Polizeipräsidium Südhessen

POL-DA: Groß-Gerau: Liebestoller Keiler ist wahrscheinlich tot I Forstamt erlegte das gefährliche Wildschwein nach Hinweisen aus der Bevölkerung

POL-DA: Groß-Gerau: Liebestoller Keiler ist wahrscheinlich tot I
Forstamt erlegte das gefährliche Wildschwein nach Hinweisen aus der Bevölkerung
Keiler zur Strecke gebracht

Groß-Gerau: (ots) - Presseinformation Hessen-Forst, Forstamt Groß-Gerau

Knapp eine Woche lang hatte ein Wildschwein die Bevölkerung im Hessischen Ried in Schrecken versetzt. Zwei Personen mussten mit tiefen Fleischwunden von einem Notarzt behandelt und in die Unfallklinik Groß-Gerau gebracht werden. Andere konnten auf Hochsitze oder Aussichtstürme flüchten. Radfahrer waren von dem Tier verfolgt und attackiert worden. Der Keiler machte auch vor Fahrzeugen nicht halt und bedrängte auf Parkplätzen in ihren Autos Schutz suchende Insassen. Hierbei gingen Außenspiegel, Rücklichter und andere Fahrzeugteile zu Bruch.

Da maßgeblich das 2.500 ha große Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue von den Attacken örtlich betroffen war, hatte das Forstamt Groß-Gerau die umliegende Jägerschaft alarmiert und mit vereinten Kräften versucht, das Wildschwein möglichst schnell zu erlegen. Dieses legte allerdings nach jeder Attacke sehr weite Strecken zurück. So war es bereits eine Stunde nach einem Vorfall auf der Königsinsel bei Stockstadt an einem fünf Kilometer entfernten Parkplatz bei Biebesheim gesichtet worden. Kurz nach dieser Meldung umstellten drei Forstbeamte sowie zwei Stockstädter und zwei Biebesheimer Jäger das dort gelegene kleine Wäldchen, aber die Wildsau war schon wieder über alle Berge. Hiernach wurde sie in der ca. fünf Kilometer entfernten Knoblochsaue ge-sichtet und wenige Stunden danach sogar im rheinland-pfälzischen Oppenheim, wo sie erneut an abgestellten Autos randalierte und fotografiert werden konnte. Tags darauf war sie wieder auf der Stockstädter Königsinsel. Wenn es sich immer um denselben Keiler gehandelt hat, muss dieser auf seinem Weg mehrfach den Altrhein und den Hauptstrom des Rheins durchschwommen haben. Die gesamte Strecke, die die Wildsau innerhalb einer Woche zurückgelegt hat, belief sich auf an-nähernd 50 Kilometer.

Am Donnerstag Nachmittag wurde dann der Keiler erneut auf der Königsinsel an den Sportplätzen von Stockstadt gesichtet. Die unmittelbare Kontaktaufnahme eines Passanten mit Polizei und Forstamt sowie Meldungen weiterer Besucher führte dann dazu, dass ein Bediensteter des Forst-amtes das von diesen beobachtete Wildschwein auf der Königsinsel erlegen konnte. In Absprache mit der Kreisveterinärbehörde wurde der 96 Kilogramm schwere zweijährige Keiler zum Landesbe-trieb Hessisches Zentrallabor nach Gießen gebracht, um die Ursachen der Verhaltensstörung un-tersuchen zu lassen.

Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Tier möglicherweise an Tollwut erkrankt sein könnte, gering ist - das Land Hessen ist seit mehreren Jahren tollwutfrei - schließen die Untersuchungen diese Fragestellung mit ein. Andere Überlegungen gehen in die Richtung, dass es sich möglicher-weise um ein aus einem Gehege ausgebrochenes Tier handeln könnte. Männliche Wildschweine werden zumeist mit Beginn der Geschlechtsreife zur Rauschzeit, der "Liebeszeit" der Wildschwei-ne, die Anfang November einsetzt, unverträglich, selbst wenn sie anfänglich als Jungtier noch handzahm waren. Gerät ein solches Wildschwein in die freie Natur, kennt es sich dort nicht aus und gerät relativ rasch in Kontakt mit den wildlebenden Artgenossen. Ein ganz natürliches Verhal-ten ist es, dass die wildlebenden Keiler diesen Konkurrenten aus ihrem Territorium verjagen. Dies würde die ungewöhnlich großen Distanzen, die der "liebestolle Keiler" innerhalb kurzer Zeiträume zurückgelegt hat, erklären. Weiterhin würde es erklären, weshalb das Wildschwein keine Scheu vor dem Menschen zeigte. Es ist allerdings auf Grund der äußerst großen Entfernungen zwischen den verschiedenen Beobachtungsorten auch nicht ausgeschlossen, dass es sich möglicherweise um verschiedene Tiere handelt. Die letztendliche Ursache der Verhaltensstörung erhofft sich das Forstamt von den unmittelbar nach der Erlegung des Keilers beim Hessischen Landeslabor einge-leiteten Untersuchungen.

Forstamtsleiter Dr. Wolfram Hammes zeigt sich zurzeit etwas erleichtert, da die zurückliegenden Tage alles andere als normal verliefen. "Entscheidend für den Erfolg waren die zeitnahen Hinweise aus der Bevölkerung in Verbindung mit der engen Zusammenarbeit mit den angrenzenden Jagd-pächtern, der Polizei und der Veterinärbehörde. Ohne diese Hinweise ist es nahezu aussichtslos, in einem solch großen, mehrere tausend Hektar großen Gebiet ein auffälliges Wildschwein zu fin-den."

Die vom Forstamt angebrachten Warnschilder bleiben allerdings noch einige Tage stehen, da letztendlich nicht absolut ausgeschlossen werden kann, dass es sich bei dem erlegten Wild-schwein möglicherweise um ein anderes Tier gehandelt haben könnte oder mehrere auffällige Tie-re unterwegs sind. Allerdings deuten die bisherigen Beschreibungen, Alter und Gewicht des Tieres und auch ein Vergleich mit Fotografien, die in Oppenheim von dem Keiler aufgenommen wurden, darauf hin, dass es sich bei dem auf der Königsinsel erlegten Tier um den "liebestollen Keiler" ge-handelt hat. "Dies wäre im Sinne der Bevölkerung zu hoffen, die in den letzten Tagen das beliebte Naherholungsgebiet Kühkopf-Knoblochsaue trotz des schönen Herbstwetters zunehmend gemie-den hat,"so Dr. Hammes.

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