Polizeipräsidium Mittelhessen - Gießen

POL-GI: BETRUGSSERIE MIT ÜBER 5 MILLIONEN EURO SCHADEN AUFGEKLÄRT - 26 BESCHULDIGTE/ 14 HAFTBEFEHLE

Gießen (ots) -

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Gemeinsame Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Marburg und des Polizeipräsidiums Mittelhessen

Marburg: Die Staatsanwaltschaft Marburg und das für Wirtschaftskriminalität zuständige Fachkommissariat bei dem Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen konnten in den letzten vier Monaten eine seit 2014 andauernde Betrugsserie mit einer Schadenssumme von über 5 Millionen Euro aufklären. Ausgangspunkt der Ermittlungen waren zwei Strafanzeigen von Geschädigten gegen Unbekannt in Marburg und Schwalmstadt, die von vermeintlichen Vermögensberatungsunternehmen angerufen wurden und daraufhin tatsächlich nicht vorhandene Aktien und Anleihen erworben haben. Der Schaden in diesen beiden Fällen betrug ca. 50.000,- Euro.

Die Staatsanwaltschaft Marburg übernahm die Ermittlungen und leitete ein bundesweites Sammelverfahren ein. Durch die erfolgreiche Fahndungsarbeit der Zielfahnder des Polizeipräsidiums Mittelhessen konnten zwei Callcenter der äußerst konspirativ vorgehenden Gruppierung lokalisiert und die mutmaßlichen Köpfe der Bande identifiziert werden.

Das Ermittlungsverfahren richtet sich derzeit gegen 26 Beschuldigte im Alter von 27 bis 72 Jahren. In den letzten drei Monaten wurden insgesamt 17 Personen aus der Tätergruppierung festgenommen, darunter die mutmaßlichen Köpfe der Bande, acht Callcentermitarbeiter und weitere Personen, die dringend verdächtig sind, als Mitglieder der Bande Scheinfirmen errichtet, Bankkonten eröffnet und Vermögenswerte verschleiert zu haben. Die Festnahmen erfolgten im Großraum Düsseldorf, Bremen und Ritterhude. Ein Beschuldigter wurde aufgrund eines europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Marburg in Spanien festgenommen und in die Bundesrepublik ausgeliefert. Zudem wurde umfangreiches Beweismaterial in den mehr als 25 Durchsuchungsobjekten in Düsseldorf, Köln, Bremen und Ritterhude sichergestellt.

Gegen 14 Beschuldigte ergingen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr. Einige der im März und April festgenommenen Beschuldigten sind mittlerweile gegen Auflagen, u.a. auch hohe Kautionszahlungen, wieder auf freiem Fuß. Derzeit befinden sich vier Beschuldigte, unter anderem auch die mutmaßlichen Köpfe der Bandenstruktur, in Untersuchungshaft. Einige Beschuldigte haben umfangreiche Geständnisse abgelegt.

Die Beschuldigten sind verdächtig, Callcenter in Düsseldorf, Köln und Spanien errichtet und betrieben zu haben und über diese tatsächlich nicht existente Aktien namhafter Unternehmen über Telefon angeboten zu haben. Dabei meldeten sich die Anrufer als Mitarbeiter folgender Unternehmen:

   - Russell & Partner Trust Financial Management Inc mit Sitz in 
     Miami, USA,
   - LF-Trust Europe mit Sitz in Luxemburg,
   - Lloyd Financial Service mit Sitz in Manchester, Großbritannien,
   - Master Financial Services mit Sitz in Genf
   - Maxx Trade/ Maxx Fair Trade GmbH mit Sitz in Bremen
   - First American Credit Institute mit Sitz in Oregon, USA 

Für diese Firmen wurden aufwändige Internetauftritte eingerichtet, die zum Teil auch über einen Log-In-Bereich verfügten, in denen die Geschädigten den Wert der vermeintlichen Anleihe oder Aktie in ihrem Portfolio verfolgen konnten. Parallel zu diesen Firmen wurden angebliche Treuhänderfirmen gegründet, auf deren Konten die Geschädigten den Kaufpreis überweisen sollten. Die eingehenden Überweisungen wurden zeitnah entweder in bar abgehoben oder für den Online-Erwerb von Goldmünzen bei diversen Edelmetallhändlern eingesetzt. Das bestellte Gold wurde wiederum an Briefkastenfirmen in Nordrhein Westfalen und Niedersachsen geliefert und von Mittätern abgeholt und verteilt.

Im Rahmen der Maßnahmen gegen die Beschuldigten konnten bislang Vermögenswerte im Wert von ca. 850.000 Euro gesichert werden. Zur Gewinnabschöpfung wurden Vermögensermittler des Polizeipräsidiums Mittelhessen hinzugezogen.

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen geht die Staatsanwaltschaft derzeit von über 300 geschädigten Personen in Deutschland aus. Die Ermittlungen dauern aber noch an.

Zum Schutz vor Betrugstaten im Zusammenhang mit Aktien und sonstigen Finanzanlagen raten die Staatsanwaltschaft Marburg und das Polizeipräsidium Mittelhessen:

   - Lassen Sie sich nicht von hohen Gewinnversprechen blenden. Der 
     Aussicht auf einen hohen Gewinn (Rendite) steht immer ein hohes 
     Risiko bis hin zum Totalverlust gegenüber.
   - Bei unerwünschten Anrufen mutmaßlicher Vermögensberater (sog. 
     "Cold Calls") sollte man auf keinen Fall Verträge abschließen 
     oder seine Bankverbindung angeben.
   - Vertrauen Sie Ihr Geld ausschließlich seriösen Anbietern an. 
     Lassen Sie sich aussagekräftige Referenzen nachweisen. -Wer in 
     Deutschland Finanzdienstleistungsgeschäfte betreiben will, 
     benötigt dafür eine schriftliche Erlaubnis der Bundesanstalt für
     Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Lassen Sie sich die 
     Erlaubnis zeigen und informieren Sie sich auf der Homepage der 
     BaFin über zugelassene Finanzdienstleister.
   - Nehmen Sie sich Zeit. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen 
     und zum Vertragsabschluss drängen.
   - Erkundigen Sie sich immer nach der Absicherung Ihrer 
     Investition.
   - Holen Sie Vergleichsangebote anderer Anbieter ein.
   - Nutzen Sie den Service von Verbraucherzentralen und 
     spezialisierten Anwälten (z.B. Fachanwälte für 
     Kapitalmarktrecht) und lassen Sie die Ihnen vorliegenden 
     Angebote prüfen. 

Weitere Presseauskünfte erteilt die Staatsanwaltschaft Marburg unter der Tel.: 06421 - 290 224.

Oliver Rust, Staatsanwalt

Guido Rehr, Pressesprecher

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