Polizei Wetterau-Friedberg

POL-FB: Alltag auf der Polizeistation - Was tun nach einem Unfall?

POL-FB: Alltag auf der Polizeistation - Was tun nach einem Unfall?
Symbolbild

Friedberg (ots) - "Ich habe da mal eine Frage", so klang es heute Morgen aus dem Telefon. Ein Handwerksunternehmer aus der Wetterau rief an. Es gehe um eine ganz grundsätzliche Frage zum Thema Verkehrsunfälle, erklärte er der Polizistin am anderen Ende der Leitung. Er habe viele Mitarbeiter, die auf den Weg zu den Baustellen jedes Jahr eine Menge Kilometer zurücklegen. Da ließe es sich nicht vermeiden, dass sie dabei auch in Verkehrsunfälle verwickelt wären. Und dann käme immer wieder die Gretchenfrage an den Chef: Was nun tun? Muss die Polizei eingeschaltet werden, wenn nur Blechschaden vorliegt? Reicht nicht auch Personalien austauschen und weiterfahren?

Die Polizistin antwortete mit einem Lächeln auf den Lippen, denn sie kennt die Fragen, die immer wieder aufkommen und räumte zunächst mit einem Vorurteil auf: "Wenn die Polizei einen Unfall aufnimmt, dann legt sie nicht fest wer die Schuld dafür trägt!" Die Aufgabe der Polizei ist es an der Unfallstelle alle vorhandenen Spuren zu sichern, die Beteiligten zum Unfallhergang zu befragen und mögliche Zeugenaussagen festzuhalten. Die Polizisten selbst haben den Unfall nicht gesehen, also können sie nur das aufnehmen, was sie an der Unfallstelle vorfinden. Alle Aussagen, Spuren und Bilder werden auf der Polizeistation in einer Unfallanzeige zusammengetragen, die bei reinem Sachschaden anschließend an die Bußgeldstelle übermittelt wird. Diese entscheidet auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben wer welche Geldbuße zu zahlen hat und ob es Punkte in Flensburg gibt.

"Aber...," wendete der Handwerker ein, "einer meiner Mitarbeiter hat bereits einmal nach einem Unfall durch die Polizei einen Schuldvorwurf gemacht bekommen." Dafür gebe es einen einfachen Grund, machte die Polizistin klar: Um die Beteiligten intensiver zum Unfallhergang befragen zu dürfen, ist es den Beamten vorgeschrieben die Unfallgegner und die Zeugen über ihre Rolle in den Unfallermittlungen zu belehren. So muss dem möglichen Unfallverursacher erklärt werden, welchen Fehler er in den Augen der Polizisten gemacht haben könne (also zum Beispiel einen zu geringen Sicherheitsabstand eingehalten) und, dass er als sogenannter Betroffener keine weitere Aussage gegenüber der Polizei machen muss. Der Zeuge hingegen wird darauf hingewiesen, dass er nur wahrheitsgemäße Angaben machen und niemanden falsch verdächtigen darf, denn sonst würde er sich selbst strafbar machen. Nicht selten würde mehreren Unfallbeteiligten Schuldvorwürfe gemacht, weil sie alle einen Teil zum Unfall beigetragen haben könnten. Mit der abschließenden Beurteilung über Schuld oder Unschuld habe dieses Vorgehen nichts gemein.

"Verkehrsteilnehmer haben die Möglichkeit bei einem für sie überschaubaren Unfallgeschehen, und wenn niemand verletzt wurde, auch selbst die notwendigen Daten (Ort, Zeit, Name und Kontaktdaten der Beteiligten und Zeugen) festzuhalten. Zudem dokumentieren sie die Unfallsituation am besten durch ein paar Fotos (etwa mit dem Handy). Denn eines sollte jedem bewusst sein: Wer noch an der Unfallstelle beteuert er sei an allem Schuld, der kann durchaus später seine Meinung ändern. Eine gute Dokumentation hilft bei der Regulierung des Schadens durch die Versicherungen. Das funktioniert natürlich nur, wenn alle Beteiligten vor Ort sind. Wer ein geparktes Auto angefahren hat muss zunächst auf den Besitzer warten und die Polizei verständigen, wenn dieser nicht kommt."

Noch eines gab die Polizistin dem Handwerker mit auf den Weg: Die Polizei nimmt den Unfall auf, um einer Bußgeldstelle oder einem Gericht eine Entscheidungsgrundlage für eine mögliche Strafzumessung zu schaffen. Mit der Schadensregulierung hat das nichts zu tun. Die übernehmen die Versicherungen ganz eigenständig. Sie lassen sich oft Einsicht in die Unfallakten der Polizei gewähren, haben jedoch ganz eigene Vorgaben zur Schadensregulierung, die nicht mit dem Schuldvorwurf durch Bußgeldstelle oder Gericht übereinstimmen müssen.

"Gut, dass ich endlich mal nachgefragt habe." stellt der Unternehmer nun erleichtert fest. Da kann auch die Polizistin nur zustimmen: "Lieber einmal zu viel Fragen. Und für Sie und Ihre Mitarbeiter eine unfallfreie Fahrt!"

Sylvia Frech, Pressesprecherin

ots Originaltext: Polizeipräsidium Mittelhessen

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