar kam dann tatsächliche auch ein "Bautrupp" - aber nicht mit einer Teermaschine, sondern mit einem Lkw mit aufmontiertem Bitumenkocher. Und statt eine geschlossene befestigte Asphaltdecke zu erstellen, lieferte der Trupp lediglich eine mit Splitt belegte Fläche ab, bei der selbst die von anderen Tätergruppen verwendete Emulsion zur Fixierung des Splitts fehlte. Glücklicherweise war es in diesem Fall so, dass das von den Tätern ausgeguckte Opfer die bereits auf den Weg gebrachte Überweisung mit Hilfe der eigenen Bank stoppen konnte. Nachdem die Teerkolonne weg war, stellte es fest, dass die abgelieferte Arbeit nicht dem entsprach, was mündlich vereinbart worden war.

Laut Bericht der Kripo Itzehoe wurde in diesem Fall festgestellt, "dass hier keine Asphaltdecke oder etwas qualitativ Vergleichbares erstellt worden ist. Vielmehr wurde eilig Splitt auf der bereits vorhandenen Asphaltdecke verteilt". Ein Tatverdacht ergab sich gegen Personen, die laut Kripobericht "einem international schattenwirtschaftlich auftretenden Sippenverband" irischer Herkunft entstammen, darunter ein Mann, der "bundesweit (...) erheblich einschlägig in Erscheinung getreten und unbekannten Aufenthalts" ist.

Wer sich mit solchen "Handwerkern" einlässt, der sollte sich auch die Frage stellen, inwieweit der sich seriös gebende Geschäftspartner Steuern entrichtet. Dass auch Rechnungen gereicht werden, ist nicht ausgeschlossen. Doch inwieweit die Firmennamen echt oder doch nur fingiert sind, kann von Laien so schnell nicht erkannt werden.

Das gilt auch für die Fälle, in denen Dachdeckerdienste von unlauter handelnden Personen angeboten werden. Und die haben es auf einen speziellen "Kundenkreis" abgesehen - auf Menschen, die meist 70 Jahre und älter sind. Und das kann sich dann so abspielen: Ein Komplize sammelt Hinweise zu einzelnen Objekten und gibt seine Erkenntnisse an einzelne oder mehrere Personen weiter, mit denen er in enger Verbindung steht. Die angeblichen Fachleute, die sich dann auf der Basis von Komplettangeboten auf dem Dach betätigen, können schon aufgrund fehlender fachlicher Ausbildung nicht das umsetzen, was sie vorgeben, leisten zu wollen. Jüngst konnte im Bereich Itzehoe ein Hausbesitzer von der Polizei davor bewahrt werden, sich auf Geschäftsbeziehungen einzulassen, die ihm letztlich hätten schaden können. Die handelnden "Dachdecker", der Kripo einschlägig bekannt, hatten einen Hilfswilligen vorgeschickt, der sich dann auch glatt als "Chef" vorstellte, aber eine Reisegewerbekarte nicht vorweisen konnte.

Alles in allem, so der Ratschlag des Kripobeamten, kann es auch für das eigene Portemonnaie besser sein, sich im Falle von zu erledigenden Arbeiten mit einem anerkannten Fachbetrieb "von nebenan" in Verbindung zu setzen. Wer unsicher ist, welche Firma er beschäftigen will, solle sich mit der Handwerkskammer seines Bereiches in Verbindung setzen uns sich beraten lassen. "Vorsichtig sollte immer der sein, der von Unbekannten an der Haustür aufgesucht und mit Angeboten konfrontiert wird. Nicht immer verbirgt sich hinter einem Schnäppchen auch ein Reingewinn."

Hermann Schwichtenberg

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