Polizeipräsidium Südhessen

POL-SHDD: Polizeilichen Kriminalstatistik 2006 für die Polizeidirektion Groß-Gerau Niedrigster Stand seit 20 Jahren Aufklärungsquote auf Rekordniveau

    Rüsselsheim (ots) - 1. Straftatenentwicklung

    Im Jahr 2006 wurden für die PD Groß-Gerau 12699 Straftaten (Vorjahr 12.811) statistisch erfasst. Das bedeutet einen Rückgang der registrierten Kriminalität um 1%. Gleichzeitig konnte die Aufklärungsquote (AQ) um 7,2 Prozentpunkte auf 55,5% gesteigert werden. Damit können mit Ende 2006 das geringste Fallaufkommen seit 20 Jahren und die höchste Aufklärungsquote verzeichnet werden, die hier bisher registriert wurde. Die Aufklärungsquote liegt damit sogar über der Landesquote mit 55,1%.

    Für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südhessen, zu dem die Stadt Darmstadt und die Landkreise Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg, Bergstraße und der Odenwaldkreis gehören, wurden 2006 54268  Straftaten (Vorjahr 56.448) registriert. Die Anzahl konnte somit um 3,8% gesenkt werden. Die AQ stieg von 54,4% auf 55,7%.

    Die PD Groß-Gerau konnte die Häufigkeitszahl (HZ= Straftaten pro 100.000 Einwohner) erneut absenken. Dies ist deswegen bemerkenswert, da die PD Groß-Gerau als Teil der Region "Rhein-Main-Gebiet" (bestehend u.a. aus den kreisfreien Städten Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden und den Landkreisen Offenbach, Main-Taunus, Main-Kinzig, Wetterau, Hochtaunus, Groß-Gerau und Darmstadt-Dieburg) einen Wert von 5.041 (Vorjahr 5.908) im Verhältnis zum Durchschnittswert der Region in Höhe von 8.327 vorweisen kann. Der Landesdurchschnitt liegt bei 7.013 registriertem Fallaufkommen. Diese gute Bilanz ist deshalb so erfreulich, weil die hessische Polizei an der WM06 eine hohe Belastung hatte und trotzdem diese Werte erreichen konnte.

    2. Straftatenaufkommen in den Kommunen

    Das Straftatenaufkommen der einzelnen Kommunen ist der beigefügten Tabelle zu entnehmen.

    3. Einzelne Deliktsbereiche

    Der größte Teil des Straftatenaufkommens fällt auf die Diebstahldelikte (45,4 %). Mit 0,1 % ist der Anteil der Straftaten gegen das Leben erfreulich gering. Wie bereits im letzten Jahr stellen die Vermögens- und Fälschungsdelikte den zweitgrößten Anteil.

    3.1. Diebstahl

    Im Jahr 2006 wurden insgesamt 5510 Diebstähle bekannt. Das bedeutet einen Rückgang von 5,3 % im Vergleich zum Vorjahr (5.819).

    Erfreulich ist insbesondere der erneute Rückgang des schweren Diebstahls von 3.090 (2005) auf nun 2.932 Fälle in 2006.

    Auch im Bereich des einfachen Diebstahls sank die Zahl der erfassten Delikte von 2.729 (2005) auf 2578 (2006).

    Die AQ liegt bei 44,5% (Vorjahr 35,2%).

    Ein besonderes Anliegen waren in den vergangenen Jahren die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs und der Delikte "rund ums Kraftfahrzeug". Durch erhöhte Polizeipräsenz und massiven Kontrolldruck, insbesondere durch den Einsatz operativer Einheiten, konnten Einbrecher auf frischer Tat festgenommen sowie potenzielle Täter verunsichert werden. Die gezielte Bekämpfung wurde durch eine zentrale Sachbearbeitung und vielfältige Präventionsmaßnahmen (+ 48% bei den kriminalpolizeilichen Objektberatungen, +52% sonstige Beratungen sowie 83% mehr bei Präventionsvorträgen) verstärkt.

    Der Erfolg zeigt sich nach wie vor am Rückgang des Straftatenaufkommens im Bereich der Wohnungseinbrüche (2004: 604; 2005: 394; 2006: 341) und auch im besonderen Fall der Tageswohnungseinbrüche (2004: 214; 2005: 124; 2006: 103); zudem steigt die Zahl der Versuche (beim WED liegt er bei 34,9%); ein Beleg, dass viele Taten nicht vollendet werden können.

    Durch das Zusammenspiel der Maßnahmen konnte die Aufklärungsquote erneut angehoben (2004: 11,7 %; 2005: 18,9%; 2006: 20,5%) werden. Dies gilt auch für den Bereich des TWE  (2004: 7,0%; 2005: 20,2%; 2006: 26,2%).

    Die Fallzahlen des Diebstahls aus Kfz. konnten ebenfalls deutlich abgesenkt werden (2004: 1.304; 2005: 957; 2006: 756). Die Aufklärungsquote stieg um 8,3% von 15,5% auf 23,8%.

    3.2. Straftaten gegen das Leben

    Für das Jahr 2006 wurden 15 Straftaten gegen das Leben verzeichnet (Vorjahr 11). Darunter sind 5 Fälle des Totschlags und 5 fahrlässige Tötungen. Die Aufklärungsquote liegt bei 93,3 %. Bei den Straftaten gegen das Leben handelt es sich überwiegend um Beziehungstaten:

    3.3. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

    In diesem Deliktsbereich wurden insgesamt 114 Fälle angezeigt (Vorjahr 140). Das bedeutet einen erfreulichen Rückgang um 18,6%. Die Aufklärungsquote liegt bei 74,6 %. Auch hier handelt es sich überwiegend um Beziehungstaten:

    >Bei der Deliktsgruppe Vergewaltigung/ sexuelle Nötigung ist ein Rückgang von 27,3% auf 16 Taten zu verzeichnen.

    >Exhibitionistische Handlungen gingen um 18,8% auf 13 Taten zurück.

    >Der Besitz sowie das Verbreiten von Kinderpornografie ging um 22,2% auf 14 Fälle, bzw. um 37,5% auf 5 Fälle zurück.

    3.4. Rohheitsdelikte (Raub, räuberische Erpressung, gefährliche/schwere Körperverletzung)

    Bei den Rohheitsdelikten stieg die Zahl der Fälle von 1.284 auf 1.409 Fälle. Die Aufklärungsquote konnte von 88,3% auf 89,1% erhöht werden. Den größten Anteil hierbei haben die Körperverletzungen mit 887 Fällen (Vorjahr 822) und einer AQ von 93,1 % (Vorjahr 93,8 %).

    Hervorzuheben sind die Ermittlungen der "AG Fast-Food", die vom K10 Wiesbaden und K10 Rüsselsheim im Februar 2006 errichtet wurde. Die AG hatte ihren Sitz in Wiesbaden und konnte nach umfangreichen Ermittlungen insgesamt 12 Tatverdächtige für den Bereich der PD Groß-Gerau ermitteln, denen 9 Raubüberfälle auf Kreditinstitute, 1 Raubüberfall auf Spielothek sowie Tankstelle und 3 Raubüberfälle auf Supermärkte angelastet wurden. Ein Teil der Beschuldigten wurde bereits zu langjährigen Haftstrafen abgeurteilt.

    Bei der Häuslichen Gewalt wurden 2004 273 Fälle gemeldet, 2005 waren es 160, 2006 sind es 259. Hierbei ist anzumerken, dass die Delikte früher gar nicht erfasst wurden, in Hessen aber mittlerweile von Amts wegen verfolgt werden. Die Fallschwankungen haben somit eher statistische Gründe. Weil das Phänomen immer mehr in das Bewusstsein der Menschen rückt, ist weiter mit diesen hohen Zahlen zu rechnen.

    3.5. Vermögens- und Fälschungsdelikte

    In diesem Deliktsbereich wurden 2006 2.495 Straftaten ( Vorjahr 2.434) registriert. Die Aufklärungsquote konnte auf 79% (Vorjahr 73,8 %) gesteigert werden.

    Die Zahl der Betrugsdelikte, insbesondere der Warenbetrug, sind entgegen dem Hessentrend rückläufig. Unter dem Motto "Online Kaufen - mit Verstand!" beteiligt sich die hessische Polizei aktiv an der im Mai 2006 gestarteten bundesweiten Aufklärungskampagne. Auf den Landesaktionstag der Polizei am 9. Februar 2007 wird nochmals hingewiesen. Weitere umfassende Angebote finden sich unter www.polizei-beratung.de

    3.6. Rauschgiftdelikte

    Die Rauschgiftkriminalität ist von 577 auf 542 bekannt gewordenen Fällen gesunken. Die Aufklärungsquote liegt bei 97%. Bei den Festnahmen konnten 500g Khat, 95,5kg Haschisch, 6kg Marihuana, 500g Kokain sowie 320g Amphetamin und 1,1kg Heroin beschlagnahmt werden. Bei insgesamt 16 Ermittlungsverfahren erfolgten entsprech-ende Finanzermittlungen und vermögensabschöpfende Maßnahmen, bei denen mehr  als 15.000.-EUR  beschlagnahmt wurden.

    Die Auswertungen der letzten Jahre zeigen, dass die im Kreis Groß-Gerau sichergestellten Rauschgiftmengen bei annähernd gleich bleibenden Fallzahlen zum Teil erheblich differieren (Bsp. Ecstacy (Stück) 2005: 1105, 2006: 13695). Dies lässt sich durch "Großbeschlagnahmen" in einzelnen Ermittlungsverfahren begründen. Es kann somit festgehalten werden, dass sichh alleine aus den Mengen der sichergestellten Betäubungsmittel kein "Markt"-Trend ableiten lässt.

    > In einem Ermittlungsverfahren des PP Wiesbaden wurde im Frühjahr bekannt, dass in einer Halle im Industriegebiet Mörfelden eine "Hanfplantage" betrieben werden soll. Tatsächlich wurden dort unter professionellen Bedingungen (aufwendige Beleuchtungs-, Belüftungs- und Bewässerungsanlage) 2990 Cannabispflanzen gezüchtet. Da die "Betreiber" alsbald ermittelt und in Gewahrsam genommen wurden, erfolgte die Ernte durch die Polizei.

    > Auf der Autobahn in der Gemarkung Kelsterbach wurde im März ein "holländischer" Pkw kontrolliert. Der iranische "Kurier"-Fahrer mit Wohnsitz in Holland war beauftragt, 2,8 kg Ecstasy-Tabletten (ca. 10.000 Konsumeinheiten) an einen im Rhein-Main-Gebiet wohnenden Türken auszuliefern. Dieser erhielt, anstatt der erwarteten Lieferung, Besuch von den Ermittlungsbeamten.

    > Bereits im Sommer wurden Ermittlungen gegen einen BtM-Händler aus Trebur aufgenommen, die dann im Herbst zur Festnahme des "Dealers" und seines "Bunkerhalters" sowie zur Sicherstellung von 800 g Ecstasy und 250 g Kokain führten.

    In 2006 gab es im Kreisgebiet Groß-Gerau keinen Todesfall, der auf die Einnahme von Betäubungsmitteln zurückzuführen gewesen wäre.

    4. Ermittelte Tatverdächtige (TV)

    Im Jahr 2006 wurden insgesamt 5.331 Tatverdächtige ermittelt (Vorjahr 5.055). Davon waren 80,2 % männlich. Die Zahl der jugendlichen TV stieg leicht von 606 (2005) auf 609 und die Zahl der tatverdächtigen Kinder stieg von 165 auf 201. Unter den ermittelten TV waren 1.898 (35,6 %) Nichtdeutsche (Vorjahr 1.793; 35,5%).

    Im Jahr 2005 wurde die Jugendsachbearbeitung im Bereich des PP Südhessen neu strukturiert. Durch gezielte Maßnahmen sowohl im präventiven Bereich als auch in der Strafverfolgung wurden insbesondere Kinder und Jugendliche, die drohten, auf die schiefe Bahn zu geraten, unter die Lupe genommen. Zudem standen Im Blickpunkt der Ermittler auch weiterhin die jugendlichen Intensivtäter.

    >In Rüsselsheim gab es eine Häufung von Straftaten "rund ums Zweirad", die zu Beginn der Ermittlungen durch Kinder begangen wurden. Durch die intensiven Bemühungen aller mit in Frage kommenden Behörden (Jugendamt/ Sozialbehörden/ Staatsanwaltschaft/ Jugendrichter) sowie den Eltern konnte mit Schwerpunkt-maßnahmen "eine gewisse Ruhe" erreicht werden.

    >zudem fielen sogenannte "Klaukinder" (ethnischer Minderheiten; die Bildzeitung berichtete 2005/2006 umfassend) auf, die nach Taschen-, Trick- sowie Wohnungseinbruch festgestellt werden mussten.

    Rückfragen zur Landkreisstatistik bitte an Herrn Dörhöfer, 06142-696120. Rückfragen zu einzelnen Gemeinden an die jeweilige Polizeistation.


ots Originaltext: Polizeipräsidium Südhessen
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