Polizeipräsidium Südhessen

POL-DA: Polizei plant Schulbeauftragte für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg - Kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Schule, Eltern und Polizei angestrebt

Darmstadt./Darmstadt-Dieburg (ots). Am Donnerstag (05.02.04) hat der Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg, Polizeidirektor Helmut Biegi, im Rahmen eines Pressegesprächs im Polizeipräsidium die Einführung von Schulbeauftragten der Polizei in der Stadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt Dieburg angekündigt. Gemeinsam mit Schulamtsdirektor Dieter Eitel vom Staatlichen Schulamt in Darmstadt und Kriminalhauptkommissar Uwe Walzel, Jugendkoordinator des Polizeipräsidiums Südhessen, wurden die Einzelheiten zu diesem Projekt des Polizeipräsidiums Südhessen dargestellt.

Die Einführung polizeilicher Schulbeauftragten ist als ein gemeinsames Projekt von Schulen und Polizei zu verstehen, um im Rahmen von Prävention bei auffälligen Entwicklungen junger Menschen unmittelbaren Einfluss nehmen zu können. Integriert in das Landesprogramm "Netzwerk gegen Gewalt" wird die Polizei damit einen weiteren Baustein einbringen. Ziel und Aufgabe der Schulbeauftragten soll es sein, den Schülern und Verantwortlichen der Schule ein fester Ansprechpartner zu sein. Damit kann ein kontinuierlicher Austausch zwischen Schule, Eltern und Polizei gewährleistet werden. Nicht nur das frühzeitige Erkennen "krimineller Karrieren", auch ein besserer Schutz von Opfern jugendlicher Straftäter soll erreicht werden.

In einer Analyse stellte Polizeidirektor Biegi dar, dass die Situation von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren dahin tendiert, sich im Wesentlichen in zwei völlig unterschiedliche Richtungen zu entwickeln. Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen ist von dem Leitgedanken geprägt, in der Zukunft privat wie beruflich Erfolg zu haben. Der andere Teil sieht für sich dagegen keine befriedigende Zukunftsperspektive, wobei oftmals fehlende familiäre Bindungen, fehlende Berufschancen oder die unbefriedigende finanzielle Situation eine besondere Rolle spielen. Aus dieser "Chancenlosigkeit" ergeben sich als Auswirkungen Verhaltensweisen wie

- Vandalismus - Aggressionen - Alkoholmißbrauch - Gewalt gegen Dritte - Graffiti - Jugenddelinquenz - Drogenmißbrauch - Überschuldung - Schulschwänzerei

Kritisch, momentan jedoch nicht empirisch belegt, scheint es dabei zu sein, dass die auffälligen Jugendlichen zunehmend jünger werden. Die pubertäre Phase spielt hierbei sicherlich eine Rolle, doch ist zu bedenken, dass den Jugendlichen in diesem Alter im Vergleich zu früheren Jahren durch die Erziehungsberechtigten grundsätzlich ein größerer Freiraum eingeräumt wird, was bis hin zu einer vollkommen vernachlässigten Erziehung gehen kann. Auch das veränderte Freizeitverhalten von Jugendlichen muss berücksichtigt werden.

In der Kriminalstatistik für Hessen lässt sich der Niederschlag dieser Einflüsse innerhalb der letzten 10 Jahren auf die Entwicklung der Tatverdächtigen in einem Vergleich jugendtypischer Deliktsformen darstellen:

                  Kinder     Jugendliche     Gesamtanteil:
Diebstahl   1993:    4,4 % 1993:        12,4 %          16,8 %
                2002:  12,4 % 2002:        17,2 % 29,6 %


Sachbeschädigung  1993:    4,7 % 1993:        14,9 % 19,6 %
                2002:  14,9 % 2002:        22,0 % 36,9 %

qualifizierte
Körperverletzung  1993:    2,2 %  1993:         5,0 % 7,2 %
                2002:  14,3 %  2002:        24,8 % 39,1 %

Straßenraub   1993:    3,5 % 1993:         9,8 % 13,3 %
                2002:  27,3 % 2002:        41,0 % 68,3 %

Diese Fallzahlenentwicklung signalisiert Handlungsbedarf. Ausschließlich auf Repression zu setzen wäre verfehlt.

Ausländerbeauftragte, Jugendkoordinator und Jugendsachbearbeiter bilden bereits innerhalb der Polizei die "Klammer" zwischen Repression und Prävention. Junge Menschen und deren Eltern sind in in den Schulen erreichbar. Die Präventionsziele, ohne die Repression zu vernachlässigen, verfolgt die Polizei gemeinsam mit den Verantwortlichen der Schulen. Durch einen festen Ansprechpartner - eine Person, die man kennt, akzeptiert und mit der gemeinsam auftretende Poblemfälle angegangen werden - soll auf kurzem Wege ein kontinuierlicher Informationsaustausch stattfinden. Im Wege des direkten Gesprächs können so Informationsverluste vermieden werden.

Langfristig ist geplant, an allen weiterführenden Schulen einen Schulbeauftragten als Ansprechpartner einzurichten. Nach einer ersten persönlichen Vorstellung sollen die Beamten die Schulen regelmäßig besuchen, auch ohne konkreten Anlass. Die Schulbeauftragten können dabei ihren polizeilichen Sachverstand in Sachen Kriminalitäts- vorbeugung und Kriminalitätsbekämpfung einbringen. In Absprache mit dem Jugendkoordinator werden zum Beispiel Lehrerkonferenzen, Elternbeiratssitzungen, Elternabende oder schulische Projekte begleitet. Im Rahmen des regelmäßigen Informationsaustausches zwischen Sachbearbeitern, Erziehungsberechtigten und Lehrkräften sollen so auffällige Jugendliche eine angemessene und schnelle Form der Krisenintervention erfahren.

Ergänzend dazu wird weiterhin der Jugendkoordinator für die unterschiedlichsten Themenfeldern bereitstehen, wie beispielsweise Gewalt- oder Drogenprävention. Darüber hinaus sind auch verstärkte Kontrollen jugendgefährdender Orte und operative Maßnahmen zum Thema Jugendschutz geplant. Wie Polizeidirektor Biegi abschließend ausführte, sollen im Zusammenspiel aller Maßnahmen junge Menschen vor Schaden und Straffälligkeit bewahrt werden.


ots-Originaltext: Polizeipräsidium Südhessen - Darmstadt

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