POL-MR: Was ist ein sogenannter Offertenschwindel?

ein Dokument zum Download

Marburg-Biedenkopf (ots) - Was ist ein sogenannter Offertenschwindel?

Landkreis - Die Schreiben der Marburg.Gewerbe-Meldung.de oder Dautphetal.Gewerbe-Meldung.de, die in den letzten Tagen verschiedene Adressaten erreichten, sehen auf den ersten Blick echt, amtlich, durchaus glaubwürdig und seriös aus, sie sind es aber wohl nicht. Einziges Ziel dieser Offerte ist es, für einen angeblichen Eintrag in einem Gewerbeverzeichnis oder -register Geld zu kassieren. Wer unterschreibt knechtet sich für drei Jahre und zahlt pro Jahr 348 Euro plus Umsatzsteuer für einen absolut nicht notwendigen und vermutlich völlig überflüssigen Eintrag. Eine solche "Offerte" ist meist das Papier nicht wert, auf dem sie steht und gehört zum Altpapier. Auf keinen Fall schickt man das Angebot mit seiner Unterschrift versehen auf das angegebene Fax, übrigens die einzige genannte Erreichbarkeit in dem zweiseitigen Schreiben.

Für Gewerbetreibende (ausgenommen Kleingewerbetreibende oder Freiberufler) gibt es nur eine einzige kostenpflichtige, gesetzliche Verpflichtung eines Eintrags, die in das Handelsregister und die erfolgt über das Amtsgericht. Alles andere sind freiwillige Eintragungen oder Werbemaßnahmen, für die es keine rechtliche Verpflichtung gibt. Die Ausgaben dafür sollten also wohlüberlegt sein. Wo genau trage ich mich da ein? Wer hat auf dieses Register /Verzeichnis Zugriff bzw. wer benutzt diesen zur Suche? Welchen Verbreitungsgrad hat das Register? Was erreiche ich überhaupt mit meinem Eintrag, stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis? Zum Thema Offertenschwindel gibt es unter www.polizei-beratung.de ein Infoblatt mit vielen Tipps und Hinweisen, wie man sich vor dieser Betrugsmasche schützen kann.

Wie aber erkenne ich nun, dass ein so täuschend echtes und behördlich aussehendes Schreiben tatsächlich mit Vorsicht zu behandeln und womöglich ein versuchter Betrug ist? Zunächst mal bedarf es besonderer Aufmerksamkeit. Solche Schreiben laufen in Betrieben oft ohne genaue Prüfung einfach durch. Der für viele Firmen geringe Rechnungsbetrag ist nicht auffällig und die Aufmachung des Schreibens täuscht. Um keine Fristen zu versäumen, wird unterschrieben. Das Kleingedruckte ganz am Ende bleibt ungelesen. Aber bewusst genau da steht, eingebettet in den Text und ohne besondere Heraushebung, was diese Offerte letztlich kostet. Also Vorsicht, wenn irgendwo das Wort Offerte oder Insertofferte auftaucht. Offerte bedeutet Angebot und ein Angebot kostet Geld, wenn man es annimmt.

Bilder solcher Offertenschreiben stehen im Internet unter www.polizeipresse.de . Sie stehen zur Ansicht und zum Herunterladen zur Verwendung im Zusammenhang mit dieser Presseinformation zur Verfügung. Markiert auf diesen Bildern sind nur ein paar Merkmale, an denen man erkennen kann, dass es sich höchst wahrscheinlich um den Versuch handelt, mit dieser Offerte Geld zu erhalten für einen Eintrag, der nicht gesetzlich erforderlich und dessen Nutzen zumindest fraglich ist. Sowohl der Absender im Adressatenfenster also auch die hervorgehobene Firmenadresse ganz oben sind keine tatsächlichen Firmensitze. Es steht sogar drauf "Zentrale Postverteilstelle" Der Firmensitz, die Anschrift und eine telefonische Erreichbarkeit oder eine E-Mailadresse sucht man vergeblich. Wenn man im Internet recherchiert, stellt sich heraus, dass es sich bei Marburg.Gewerbe-Meldung.de um das Produkt einer Firma aus Malta handelt. Die gleiche Firma kommt auch bei Recherchen zu Dautphetal.Gewerbe-Meldung und Deutschland.Gewerbe-Meldung und vermutlich noch etlichen weiteren Namen heraus. Um was es tatsächlich geht, steht im Betreff (Gewerbebetriebe - Eintragungsofferte). Der Betreff ist eingebettet in anderen offiziell anmutenden Rubriken und wird deutlich von der in Dickschrift gehaltenen Überschrift des Schreibens und einem daneben drapierten Strichcode überstrahlt. Später enthält das Schreiben den einzigen Hinweis auf eine Erreichbarkeit, leider nur eine Faxnummer, eine 0800´er Nummer, die überall und nirgends sein kann. Im Internet stößt man noch auf eine Telefonnummer mit Leipziger Vorwahl. Ob dort jemand erreichbar ist.........................? Im Impressum des Internetauftritts findet man zwar einen Firmennamen und eine Anschrift in Malte, jedoch keine Telefonnummer oder firmenbezogene E-Mail-Adresse. Neben der fehlenden persönlichen Anrede, findet sich schließlich auch keine Unterschrift, nicht mal ein Name in Druckbuchstaben. Selbst bei maschinell erstellten Schreiben seriöser Betriebe oder Institutionen stehen zumindest ein Name und verschiedene Erreichbarkeiten drunter. So wäre zumindest mal ein Anruf zwecks Rückversicherung möglich. Außerdem stimmen bei seriösen Angeboten Firmensitz und Versandadresse in der Regel überein. Schließlich stehen die Kosten des Vertrages doch noch in der Offerte - ganz hinten im Kleingedruckten. Da steht: "Durch die Unterzeichnung wird das Leistungspaket für drei Jahre verbindlich bestellt. Der Preis....beträgt 348 Euro netto zzgl. Umsatzsteuer pro Jahr...." Alles nicht so wirklich auffällig. Auffällig und damit ablenkend ist aber etwas anderes. Herausragend dargestellt durch besondere Schreibweisen sind ein Datum (vermutlich zur Suggestion einer eventuell verstreichenden Frist), das Wort "gebührenfrei" (kostet also nichts!?) und die Faxnummer. Besondere Vorsicht ist nochmal geboten, wenn die Rechnung dann aus dem Ausland kommt oder eine Überweisung auf eine Bank im Ausland verlangt wird.

Nochmal der Hinweis auf das Infoblatt zum Offertenschwindel unter www.polizei-beratung.de

Martin Ahlich

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Mittelhessen
Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Raiffeisenstraße 1
35043 Marburg
Telefon: 06421-406 120
Fax: 06421-406 127

E-Mail: poea-mr.ppmh@polizei.hessen.de
http://www.polizei.hessen.de/ppmh

Weitere Meldungen: Polizei Marburg-Biedenkopf

Das könnte Sie auch interessieren: