Polizeipräsidium Südhessen

POL-SHDD: Polizeiliche Kriminalstatistik 2004 - Polizeipräsidium Südhessen verbessert Aufklärung um 4,8% und überschreitet erstmals die 50%-Marke

Südhessen, Darmstadt, Groß-Gerau, Heppenheim, Erbach

-  Operative Kriminalitätsbekämpfung verstärkt -  rund 3.000 Tatverdächtige mehr ermittelt -  bürgernahe Polizeiarbeit trägt Früchte


1      Straftatenentwicklung

    Mit einer Steigerung der Aufklärungsquote um 4,8% auf 50,3% (Vorjahr 45,5%) hat das Polizeipräsidium Südhessen erstmals mehr als die Hälfe aller Straftaten aufklären können. Das ist hauptsächlich auf die verstärkte operative Kriminalitätsbekämpfung und auf zentrale Sachbearbeitung zur Bekämpfung von Kriminalitätsschwerpunkten zurück zu führen. Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit konnte darüber hinaus das Mitteilungs- und Anzeigeverhalten der Bevölkerung verbessert werden. Die bürgernahe Polizeiarbeit trägt Früchte.

    Im Jahr 2004 wurden in Südhessen 64.376 Straftaten (Vorjahr 61.635) statistisch erfasst. Damit ist die registrierte Kriminalität in Südhessen um 4,4 % gestiegen. Das liegt hauptsächlich an der beschleunigten statistischen Erfassung. Dadurch gibt es weniger Erfassungsrückstände für das neue Jahr. Der reale Anstieg liegt deshalb umgerechnet unter 1%; dies ist ein geringerer Anstieg als im Bundesland Bayern. In Südhessen ist der Anstieg der Aufklärungsquote auch nicht, wie in verschiedenen Medienkommentaren zur Landesstatistik zu lesen war, auf verstärkte Kontrolltätigkeit und auf vermehrte Erfassung von „Schwarzfahrern“ zurückzuführen. So sank bei der sogenannten Erschleichung von Leistungen die Zahl der angezeigten Delikte um rund 450 Fälle von 2.149 im Jahr 2003 auf 1.693 im Jahr 2004.

    Die Häufigkeitszahl (HZ = Straftaten pro 100.000 Einwohner) betrug in Südhessen 6.143 (Vorjahr 5.888) und liegt damit erneut weit unter dem Landesdurchschnitt von 7.590.

    In Südhessen, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und in den südhessischen Landkreisen ergeben sich im Überblick folgende Fallzahlen, Aufklärungsquoten und Häufigkeitszahlen (HZ) im Vergleich zum Vorjahr:


                  Anzahl der Fälle Aufkl.-Quoten (%) HZ
         2003  2004 2003 2004       2003    2004
Südhessen    61.635  64.376         45,5      50,3         5.888      6.143
Stadt DA      15.931  16.471       49,5      52,4 11.465    11.790
LK DA-DI      13.101  13.891 42,8      48,6         4.522      4.787
LK GG       14.627  14.866 41,7      47,4         5.804      5.908
LK Bergstr. 14.417  15.208         46,0      51,4         5.430      5.720
LK Odw.         3.559    3.940         50,8      53,6   3.540      3.914

2    Schwerpunktsetzung durch Bekämpfung des schweren Diebstahls

    Mit Beginn des Jahres 2004 setzte das PP Südhessen einen Schwerpunkt mit der gezielten Bekämpfung des schweren Diebstahls. Dies waren insbesondere die Deliktsbereiche Diebstahl aus Pkw, Wohnungseinbruchdiebstahl sowie Trick- und Taschendiebstahl. Einhergehend mit einer verbesserten Lageauswertung bestimmter Kriminalitätsphänomene in diesen Bereichen wurden verstärkt Kontroll- und Streifentätigkeiten an Kriminalitätsbrennpunkten durchgeführt. Effiziente Polizeipräsenz, sowie engmaschige Fahndungstätigkeit mit operativen Kräften, führte zu deutlich mehr Festnahmen auf frischer Tat und Sicherstellungen von Diebesgut. Parallel dazu konnten auf Grund der erhöhten Anzahl des sichergestellten Diebesguts bei Folgeermittlungen durch die Arbeitsgruppen weitere Festnahmen durchgeführt und Straftaten geklärt werden. Diese Delikte beeinflussen das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders stark. Bei der Einbruchs- und Aufbruchskriminalität, wie z.B. beim Kfz- Aufbruch zeigen sich erste Erfolge. Der Anteil des schweren Diebstahls an der Gesamtkriminalität sank von 25,5 % auf 23,5%. Ziel ist es, diesen Anteil auf unter 20% zu senken.

    Ein weiterer Schwerpunkt war die dauerhafte Beseitigung von offenen Drogenszenen, insbesondere in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Sichtbarer Erfolg zahlreicher polizeilicher Aktivitäten ist, dass es keine offene Rauschgiftszene mehr gibt. So ist z.B. der Darmstädter Herrngarten im Zentrum der Wissenschaftsstadt für die Bürger zurückerobert worden. In Südhessen wird grundsätzlich keine offenen Drogenszene akzeptiert.


3      Veränderungen

    Auffällige Zuwächse sind bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten zu verzeichnen. Die Fallzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nochmals angestiegen, insbesondere im Bereich des Betruges mit unbaren Zahlungsmittel. Diese Steigerung resultiert auch aus der Zunahme der Internetkriminalität sowie des Computerbetruges und ist bundesweit festzustellen.

    Beim Diebstahl aus Pkw ist dagegen durch die o.g. Schwerpunktsetzung ein erfreulicher Rückgang der Fallzahlen um rund 850 Fälle und eine deutliche Verbesserung der Aufklärungsquote (+9,3%) zu verzeichnen. Die Einrichtung von Arbeitsgruppen bei den Direktionen und die enge Zusammenarbeit mit operativen Einheiten hat hier zu deutlichen Veränderungen geführt.

    Durch die verstärkte Aufklärung und Publizierung veränderte sich auch das Anzeigeverhalten der Bevölkerung. Dies führte zum einen zu deutlich mehr Festnahmen, überwiegend von gewerbsmäßig agierenden Bandenmitgliedern. Daraus erklärt sich auch die um fast 3.000 Personen verbesserte Zahl der ermittelten Tatverdächtigen, parallel dazu aber auch zur Aufhellung des Dunkelfeldes.

    Alle drei genannten Deliktsbereiche, die das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung besonders stark beeinträchtigen, werden weiterhin im Fokus des Polizeipräsidiums Südhessen bleiben.


4      Ausgewählte Deliktsbereiche

4.1  Straftaten gegen das Leben

    Im Jahr 2004 wurden in Südhessen 48 schwere Straftaten gegen das Leben erfasst (Vorjahr: 34), davon waren 35 Fälle des Totschlags (Vorjahr: 22). Die Aufklärungsquote war beim Mord bei 100% beim Totschlag 91,4 %. Wie auch in den Vorjahren bleibt festzustellen, dass es sich dabei überwiegend um Beziehungsdelikte handelt, die nicht durch polizeiliche Maßnahmen zu beeinflussen sind.

4.2  Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

    In diesem Deliktsbereich wurden insgesamt 591 Fälle angezeigt (Vorjahr: 566). Die Aufklärungsquote lag bei 78,2 % (Vorjahr: 76,3%). Besondere Schwerpunkte oder Serientaten waren nicht darunter. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern (dazu gehört auch Exhibitionismus gegenüber Kindern) wurden 164 Fälle (Vorjahr: 161) registriert.

4.3  Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit

    Im Berichtsjahr wurden 6.596 Fälle (Vorjahr: 5.541) gemeldet. Das ist eine Steigerung um 19,0 %. Die hohe Aufklärungsquote von 86,7 % (Vorjahr: 87,1%) zeigt deutlich, dass die Polizei auf diesem Feld, insbesondere auch bei häuslicher Gewalt, die Strafverfolgung intensiv betreibt. Die Steigerung wird auch auf verstärkte Kontrolltätigkeit durch eine neu eingerichtete operative Einheit im Verkehrsbereich, die z.B. bei Nötigungen im Straßenverkehr einschreitet, zurückgeführt. Sehr oft stehen aggressive Fahrer auch unter Drogeneinfluss und es ergeben sich Ansatzpunkte zur Aufklärung weiterer Straftaten. Wie schon in den Vorjahren wurden parallel die Möglichkeiten des Opferschutzes verbessert. Beim Raub und der räuberischen Erpressung wurden 573 Fälle (Vorjahr: 517) angezeigt. Die Aufklärungsquote konnte deutlich auf 56,4 %(Vorjahr: 49,5%) verbessert werden.

4.4  Diebstahl insgesamt

    Der Diebstahl insgesamt ist nach wie vor mit 48% (Vorjahr 51,1%) aller angezeigten Delikte mit 30.887 Fällen (Vorjahr 31.502) der größte Posten in der polizeilichen Kriminalstatistik. Die Aufklärungsquote konnte von 23,5% auf 28,3 % gesteigert werden. Rückgänge sind erneut bei den schweren Diebstählen von 15.740 auf 15.147 Straftaten festzustellen. Der Wohnungseinbruchdiebstahl hat um 584 Fälle auf insgesamt 1.898 Fälle zugenommen. Darin enthalten sind die Fälle des Tageswohnungseinbruchs mit 648 Fällen (Vorjahr: 537). Auf diesem Feld wurden die repressiven und präventiven Maßnahmen verstärkt. Es wurden außerdem im Berichtsjahr 7.366 Diebstähle an, in und aus Kraftfahrzeugen (Vorjahr: 7.962), mit einer Aufklärungsquote von 16,8% (Vorjahr: 7,5%), begangen.

4.5  Vermögens- und Fälschungsdelikte

    Einen erneuten Zuwachs gibt es bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten auf 11.298 Fälle (Vorjahr: 10.185 Fälle). Das entspricht dem bundesweiten Trend. Die jährliche Steigerung (2002 um 11,5% , 2003 um 15,6% und 2004 um 10,9%) bei dieser Straftatengruppe setzt sich fort. Die Aufklärungsquote betrug 74,5% (Vorjahr: 73,2%). Die Zuwächse sind wie im Vorjahr hauptsächlich beim Betrug (Ebay- Betrug, Lastschriftverfahren und Computerbetrug) zu beobachten.

4.6  Rauschgiftdelikte

    Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte ist von 2.371 auf 2.441 Fälle, bei einer Aufklärungsquote von 95% (Vorjahr 93,8 %) gestiegen. Der Schwerpunkt liegt mit 738 (Vorjahr: 808) Fällen naturgemäß wieder in der Stadt Darmstadt. Auch im Berichtszeitraum wurden Razzien und Kontrollen an den szenetypischen Treffpunkten – mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei – durchgeführt. Zusätzlich gelang es Südhessen im Rahmen von 30 (Vorjahr 36) Großverfahren insgesamt 7,9 kg (Vorjahr: 8,2 kg) Heroin, 8,8 kg (Vorjahr 2,2 kg) Kokain, 81,85 kg (Vorjahr: 55 kg) Haschisch, 7,2 kg Marihuana (Vorjahr: keine Angaben), 4 Kg (Vorjahr: 21 kg) Amphetamine und 10.000 Pillen Amphetaminderivate (Vorjahr: keine) sicherzustellen. Wie bereits in den Vorjahren wurden außerdem verstärkte Fahrzeugkontrollen durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 835 (Vorjahr: 1.149) Fahrzeugführer beim Führen von Fahrzeugen unter Drogeneinfluss gestellt.

    In Südhessen wurden 18 (Vorjahr 15) Rauschgifttote registriert, in Hessen waren es insgesamt 126 (Vorjahr 109).


5      Ermittelte Tatverdächtige (TV)

5.1 Tatverdächtige, Jugendkriminalität und nichtdeutsche TV

    Im Jahr 2004 wurden insgesamt 24.592 (Vorjahr: 21.623) Tatverdächtige ermittelt. Das sind, wie bereits aufgeführt, fast 3.000 Tatverdächtige mehr als im Vergleichsjahr, meist überörtlich agierende Banden- und Serienstraftäter aus dem osteuropäischen Ausland. Von allen ermittelten Tatverdächtigen waren 76,4% männlich. Von allen ermittelten Personen waren 25,6% unter 21 Jahre alt (Vorjahr: 24,8%), 1.040 waren unter 14 Jahre alt (Vorjahr: 890). 2.873 Personen (Vorjahr: 2.423) waren zwischen 14 und 18 Jahre alt und 2.387 (Vorjahr: 2.041) waren im Alter von 18 – 21 Jahren. Unter den ermittelten Tatverdächtigen waren 7.648 oder 31,1% (31,9%) nichtdeutsche Personen. Damit hat sich der Anteil der nichtdeutschen ermittelten Straftäter kaum verändert.

5.2   Gemeinsame Arbeitsgruppen Intensivtäter

    Wie auch in den Vorjahren gefährden einzelne ausländische Intensivtäter den Ruf der hier lebenden ausländischen Mitbürger. Die drei „Gemeinsamen Arbeitsgruppen Intensivtäter“ (GAI) in Darmstadt, Groß-Gerau und Bergstraße haben im Berichtsjahr 120 (Vorjahr: 153) Straftäter abgeschoben, die mit über 1.400 Straftaten in Erscheinung getreten waren. Diese repressive aber auch zugleich präventive Arbeit der GAI wird fortgesetzt, da sie damit erheblich das Straftatenaufkommen mindert, in dem sie Intensivtäter außer Landes bringt.


6      Ziele und Ausblick

    Die Polizeipräsenz vor Ort bei den Bürgerinnen und Bürgern wird durch die Bezirks- und Ermittlungsdienste und durch die freiwilligen Polizeihelfer erhöht werden. Gleichzeitig wird durch Verstärkung der Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen der Druck auf Straftäter erhöht. Durch mehr Polizei auf der Straße kann sowohl verstärkt die Kriminalität bekämpft, als auch Tatgelegenheiten verringert werden.

    Das Polizeipräsidium Südhessen mit seinen nachgeordneten Dienststellen wird sich im Jahr 2005 deswegen erneut der gezielten Bekämpfung von Einbruchs- und Straßenkriminalität sowie einer gleichzeitigen Senkung des Anteils des schweren Diebstahls an der Gesamtkriminalität auf unter 20% widmen. Schwerpunkte bleiben Fahrzeug- und Wohnungseinbrüche, sowie Trick- und Taschendiebstähle. Die Kriminalprävention durch gezielte Vorträge und Beratungen von Mitarbeitern der südhessischen Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Darmstadt, Mörfelden und Heppenheim unterstützen dieses Ziel.

    Zusätzlich ist für das laufende Jahr der Bekämpfungsschwerpunkt „Rohheitsdelikte“ dazu gekommen, die wie unter 4.3 berichtet, stark zugenommen haben. Auch hier wollen wir die Fallzahlen senken. Zahlreiche Aktivitäten und Kooperationsprojekte, wie Netzwerk gegen Gewalt, „Kids gegen Gewalt“, Aktion „faustlos“ in Griesheim und Neu-Kranichstein, Einsatz der Schulbeauftragten, sozialpädagogische Koordinationsstelle in Griesheim und AG Sicherheit des Kommunalen Präventionsrates Darmstadt, flankieren diese Bemühungen. Damit und mit anderen regionalen Präventionsprojekten orientiert die Behörde erneut ihre Arbeit an den aktuellen Schutz- und Sicherheitsinteressen der Bürger mit dem Ziel:

    In Partnerschaft mit dem Bürger Kriminalität verhindern und schnell aufklären!

Hinweis für die Medien

    Wie in den Vorjahren werden in den nächsten Tagen die Polizeidirektionen Odenwald, Groß-Gerau und Bergstraße die örtlichen Pressevertreter zu einem Gespräch über die spezifischen regionalen Entwicklungen in deren Zuständigkeitsbereich einladen.


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