Polizeipräsidium Südhessen

POL-SHDD: Landkreis Bergstraße. Kriminalstatistik 2005

    Darmstadt (ots) - Deliktsaufkommen 2005 im Vergleich zum Vorjahr

    Im Jahr 2005 wurden für den Kreis Bergstraße insgesamt 13804 Straftaten erfasst, was eine Abnahme um 1404 Fälle (- 9,2%) zum Vorjahr bedeutet. Parallel dazu ist die Aufklärungsquote um 2,9% auf 54,3% angestiegen. Somit konnten 7495 Fälle als aufgeklärt registriert werden.

    Die nachstehende Tabelle zeigt in übersichtlicher Form die Veränderungen bei den Straftaten und den Aufklärungsquoten, sowohl bei den Deliktsobergruppen als auch in einzelnen Deliktsbereichen. Zum Vergleich sind die Aufklärungsquoten für den Bereich des PP Südhessen aufgeführt.

     FÄLLE ZU-/AB- AQ ZU-/AB- AQ in % STRAFTATEN 2005 NAHME in % NAHME PP SH Gesamt 13804 -1404 54,3 2,9 54,4 Straftaten gg. das Leben 15 -1 93,9 -13 98,7 Straft. gg. die sex. Selbstbest. 151 -19 84,8 6,0 79,9 darunter  Vergewaltigung 15 3 73,3 -26,7 81 darunter  sexueller Missbrauch von Kindern 32 -30 93,8 24,4 89,9 Rohheitsdelikte 1680 21 90,0 2,5 88,1 darunter  Raub   88 -47 51,1 -11,9 50,3 darunter  Körperverletzung 1152 75 91,8 -0,3 91,2 darunter  Freiheitsberaubung 9 -2 100 9,1 87,9 darunter  Nötigung 195 -6 92,3 14,7 88,4 darunter  Bedrohung 230 -2 93,0 4,6 92,4 Diebstahl gesamt 6286 -1159 30,9 -2,1 29,6 Diebst. ohne erschw. Umstände 3378 -682 43,1 -3,2 40,5 darunter  Ladendiebstahl 1081 -375 92,3 -4,2 94,7 darunter  Diebstahl an Kfz 486 -97 11,7 8,4 8,6 Diebst. unter erschw. Umständen 2908 -477 16,8 -0,4 17,5 darunter  von Kraftwagen 112 -2 16,1 -12,8 26,5 Diebst. in/aus Wohnräumen 283 -178 42,4 4,0 27,2 darunter  Tageswohnungseinbruch 65 -58 26,6 11,6 21,8 Diebstahl in/aus Kfz 781 -150 23,3 10,2 22,5 Diebstahl von Kraftwagen 146 8 23,3 -7,1 28,5 Diebstahl von Moped/Krad 135 26 16,3 -11,2 18,6 Diebstahl von Fahrrädern 1044 -71 5,6 -5,8 6,1 Diebstahl aus Automaten 105 27 11,4 -7,8 9,8 Diebstahl aus Dienst-/Büroräumen 277 -75 27,4 6,1 21,3 Vermögens- und Fälschungsdelikte 2536 255 78,4 10,6 80,8 darunter  Betrug 2100 235 79,4 11,7 82,6 Sonstige Straftatbestände 2466 -268 51,3 1,8 45,9 darunter  Erpressung 12 -4 100 18,7 90,6 darunter  Beleidigung 291 -12 94,2 5,4 89,8 darunter    Sachbeschädigung 1604 -122 31,9 0,8 25,1 darunter    vorsätzliche Brandstiftung 33 -45 21,2 -0,6 38,5 Strafrechtl. Nebengesetze 670 -233 96,3 0,6 96,2 darunter  Rauschgiftdelikte 425 -86 96,2 -1,8 96,1 darunter  AufenthaltsG/AsylverfahrensG/FreizG 91 -73 100 1,8 100 darunter  Waffengesetz 80 -35 96,3 -2,8 95,9

     Betrachtung von Deliktsgruppen und Delikten

    Bei den Straftaten gegen das Leben sind 15 Fälle, ein Fall weniger als im Vorjahr (-6,3%), registriert worden. Davon konnten 14 Fälle aufgeklärt werden, in 7 Fällen handelt es sich um Versuchstaten. Die überwiegenden Fälle sind Beziehungstaten.

    Besonderes Ermittlungsverfahren

    Im Oktober brachte ein 43-jähriger Amerikaner seine 45-jährige deutsche Ehefrau mit lebensgefährlichen Schnittverletzungen und Wirbelbrüchen ins Krankenhaus Lorsch. Beide gaben an, dass die Frau zuvor in Mannheim überfallen und vergewaltigt worden sei. Die Ermittlungen ergaben schließlich, dass der Ehemann seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Bürstadt mit einem Messer verletzt und anschließend noch vom Balkon des 1. Stockes geworfen hatte.

    Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 151-mal
bekannt, was einen Rückgang um 19 Fälle (-11,2%) zum Vorjahr
bedeutet. Darunter sind 15 Vergewaltigungen (-3 Fälle) und 32 Fälle
des sexuellen Missbrauchs von Kindern        (-30 Fälle) als
gravierendste Ereignisse zu verzeichnen. Bei den Letzteren handelt es
sich größtenteils um "Kinderansprecher und Exhibitionisten". Die
exhibitionistischen Handlungen und  Erregungen öffentlichen
Ärgernisses zum Nachteil Erwachsener sind um 2 Fälle auf 31 Fälle
angestiegen. Bei den Vergewaltigungen handelt es sich überwiegend um
Beziehungstaten. Die Aufklärungsquote in dem gesamten Deliktsbereich
liegt bei 84,8% und hat sich damit zum Vorjahr um 6% erhöht.

    Erwähnenswert hierbei ist:

    Anfang Oktober verging sich ein bisher noch unbekannter Mann an einem fünfjährigen Mädchen in der Nähe der St. Marien-Kirche in Viernheim.  Das Kind spielte dort und befand sich nur wenige Minuten außerhalb des Sichtkontakts der in der Nähe befindlichen Mutter. Die eingerichtete Arbeitsgruppe überprüfte bisher erfolglos ca. 700 Personen. Auch die Auswertungen des Massen-Gen-Tests, zu dem seit Anfang Dezember über 2000 Personen auf freiwilliger Basis einbestellt wurden, führten noch nicht zum Erfolg.

    Die Rohheitsdelikte weisen eine Steigerung von 21 auf 1680 Fälle (+1,3%) auf. Diese erklärt sich im Wesentlichen aus einem Anstieg bei den Körperverletzungs-delikten (+75). Dem gegenüber steht ein wesentlicher Rückgang bei den Raubstraftaten (-47 Fälle). Die Aufklärungsquote liegt insgesamt bei 90% (+2,5% zum Vorjahr). Der Anstieg bei den Körperverletzungen ist teilweise auf die veränderte Rechtslage im Zusammenhang mit der "häuslichen Gewalt" zurückzuführen. Unabhängig von einer Entscheidung des Opfers werden Strafanzeigen der Staatsanwaltschaft vorgelegt (siehe hierzu auch Gewaltdelikte). Im Kreis Bergstraße waren dies im Jahre 2005 196 Fälle von Körperverletzungen. Auch im schulischen Bereich reagieren Eltern betroffener Schüler sensibler und wählen den Weg der Anzeigenerstattung. Die Zahlen dokumentieren das seit Jahren erkennbare Phänomen einer erhöhten Gewaltbereitschaft bei Personen unter 21 Jahren. Diese äußert sich u.a. bei provozierten Schlägereien bei Veranstaltungen.

    Herausragende Ermittlungsverfahren

    Im August überfiel ein männlicher Täter eine Bank in Lindenfels-Winterkasten. Er bedrohte den allein anwesenden Filialleiter mit einer Pistole und forderte Geld. Nachdem der Täter die Beute von ca. 20.000 EUR in seiner Hosentasche verstaut hatte, flüchtete er mit einem Fahrrad. Aufgrund aufmerksamer Zeugen konnte im Rahmen der Fahndung ein 29jähriger Mittäter im Modautal und schließlich der 21jährige Haupttäter in Bad Homburg festgenommen werden. Beide Männer gingen in Untersuchungshaft.

    Gewaltdelikte Unter diesen Begriff sind einzuordnen: Straftaten gg. das Leben und die sexuelle Selbstbestimmung sowie Rohheitsdelikte (Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung).

    Die vorstehende Grafik zeigt, dass bei der Beteiligung der ermittelten Erwachsenen und unter 21-Jährigen an diesen Delikten im Jahr 2004 ein beträchtlicher Anstieg zu verzeichnen ist, der für das Jahr 2005 trotz rückläufiger Gesamtstraftaten das gleiche Niveau erreicht hat. Der Anteil an den Gewaltdelikten beträgt bei den Erwachsenen 75,3% und den unter 21-Jährigen 24,7%.

    Seit 2002 können die Anstiege auf das seit Dezember 2001 gültige Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen (Gewaltschutzgesetz) zurückgeführt werden. Für 2002 mussten über 100, im Jahr 2003 145, 2004 230 und 2005 240 Fälle der so genannten "häuslichen Gewalt" registriert werden; in 81,7% (196) der Fälle des Jahres 2005 handelte es sich dabei um Körperverletzungen.

    Für den Diebstahl ohne erschwerte Umstände ist ein Rückgang um 682
auf 3378 Fälle (-16,8%) festzustellen, die Aufklärungsquote liegt bei
43,1% und ist damit um 3,2% im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dieser
Deliktsbereich hat einen Anteil von 24,3% an den Gesamtstraftaten. Zu
dem Rückgang haben u.a. niedrigere Fallzahlen beim Ladendiebstahl
(-375), beim Diebstahl von unbaren Zahlungsmitteln (-87), beim
Diebstahl an Kraftfahrzeugen (-97) sowie beim Diebstahl in/aus
Kraftfahrzeugen          (-51) beigetragen.
Dabei belegt der Ladendiebstahl nach wie vor mit 1081 Fällen einen
sehr hohen Anteil (32%) an den einfachen Diebstahlsdelikten.
Insbesondere betroffen ist dabei das Rhein-Neckar-Zentrum in
Viernheim und Großmärkte in Heppenheim und Bensheim. Der hohe
Straftatenanteil lässt sich mit einem verstärkten Einsatz von
Kaufhausdetektiven erklären. Es handelt sich dabei um eine partielle
Aufhellung des Dunkelfeldes.
Beim Diebstahl an Kraftfahrzeugen spielt nach wie vor das Entwenden
von Fahrzeugemblemen ("Sammlerstücke") eine nicht unbedeutende Rolle.
Beim Taschendiebstahl  (71 bekannt gewordene Fälle) ist
festzustellen, dass es sich bei den Tatorten überwiegend um
Einkaufsmärkte mit hohem Publikumsverkehr handelt, der den Täterinnen
und Tätern ein unauffälliges Agieren ermöglicht.
Der Rückgang bei den Diebstählen in/ aus und an Kraftfahrzeugen
dürfte auf verstärkte polizeiliche Präsenz- und Kontrollaktivitäten
zurückzuführen sein.

    Die Rückgänge beim Diebstahl unter erschwerten Umständen setzten sich nach 2004 auch im Jahre 2005 (-477 Fälle = - 14,1%) fort. Insgesamt wurden 2908 Fälle (aufgeklärt 488 Fälle = 16,8 %) registriert, der Anteil an den Gesamtstraftaten beträgt  21,1%. Der Rückgang erklärt sich u.a. durch niedrigere Fallzahlen beim Diebstahl von  Fahrrädern (-65), beim Diebstahl in/aus Büro- und Diensträumen (-50), beim Wohnungseinbruch (-109) und beim Tageswohnungseinbruch (-59). Erfreulich ist weiter die Entwicklung der Straftaten im Bereich von Diebstählen in/aus Fahrzeugen mit einem Rückgang von 70 Fällen (-9,8%) und einer Steigerung der AQ um 11,4% auf 21,7%.

    Kreisweit koordinierte und überregionale polizeiliche Maßnahmen dürften zu diesen Rückgängen und der Steigerung der AQ einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

    Besondere Ermittlungsverfahren

    Im Frühjahr konnte eine 12-köpfige polnische Einbrecherbande festgenommen werden, die ihren Unterschlupf in Worms und einem Campingplatz im Raum Biblis hatte. Im Rahmen der Ermittlungen konnte dieser Tätergruppierung ca. 50 Einbruchstaten in Hessen, Baden-Württemberg und Worms nachgewiesen werden, davon waren 16 Taten im Kreis Bergstraße.

    Im April wurde bekannt, dass ein Transportunternehmer aus Viernheim, der für die Deutsche Post AG Briefpostsendungen von Frankfurt/Main zu den Verteilerzentren Prag, Mailand und Salzburg transportierte, Sendungen im Wert von insgesamt  500.000 Euro entwendet hatte.

    Im Juli wurden nach ca. 40 Pkw-Aufbrüchen an verschiedenen Parkplätzen im Kreis Bergstraße drei Wormser im Alter von 38, 40 und 43 Jahren festgenommen. Diese hatten, nachdem sie die Scheiben der Autos zerstört hatten, die darin zurückgelassenen Gegenstände entwendet. Nach der Festnahme des Trios nahmen die Pkw-Aufbrüche in diesem Bereich rapide ab.

    Im August wurde in Bürstadt in eine Tankstelle eingebrochen und ca. 50 Stangen Zigaretten entwendet. Wenige Tage später erhielt die Polizei den Hinweis, dass in Bürstadt günstig Zigaretten angeboten würden. In einem abendlichen Einsatz konnte sodann einer der Hehler festgestellt werden, der unter dem Druck der Beweislast seinen Lieferanten benannte. Die anschließende Durchsuchung führte zum Auffinden von Diebesgut, dem Tatwerkzeug und der Ermittlung von drei weiteren Hehlern.

    Im September ereigneten sich in Viernheim mehrere Serien von insgesamt 35 Pkw-Aufbrüchen. Ein 20-jähriger litauischer Staatsangehöriger konnte auf frischer Tat von der Polizei gestellt werden, seine beiden Mittäter, ebenfalls litauische Staatsangehörige im Alter von 17 und 26 Jahren, wurden bei dem Grenzübertritt nach Polen festgenommen.

    Im September und Oktober wurde in zwei Spielhallen in Bürstadt und Biblis eingebrochen. Die Einbrecher verschafften sich durch Einwerfen von Fensterscheiben mittels Gullydeckel Zugang zu den Spielotheken. Darin hebelten sie die Geldautomaten auf und entwendeten Bargeld. Die Anreise bei den beiden Taten erfolgte mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zur Mobilität vor Ort wurde jeweils ein Pkw entwendet. In Zusammenarbeit mit außerhessischen Dienststellen konnten am Jahresende in Nordrhein-Westfalen insgesamt 12 Tatverdächtige festgenommen und in die Justizvollzugsanstalt eingeliefert werden.

    Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte sind 255 Fälle mehr als im Vorjahr registriert worden, was für das Jahr 2005 eine Gesamtzahl von 2536 Fällen (+11,2%) bedeutet. Der Anstieg erklärt sich durch ein größeres Verfahren gegen einen HNO-Arzt wegen Abrechnungsbetrug gegenüber Krankenkassen.

    Die Aufklärungsquote liegt insgesamt bei 78,4% und ist im Vergleich zum Vorjahr um 10,6% angestiegen.

    Erwähnenswert sind:

    Im Januar konnten bei einer Durchsuchung bei einem 27-jährigen Lindenfelser rund 500 zum Teil aktuelle Kinofilme sichergestellt werden, die raubkopiert waren. Auf den Raubkopierer war das Betrugskommissariat durch entsprechende Internet-Angebote bzw. -Verkäufe aufmerksam geworden. Neben den Raubkopien zog die Staatsanwaltschaft auch das Computer-Equipment als Tatmittel ein.

    In der Zeit von Januar bis April eröffnete ein arbeits- und berufsloser 24-jähriger Mann aus dem Bereich Köln mehrere Konten bei verschiedenen Geldinstituten u. a. im Kreis Bergstraße. Mit den dabei erlangten Debitkarten leistete er sich Leihwagen, tätigte betrügerische Einkäufe in größerem Umfang (Schadenssumme zum Teil über 10.000 EUR pro Karte) und nutzte u. a. die Kulanz eines Möbelmarktes und erhielt durch die Rückgabe betrügerisch erworbener Waren Bargeld. Im April festgenommen, saß der Rheinländer in Untersuchungshaft bis er dann im Juni nach der Verurteilung zu 1 ½ Jahren Haft auf Bewährung entlassen wurde. Da der Rheinländer im September mit dieser Betrugsmasche wieder -auch im Kreis Bergstraße- in Erscheinung trat, erging erneut Haftbefehl.

    Im Oktober erwarb ein 33-jähriger Mann aus den Niederlanden bei einem Kleingewerbetreibenden aus Lampertheim Ersatzteile für die Reparatur eines Porsches. Die Teile im Gesamtwert von 6.000 EUR wurden bar bezahlt. Bei der Einzahlung der übergebenen 200 EUR Scheine an einem Bankautomaten wurden diese als Falsifikate erkannt. Der Niederländer war zu diesem Zeitpunkt mit den Ersatzteilen schon außer Landes. Es entstand ein Schaden von 5.000 EUR.

    Bei den sonstigen Straftatbeständen ergibt sich ein Rückgang um 268 auf 2466 (-9,8%) Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 51,3% und damit 1,8% über dem Vorjahr. Erwähnenswerte Rückgänge sind bei der Brandstiftung (-53) und der Sachbeschädigung (-122), darunter der Sachbeschädigung an Kfz (-62) zu verzeichnen. Hierbei wurden  insgesamt 864 Fälle registriert. Es handelt sich dabei um mutwillige Beschädigungen am Lack, Einschlagen von Scheiben und das Zerstechen von Reifen. Das Verhalten dürfte dem Phänomen Vandalismus zuzuordnen sein. Die Aufklärungsquote bei der Sachbeschädigung liegt bei 31,9% und damit etwa auf dem Vorjahresniveau.

    Sachbeschädigungen

    In einer Nacht im Januar lief im Bürstädter Ortsteil Bobstadt ein 25-jähriger amerikanischer Staatsbürger "Amok". In mehreren Straßenzügen wurden von ihm geparkte Fahrzeuge beschädigt, u. a. Scheibenwischer und Antennen abgerissen und Dellen hinein getreten. Auch wurden von ihm Blumenkübel zertrümmert und Laternen beschädigt. Am Ende wurden 35 Einzelstraftaten bilanziert, darunter 30 beschädigte Kraftfahrzeuge. Auslöser für die Tat war eine Beziehungskrise.

    Im Juni wurde ein 17-jähriger Viernheimer bei einer Sachbeschädigung durch Graffiti von einem Zeugen beobachtet und anschließend von der Polizei festgenommen. Durch die Ermittlungen konnten dem Viernheimer 48 Graffiti-Taten zugeordnet werden.

    Auch die Verstöße gegen die strafrechtlichen Nebengesetze stellen sich mit 233 Fällen (gesamt: 670 = - 25,8%) rückläufig dar. Die Aufklärungsquote liegt bei 96,3 %, damit 0,6 % über dem Vorjahreswert. Rückgänge finden sich beim Aufenthaltsgestattungs- und beim Asylverfahrensgesetz (-73) sowie bei den Verstößen gegen das Waffengesetz (-35).

    Die Verstöße gg. das Betäubungsmittelgesetz (Rauschgiftkriminalität), die um 86 Fälle auf 425 Fälle (- 16,8%) zurückgegangen sind, werden ebenso unter dieser Deliktsgruppe registriert. Die geringeren Fallzahlen können mit der zeitaufwändigen Bearbeitung mehrerer Großverfahren erklärt werden, die es nicht ermöglichten, in diesem Bereich der sog. Kontrollkriminalität verstärkt aktiv zu sein. Aus den vorhandenen Daten kann lediglich auf einen Trend, nicht aber auf die tatsächliche Situation in Bezug auf Handel und Konsum von illegalen Drogen geschlossen werden. Von den  registrierten Fällen sind 38 Fälle dem Einsatz der Beamtinnen und Beamten der Polizeiautobahnstation Lorsch zuzuschreiben.

    Aufschlüsselung der Fallzahlen nach der Art des Rauschgiftes:

    ART 2005 2004 ART 2005 2004 Heroin 25 32 LSD 0 1 Kokain 17 18 Cannabis 195 202 Amphetamin 26 21 Sonstige 47 111

    Sichergestellt wurden:

    Ecstasy           1 Stück                 Amphetamine 113 g
Marihuana 1185 g Haschisch                    19519 g
Heroin                       392 g Kokain                       78 g
LSD                              71 Stück                    Hanfpflanzen                      
60 Stück

    2005 war ein Drogentoter zu beklagen (2004 drei, 2003  drei, 2002 vier, 2001 vier, 2000 vier, 1999 fünf, 1998 sechs, 1997 vier, 1996 fünf und 1995 vier).

    Interessante Verfahren

    Im November wurde in Zusammenarbeit mit der Polizei Mannheim die Wohnung eines 40-jährigen Viernheimers durchsucht. Dabei wurden 6,2 g Kokain und  269 g Haschisch sowie eine größere Menge an Bargeld aufgefunden. Der Viernheimer wurde beim Amtsgericht Lampertheim vorgeführt und befindet sich  nun in Untersuchungshaft.

    Die Entwicklung beim Raub/räuber. Erpressung ist von stärkeren Schwankungen bei den Ordinatenwerten gekennzeichnet. Erwähnenswert ist die seit 1991 kontinuierlich hohe (weit über 50% liegende) Aufklärungsquote.

    Für das Jahr 2005 ist nach jährlichen Zuwächsen ab 2001 erstmals wieder ein erfreulicher Rückgang um 34,8% zu verzeichnen. Es mussten insgesamt 88 Fälle registriert werden, 47 weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei 51,1%.

    Ermittelte Tatverdächtige

    2005 konnten 5747 Tatverdächtige (2004: 6336) ermittelt werden. Davon sind 4424 männlichen und 1323 weiblichen Geschlechts.

    Unter diesen Tatverdächtigen befinden sich 1486 Personen (2004: 1688) unter 21 Jahren, was einem Anteil von 25,9% (2004: 26,6%) entspricht. Der Anteil der ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahren an den insgesamt ermittelten Tatverdächtigen stellt sich wie nachstehend dar:

    Kinder: 249   4,3 %                 (2004:    5,3 %)
Jugendliche: 688 12,0 %                 (  "          11,8 %)
Heranwachsende: 549   9,6 %                 (  "              9,6 %)

    An den Diebstahlsdelikten waren die unter Einundzwanzigjährigen zu 36,6 % beteiligt, über die Hälfte (55,9%) dieser Personengruppe beging Ladendiebstähle. Bei den übrigen Straftaten sind erwähnenswert: der Raubbereich (37, 2004: 39), die Körperverletzungs- (321, 2004: 296), die Vermögensdelikte (203, 2004: 142) und die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (147, 2004:157).

    Der Anteil von Kindern am Ladendiebstahl ist mit 111 Tatverdächtigen zum Vorjahr zurückgegangen (2004: 173). In Präventionsbemühungen werden in Viernheim, das durch das Rhein-Neckar-Zentrum besonderen Belastungen ausgesetzt ist, neben den Kindern auch die Eltern, die Schulen und die betroffenen Geschäfte einbezogen.

    Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen betrug 26,5% (1524), im Vorjahr lag dieser Anteil bei 27,9% (1766).

    Von den insgesamt ermittelten Tatverdächtigen waren bei Tatausführung 76,7 % alleinhandelnd, 43,3 % bereits polizeilich in Erscheinung getreten und 0,6 % Konsumenten harter Drogen; 2,8 % handelten unter Alkoholeinfluss.

    52,9 % der ermittelten Tatverdächtigen begingen die Straftaten in der eigenen Tatortgemeinde, weitere 19,0 % hatten ihren Wohnsitz im Kreis Bergstraße, 5,6 % waren ohne festen Wohnsitz.

    Zwischen Opfern und Tatverdächtigen bestanden in 15,9 % verwandtschaftliche, in 25,8 % bekanntschaftliche, in 0,3 % landsmannschaftliche, in 13,0 % flüchtige und in 33,1 % keine Beziehungen. In 8,9 % der Fälle ist keine Aussage möglich.

    Durch die 2005 im Kreis Bergstraße begangenen Straftaten ist ein bezifferbarer Schaden in Höhe von 29.389.152 EUR entstanden, hiervon alleine durch Diebstahl 6.287.821 EUR. Eine weitere hohe Schadenssumme weisen die Vermögensdelikte mit 20.417.192 EUR auf.

    Festzustellen ist, dass sich die Entwicklung der so genannten Jugendkriminalität in einem weit schmäleren Zahlenkorridor bewegt als die der Tatverdächtigen insgesamt. Nach einem Rückgang in 2002 muss für 2003 und 2004 eine zahlenmäßige Steigerung festgestellt werden, die für 2004 das bisher höchste  Niveau erreichte. Die Zahl für das Jahr 2005 ergibt einen leichten Rückgang, der Wert liegt allerdings noch über dem der weiter zurückliegenden Jahre.  Der Anteil der unter 21-Jährigen im Jahr 2004 an den insgesamt ermittelten Tatverdächtigen betrug 26,6 %, im Jahr 2005 beträgt er 25,9%. Der Langzeitvergleich verdeutlicht die größtenteils episodenhafte Erscheinungsform der Jugendkriminalität. Gegen eine Verharmlosung sprechen allerdings gravierende Einzelfälle von Gewaltdelikten sowie die (zwar zahlenmäßig geringen) jugendlichen Intensivtäter. Alle Formen der Jugendkriminalität bedürfen der gesonderten Betrachtungsweise und des besonderen Augenmerks. Erwähnung sollten hierfür der Jugendkoordinator, der Ausländerbeauftragte sowie die Schul- und Jugendschutzbeauftragten finden, die sich diesem Phänomen u.a. widmen und mit Konzepten versuchen, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Den jugendlichen Intensivtätern wird versucht mit besonderen Arbeitsgruppen zu begegnen.

    Prävention

    Nachstehend sind die bei der Polizeidirektion Bergstraße institutionalisierten Präventionsmaßnahmen aufgeführt.

    Öffentlichkeitsarbeit/Prävention und Beratung

    Bei der Pressestelle Heppenheim des Polizeipräsidiums Südhessen erfolgt das Erstellen der täglichen Pressemitteilungen sowie die gesamte Öffentlichkeitsarbeit für die Polizeidirektion Bergstraße. Darunter fällt auch die Information der Bevölkerung über polizeiliche Belange. Ein Beamter steht für die kostenlose sicherungs-technische Beratung von Personen, Firmen und Institutionen zur Verfügung. Die in diesem Sachgebiet tätigen Beamten sind darüber hinaus auch für die Zusammenarbeit mit kommunalen und sonstigen Gremien und Institutionen im Bereich der Prävention zuständig.

    Ausländerbeauftragter

    Seit Dezember 1999 gibt es bei der Polizeidirektion Bergstraße einen türkischen Staatsbürger als hauptamtlichen Ausländerbeauftragten der Polizei, der auch für den Odenwaldkreis zuständig ist. Sein Aufgabengebiet umfasst  z.B. die Beteiligung am Informationsaustausch mit der Ausländerbeauftragten des Kreises Bergstraße sowie mit den Ausländerbeiräten in den Städten und Gemeinden des Kreises, den Aufbau und die Pflege eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Polizei und Einrichtungen wie den Moscheen, Kulturvereinen und -zentren. Er wird aktiv bei Problemen mit ausländischen Mitbürgern im polizeilichen Bereich und vermittelt im Konfliktfall zwischen Polizei und ausländischer Bevölkerung. Er berät die Polizei im Umgang mit ausländischen Bevölkerungsgruppen und er ist Sprachrohr für polizeiliche Belange im Zusammenhang mit diesen.

    Jugendkoordinator, Schulbeauftragte und Konzept "Schutzmann vor Ort"

    Der Jugendkoordinator hat ein Augenmerk auf die Entwicklung der Jugendkriminalität und deren Erscheinungsformen. Er und die Schulbeauftragten der Polizeistationen bieten sich als Ansprechpartner für Schulen zur Bewältigung von Problemen mit polizeilicher Relevanz an. Auch stehen sie für Informationsveran-staltungen mit polizeilichen Inhalten für Lehrer, Eltern und Schüler zur Verfügung.

    Seit 1996 ist die Polizei auch für die Durchführung des präventiven Jugendschutzes zuständig, d.h. für die Überwachung der Einhaltung des Gesetzes über den Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit und des Gesetzes über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften. Hierzu sind beispielsweise Kontrollen von Gaststätten, Spielhallen und Diskotheken sowie Videotheken erforderlich.

    In 2005 wurde im Kreis Bergstraße der Besondere Bezirksdienst (BBD) oder auch der so genannte "Schutzmann vor Ort" in den Städten Viernheim, Lampertheim und Bensheim eingeführt. Dieser BBD fungiert als Ansprechpartner vor Ort für die Bürgerinnen und Bürger in allen Sicherheits- und Ordnungsbelangen. Durch den BBD wird zu öffentlichen Einrichtungen und besonderen Zielgruppen, z. B. Jugendliche, Senioren und Vereine Kontakt gehalten und die Zusammenarbeit gefördert. Der Bürgerservice wird durch Anzeigenaufnahme, Ermittlungstätigkeit und Bearbeitung von Ersuchen in Straf- und Bußgeldsachen vor Ort verbessert, ebenso werden Präsenzstreifen an örtlichen Brennpunkten und bei besonderen Veranstaltungen durchgeführt.

    Zielgruppenorientierte Aktionen

    Hierunter sind Aktivitäten z.B. für Senioren, Jugendliche und Ausländer zu verstehen. Diese bestehen überwiegend aus Informations- und Vortragsveranstaltungen, in die auch der Jugendkoordinator und der Ausländerbeauftragte eingebunden sind.

    Darüber hinaus ist die Polizei des Kreises Bergstraße in die Präventionsarbeit von Kommunen und  privaten Initiativen eingebunden bzw. unterstützt diese. Erwähnung sollten hierbei finden:

    - Ringmastersystem in Bensheim seit 1998 (mit Zwingenberg seit 2002) und Lampertheim seit Anfang 2006 - Aktive Präventionsgremien in Bensheim, Heppenheim und Viernheim mit Nachbarschaftsprogrammen, darüber hinaus auch in Fürth-Lörzenbach - Freiwilliger Polizeidienst (Viernheim, Bensheim, Lampertheim) - Verein Bürger und Polizei


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