Polizeipräsidium Südhessen

POL-SHDD: Kriminalstatistik 2006 für den Landkreis Bergstraße

    Heppenheim (ots) - 1              Vorbemerkung

    - Der erfreuliche Rückgang der Gesamtstraftaten setzt sich fort (-
4,6 % zum Jahr 2005, - 9,4 % im Jahr 2005 zu  2004).
- Die Aufklärungsquote (AQ) liegt bei 53,3 %, damit leichter Rückgang
um 1 % zum Vorjahr (allerdings noch zweitbestes Ergebnis nach dem
historischen Höchststand von 54,3 %  im Jahr 2005).
- Rückgänge in den Bereichen der Straßenkriminalität, des ED aus Kfz
und bei den so genannten Gewaltdelikten (darunter Körperverletzung
und Raub).
- Keine wesentlichen Veränderungen bei der Anzahl der  
Wohnungseinbrüche;
Steigerung der AQ um 28,2 % auf 54,4 % beim Tageswohnungseinbruch.
- Steigerung der AQ bei:
         Vergewaltigung (+ 20,5 % auf 93,3 %),
         Raub (+ 8,9 % auf 60,0 %),
         Taschendiebstahl (+ 21 % auf 31,2 %),
         Brandstiftung (+ 11,1 % auf 55,7 %).

    2 Deliktsaufkommen 2006 im Vergleich zum Vorjahr

    Im Jahr 2006 wurden für den Kreis Bergstraße insgesamt 13171 Straftaten erfasst, was eine Abnahme um 633 Fälle (-4,6%) zum Vorjahr bedeutet. Parallel dazu ist die Aufklärungsquote um 1 % auf 53,3% zurückgegangen. Es konnten 7014 Fälle als aufgeklärt registriert werden.

    3 Betrachtung von Deliktsgruppen und Delikten

    Bei den Straftaten gegen das Leben sind 12 Fälle, drei Fälle weniger als im Vorjahr (-20 %), registriert worden. Diese sind als ein versuchter Mord, ein Totschlag, sieben versuchte Totschlagsdelikte und drei fahrlässige Tötungen klassifiziert worden. Es konnten alle Fälle aufgeklärt werden. Die überwiegenden Fälle sind auf Beziehungstaten zurückzuführen.

    Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 119-mal bekannt, was einen Rückgang um 32 Fälle (-21,2%) zum Vorjahr bedeutet. Darunter sind 16 Vergewaltigungen (+1 Fall) und 30 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern (-2 Fälle) als gravierendeste Ereignisse zu verzeichnen. Bei den Letzteren handelt es sich größtenteils um "Kinderansprecher und Exhibitionisten". Die exhibitionistischen Handlungen und  Erregungen öffentlichen Ärgernisses zum Nachteil Erwachsener sind um 18 auf 13 Fälle zurückgegangen. Bei den Vergewaltigungen handelt es sich überwiegend um Beziehungstaten. Die Aufklärungsquote in dem gesamten Deliktsbereich liegt bei 86,6% und hat sich damit zum Vorjahr um 1,8% erhöht.

    Eine positive Tendenz zeichnet sich bei den  Rohheitsdelikten ab, die insgesamt um 5,5 % rückläufig sind. Bei den Raubdelikten ist ein Rückgang von 26,1% bei gleichzeitiger Erhöhung der Aufklärungsquote auf 60 % zu verzeichnen. Entgegen dem "hessenweiten Trend" ist für den Bereich der Bergstraße bei der gefährlichen/schweren Körperverletzung ein Rückgang der Fallzahlen um 11,8 % und bei der Körperverletzung auf Straßen/Wegen/Plätzen sogar um 15,6 % festzustellen. Ursächlich hierfür dürften u.a. stärkere Präsenzmaßnahmen bei Festen wie auch ein entschlossenes Vorgehen gegen bekannte Störer im Vorfeld gewesen sein.

    Steigend waren indes die Zahlen bei der so genannten "häuslichen Gewalt". Hier war eine Zunahme von 27 Fällen ( 2,7 %) zum Vorjahr zu verzeichnen.

    Für den Diebstahl ohne erschwerende Umstände ist ein Rückgang um 103 auf 3275 Fälle (-3%) festzustellen, die Aufklärungsquote liegt bei 43,5% und konnte somit um 0,4% im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden. Dieser Deliktsbereich hat einen Anteil von 24,9% an den Gesamtstraftaten. Zu dem Rückgang haben u.a. niedrigere Fallzahlen beim Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln (-46) und beim Diebstahl an Kraftfahrzeugen (-111) beigetragen. Allerdings steht dem gegenüber ein Anstieg  beim Diebstahl aus Kfz (+46 Fälle),  aus Büroräumen (+16 Fälle), aus Gaststätten/Hotels (+14 Fälle) und beim Taschendiebstahl (+23 Fälle). Der  Ladendiebstahl (+8 Fälle) belegt nach wie vor mit 1089 Fällen einen sehr hohen Anteil (33,3%) an den einfachen Diebstahlsdelikten. Insbesondere betroffen sind dabei das Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim und Großmärkte in Heppenheim und Bensheim. Der hohe Straftatenanteil lässt sich mit einem verstärkten Einsatz von Kaufhausdetektiven erklären. Es handelt sich dabei um eine partielle Aufhellung des Dunkelfeldes. Beim Diebstahl an Kraftfahrzeugen (insgesamt  375 Fälle) spielt die damit verbundene "Ersatzteilbeschaffung" eine nicht unbedeutende Rolle. Beim Taschendiebstahl  (94 bekannt gewordene Fälle) ist festzustellen, dass es sich bei den Tatorten überwiegend um Einkaufsmärkte mit hohem Publikumsverkehr handelt, die den Täterinnen und Tätern ein unauffälliges Agieren ermöglichen.

    Beim Diebstahl unter erschwerenden Umständen ist nach einem starken Rückgang im Jahre 2005 zu 2004 (-477 Fälle) für das Jahr 2006 (-3 Fälle) etwa das Vorjahresniveau zu registrieren. Insgesamt wurden 2905 Fälle (aufgeklärt 476 Fälle = 16,4 %) angezeigt, der Anteil an den Gesamtstraftaten beträgt  22,1%. Die Aufklärungsquote ist um 0,4% gesunken. Gestiegene Fallzahlen in den Bereichen Diebstahl von Krad/Moped (+69), von Fahrrädern (+44), aus Büros (+44) und aus Rohbauten/von Baustellen (+29) werden durch Rückgänge in den Bereichen Diebstahl von Kraftwagen (-33), von /aus Automaten (-61), aus Boden-/Kellerräumen (-27) und aus Kraftfahrzeugen (-71) kompensiert. Mit dem Rückgang der Pkw-Aufbrüche, wofür gezielte operative Maßnahmen mit verantwortlich gewesen sein dürften, setzt sich die erfreuliche Tendenz aus dem Jahre 2005 (mit 70 Fällen weniger zum Vorjahr 2004) fort.

    Der Wohnungseinbruch (217 Fälle) und der Tageswohnungseinbruch (68 Fälle) liegen auf dem Vorjahresniveau. Positiv zu vermerken sind die Aufklärungsquoten, die im Jahr 2006 beim Wohnungseinbruch bei 35 % (+3,8%) und beim Tageswohnungseinbruch bei 54,4 % (+28,2%) liegen. Kreisweit koordinierte und überregionale polizeiliche Maßnahmen dürften dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

    Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte sind 218 Fälle weniger als im Vorjahr registriert worden, was für das Jahr 2006 eine Gesamtzahl von 2318 Fällen (-8,6%) bedeutet. Die Aufklärungsquote liegt insgesamt bei 78,7% und konnte im Vergleich zum Vorjahr um 0,3% verbessert werden.  Der Straftatenrückgang betrifft überwiegend Betrugsverfahren.

    Bei den sonstigen Straftatbeständen ergibt sich ein Rückgang um 205 auf 2261 (-8,3%) Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 47,5% und damit 3,8% unter dem Vorjahr. Erwähnenswerte Rückgänge sind beim Hausfriedensbruch (-24), der Beleidigung (-22) und der Sachbeschädigung (-161), darunter allein bei der Sachbeschädigung an Kfz (-150), zu verzeichnen. Hierbei wurden  insgesamt 714 Fälle registriert. Es handelt sich dabei um mutwillige Beschädigungen am Lack, Einschlagen von Scheiben und das Zerstechen von Reifen. Das Verhalten dürfte dem Phänomen Vandalismus zuzuordnen sein. Die Aufklärungsquote bei der Sachbeschädigung liegt bei 24% und damit 7,9% unter dem Vorjahresniveau.

    Die Verstöße gegen die strafrechtlichen Nebengesetze weisen eine minimale Steigerung um 24 Fälle auf (gesamt: 694). Die Aufklärungsquote liegt bei 96,3 %, damit unverändert zum Vorjahreswert.

    Die Verstöße gg. das Betäubungsmittelgesetz (Rauschgiftkriminalität) sind um 9 Fälle auf 416 Fälle zurückgegangen. Die Aufklärungsquote liegt bei 96,9% (+0,7%) Die geringeren Fallzahlen können mit der zeitaufwändigen Bearbeitung mehrerer Großverfahren erklärt werden, die es nicht ermöglichten, in diesem Bereich der so genannten Kontrollkriminalität verstärkt aktiv zu sein. Aus den vorhandenen Daten kann lediglich auf einen Trend, nicht aber auf die tatsächliche Situation in Bezug auf Handel und Konsum von illegalen Drogen geschlossen werden. Von den  registrierten Fällen sind 61 Fälle dem Einsatz der Beamtinnen und Beamten der Direktion Verkehr und Sonderdienste, der die Polizeiautobahnstation Südhessen in Darmstadt angegliedert ist, zuzuschreiben.

    Aufschlüsselung der Fallzahlen nach der Art des Rauschgiftes:

    ART 2005 2006 ART 2005 2006 Heroin 25 35 Cannabis 195 209 Kokain 17 17 Sonstige 47 38 Amphetamin 51 41 Handel/Einfuhr 90 76

    Sichergestellt wurden:

    Ecstasy     320 Stück                 Amphetamine 518 g
Marihuana 1250 g Haschisch                      5137 g
Heroin                         82 g Kokain                       27 g
LSD                                 1 Stück                    Hanfpflanzen                    
40 Stück

    2006 war ein Drogentoter zu beklagen. Es handelte sich um einen 26-jährigen Drogenabhängigen aus Wald-Michelbach, der im Januar tot nach Betäubungsmittel-konsum in einem Buswartehäuschen im Ortsteil Affolterbach aufgefunden wurde.  Die Situation von Drogentoten stellt sich in den letzten  Jahren wie folgt dar: 2005 einer, 2004 drei, 2003  drei, 2002 vier, 2001 vier, 2000 vier.

    4 Ermittelte Tatverdächtige

    2006 konnten 5554 Tatverdächtige (2005: 5747) ermittelt werden. Davon sind 4195 männlichen und 1359 weiblichen Geschlechts.

    Unter diesen Tatverdächtigen befinden sich 1469 Personen (2005: 1486) unter 21 Jahren, was einem Anteil von 26,4% (2005: 25,9%) entspricht. Der Anteil der ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahren an den insgesamt ermittelten Tatverdächtigen stellt sich wie nachstehend dar:

    Kinder: 260   4,7 %                 (2005:    4,3 %)
Jugendliche: 683 12,3 %                 (  "          12,0 %)
Heranwachsende: 526   9,5 %                 (  "              9,6 %)
Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen betrug 25% (1390), im
Vorjahr lag dieser Anteil bei 26,5% (1524).

    Von den insgesamt ermittelten Tatverdächtigen waren bei Tatausführung 76,6 % alleinhandelnd, 44,1 % bereits polizeilich in Erscheinung getreten und 1,0 % Konsumenten harter Drogen; 2,3 % handelten unter Alkoholeinfluss.

    54,8 % der ermittelten Tatverdächtigen begingen die Straftaten in der eigenen Tatortgemeinde, weitere 19,0 % hatten ihren Wohnsitz im Kreis Bergstraße, 4,3 % waren ohne festen Wohnsitz.

    Zwischen Opfern und Tatverdächtigen bestanden in 15,7 % verwandtschaftliche, in 24,2 % bekanntschaftliche, in 0,3 % landsmannschaftliche, in 14,2 % flüchtige und in 34,5 % keine Beziehungen. In 11 % der Fälle ist hierzu keine Aussage möglich.

    5 Die Entwicklung der Kriminalität in den Städten und Gemeinden des Kreises Bergstraße

    Die Entwicklung der Kriminalität in den Kommunen im Kreis ab dem Jahr 2001 für die Gesamtstraftaten, den Schweren Diebstahl und den Raub mit den errechneten Häufigkeitszahlen (Straftaten hochgerechnet auf 100 000 Einwohner) ist der gesonderten Anlage zu entnehmen.

    6                Strafverfolgungsmaßnahmen

    - Stabilisierung der im Jahre 2005 begonnen organisatorischen Veränderungen (Regionalisierung der Bearbeitung des ED aus Pkw und des ED aus Wohnung) - Einsatz Operativer Einheiten - Weitere Intensivierung der ED- und DNA-Maßnahmen - Bekämpfung der Mehrfach- und Intensivtäter - Fortführung der Konzepteinsätze

    7 Präventionskonzepte

    Nachstehend sind die bei der Polizeidirektion Bergstraße institutionalisierten Präventionsmaßnahmen aufgeführt.

    Öffentlichkeitsarbeit/Prävention und Beratung

    Ein Beamter steht für die kostenlose sicherungstechnische Beratung von Personen, Firmen und Institutionen zur Verfügung.

    Ausländerbeauftragter

    Seit Dezember 1999 gibt es bei der Polizeidirektion Bergstraße einen türkischen Staatsbürger als hauptamtlichen Ausländerbeauftragten der Polizei, der auch für den Odenwaldkreis zuständig ist. Sein Aufgabengebiet umfasst  z.B. die Beteiligung am Informationsaustausch mit der Ausländerbeauftragten des Kreises Bergstraße sowie mit den Ausländerbeiräten in den Städten und Gemeinden des Kreises, den Aufbau und die Pflege eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Polizei und Einrichtungen wie Moscheen, Kulturvereinen und -zentren. Er wird aktiv bei Problemen mit ausländischen Mitbürgern im polizeilichen Bereich und vermittelt im Konfliktfall zwischen Polizei und ausländischer Bevölkerung. Er berät die Polizei im Umgang mit ausländischen Bevölkerungsgruppen und ist Sprachrohr für polizeiliche Belange im Zusammenhang mit diesen.

    Jugendkoordinator, Schulbeauftragte und Konzept "Schutzmann vor Ort"

    Der Jugendkoordinator hat ein Augenmerk auf die Entwicklung der Jugendkriminalität und deren Erscheinungsformen. Er und die Schulbeauftragten der Polizeistationen bieten sich als Ansprechpartner für Schulen zur Bewältigung von Problemen mit polizeilicher Relevanz an. Auch stehen sie für Informationsveran-staltungen mit polizeilichen Inhalten für Lehrer, Eltern und Schüler zur Verfügung.

    In 2005 wurde im Kreis Bergstraße der Besondere Bezirksdienst (BBD) oder auch der so genannte "Schutzmann vor Ort" in den Städten Viernheim, Lampertheim und Bensheim eingeführt. Dieser BBD fungiert als Ansprechpartner vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger in allen Sicherheits- und Ordnungsbelangen. Durch den BBD wird zu öffentlichen Einrichtungen und besonderen Zielgruppen, z. B. Jugendlichen, Senioren und Vereinen Kontakt gehalten und die Zusammenarbeit gefördert. Der Bürgerservice wird durch Anzeigenaufnahme, Ermittlungstätigkeit und Bearbeitung von Ersuchen in Straf- und Bußgeldsachen vor Ort verbessert, ebenso werden Präsenzstreifen an örtlichen Brennpunkten und bei besonderen Veranstaltungen durchgeführt.

    Zielgruppenorientierte Aktionen

    Hierunter sind Aktivitäten z.B. für Senioren, Jugendliche und Ausländer zu verstehen. Diese bestehen überwiegend aus Informations- und Vortragsveranstaltungen, in die auch der Jugendkoordinator und der Ausländerbeauftragte eingebunden sind.

    Darüber hinaus ist die Polizei des Kreises Bergstraße in die Präventionsarbeit von Kommunen und  privaten Initiativen eingebunden bzw. unterstützt diese. Erwähnung sollten hierbei finden:

    - Ringmastersystem in Bensheim seit 1998 (mit Zwingenberg seit 2002) und Lampertheim seit Anfang 2006 - Aktive Präventionsgremien in Bensheim mit Nachbarschaftsprogrammen, darüber hinaus auch in Fürth-Lörzenbach - Freiwilliger Polizeidienst (Viernheim, Bensheim, Lampertheim) - Verein Bürger und Polizei

    Rückfragen zu der Kreisstatistik direkt an die Polizeidirektion Bergstraße 06252-706110


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