Polizeipräsidium Südhessen

POL-DA: Trick- und Taschendiebstahl

    Darmstadt (ots) - Das Polizeipräsidium Südhessen startet ab der 11. Kalenderwoche eine Aktion zur Bekämpfung des Trick- und Taschendiebstahls in der Innenstadt von Darmstadt mit dem Ziel, die Anzahl dieser Straftaten zu reduzieren, Täterinnen und Täter festzunehmen und die Bevölkerung aufzuklären. Nach dem erhöhten Anzeigeaufkommen im Januar und Februar 2004 und einer deutlichen Zunahme dieser Delikte im Jahresvergleich will die Polizei damit deutliche Akzente auf diesem Kriminalitätsfeld setzen, das das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stark beeinflusst. Vor Beginn der Aktion wurden heute der Presse im Rahmen eines Pressegespräches die geplanten Maßnahmen vorgestellt und mit Fachleuten diskutiert.

    Bundesweit ist nach dem Anzeigenaufkommen der Taschendiebstahl hinter Autoeinbruch und Fahrraddiebstahl das dritthäufigste Delikt auf den Straßen unserer Großstädte. Taschendiebe haben vor allem in den Metropolen ihr "Revier". Brennpunkte sind öffentliche Verkehrsmittel (zur "rush hour") mit Haltestellen, Bahnhöfe, Busse und Bahnen. Im Schwerpunkt betroffen sind aber auch Einkaufszentren (in den kundenstärksten Zeiten vor Ladenschluss oder zur Mittagszeit und zu den Schlussverkäufen) mit Fußgängerzonen, Kaufhäusern, Märkten und Supermärkten sowie Großveranstaltungen, Messen und Volksfeste. Kurzum: alle Gelegenheiten, wo viele Menschen zusammenkommen und dichtes Gedränge herrscht. Im Januar und Februar dieses Jahres wurden im Stadtgebiet von Darmstadt bisher 81 Trick- und Taschendiebstähle angezeigt. Das Dunkelfeld ist erfahrungsgemäß sehr hoch; die monatliche bekannte Schadenssumme in Darmstadt beträgt 10 -15.000 Euro. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland 110.256 Diebstähle aus am Körper getragenen Taschen bekannt - durchschnittlich etwas über 300 pro Tag. Die hessischen Zahlen von 2003 sind noch nicht veröffentlicht. Doch auch hier ist ähnliches zu erwarten. Taschendiebstahl ist - wie gesagt - ein Delikt in Städten mit weitläufigen Fußgängerzonen und großen Kaufhäusern. Die Tatverdächtigen in Darmstadt sind zu 20 % älter als 21 Jahre, d.h. 60% Kinder und 20% Jugendliche. Gut 60 % aller Tatverdächtigen sind weiblich. Nach polizeilichen Erkenntnissen werden die meist noch nicht strafmündigen Täter/innen von gewissenlosen Gangsterorganisationen eingesetzt, ausgebeutet und auch nach Bedarf ausgetauscht. Zumeist gehen Taschendiebe in Teams von mehreren Tätern arbeitsteilig vor. Dabei nutzen sie Tricks oder schlagen nach einem selbst verursachten Gedränge zu. Auf Seiten der Opfer sind überwiegend Frauen betroffen. Die oft sehr jungen Täterinnen werden gesteuert, sind meist bandenmäßig organisiert und verhalten sich höchst konspirativ. Sie sind in Darmstadt meist in den Fußgängerzonen, in großen Kaufhäusern, Einkaufszentren aber auch beim Einsteigen in öffentliche Verkehrsmittel in Erscheinung getreten. Die eigentlichen Tathandlungen fallen den Geschädigten in der Regel nicht auf, sondern das Verschwinden der Geldbörse fällt erst später an der Kasse oder zu Hause auf. Das Repertoire der Taschendiebe ist äußert umfangreich, fast täglich werden neue Finessen bekannt:

    Der Rempel-Trick: Das Opfer wird im Gedränge angerempelt oder "in die Zange" genommen; beim Einsteigen stolpert der Vordermann, er bückt sich oder bleibt plötzlich stehen. Während das Opfer aufläuft und abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

    Der Drängel-Trick: In vollen Bussen oder Bahnen rückt ein Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran, das ihm den Rücken zuwendet und so die Tasche "griffbereit" anbietet.

    Der Stadtplan-Trick: Fremde fragen das Opfer nach dem Weg und halten ihm einen Stadtplan vor oder bitten es - etwa auf Bahnhöfen - an einen ausgehängten Plan. Während sich das Opfer orientiert und abgelenkt ist, plündern andere Täter die Hand- oder Umhängetasche.

    Der Geldwechsel-Trick: Fremde bitten das Opfer, eine Münze zu wechseln. Wenn das Opfer die Geldbörse zieht und das Münzfach öffnet, wird es vom Täter abgelenkt. Während er beispielsweise seine Münze in die Börse wirft, nimmt er Banknoten heraus.

    Der Beschmutzer-Trick: Insbesondere nach einem Bankbesuch wird das Opfer "versehentlich" mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das gerade abgehobene Geld aus der Bekleidungstasche.

    Der Supermarkt-Trick: Im Supermarkt fragen Fremde das Opfer nach einer bestimmten Ware. Während es danach sucht, wird die Tasche am Einkaufswagen ausgeräumt.

    Der Bettel-Trick: Kinder halten dem Opfer im Lokal ein Blatt Papier vor mit der Bitte um eine Spende. Oder sie tollen auf der Straße um das Opfer herum und betteln es an. Dabei nutzt einer die Ablenkung für den raschen Griff nach der Geldbörse oder in die Handtasche.

    Der Blumen-Trick: Ein Fremder begrüßt das Opfer freundschaftlich, umarmt es oder steckt ihm eine Blume an. Während das Opfer verdutzt ist, verschwindet die Brieftasche.

    Der Taschenträger-Trick: "Taschenträger" oder -trägerinnen" spähen ihre Opfer beim Einkaufen oder nach Bankbesuchen aus und bieten ihnen scheinbar hilfsbereit an, den Einkauf nach Hause zu tragen. Dort eilen sie mit der Tasche die Treppe hinauf, während der ältere Mensch nicht so schnell hinterherkommt. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus, stellen die Tasche vor die Tür und kommen dem Opfer grüßend entgegen. Der Verlust wird erst später bemerkt.

    Fünf Tipps, wie Sie sich vor Taschendieben schützen können:

    · Taschendiebe lassen sich am typischen suchenden Blick erkennen: Sie meiden den direkten Blickkontakt zum Opfer und schauen eher nach der Beute. · Tragen Sie Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper. · Tragen Sie Hand- und Umhängetaschen verschlossen auf der Körpervorderseite oder klemmen Sie sie sich unter den Arm. · Benutzen Sie einen Brustbeutel, eine Gürtelinnentasche, einen Geldgürtel oder eine am Gürtel angekettete Geldbörse. · Legen Sie Geldbörsen nicht oben in Einkaufstasche, Einkaufskorb oder Einkaufswagen, sondern tragen Sie sie möglichst körpernah. Hängen Sie Handtaschen im Restaurant, im Kaufhaus oder im Laden (selbst bei der Anprobe von Schuhen oder Kleidung) nicht an Stuhllehnen und stellen Sie sie nicht unbeaufsichtigt ab.

    Wenn Sie in der Innenstadt von Darmstadt Opfer eines Diebstahls werden, einen Diebstahl feststellen oder verdächtiges Verhalten beobachten, wie es bei den zuvor aufgenannten Tricks geschildert wurde, bitte verständigen Sie sofort über Notruf 110 die Polizei. Gleiches gilt, wenn sie oder auch Geschäftsleute ausgeräumte Geldbörsen finden, die durch die Diebe weggeworfen wurden. Hier sollte ebenfalls schnell die Polizei verständigt werden, um ihr die Fundgegenstände spurenschonend zu übergeben. Die zeitnahe Information an die eingesetzten Kräfte, kann weitere Taten verhindern und bei Festnahme und Überführung der Täter helfen.

ots-Originaltext: Polizeipräsidium Südhessen - Darmstadt

Digitale Pressemappe:
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