Polizei Köln

POL-K: 150608-2-K Kanalhaie schnappen nach Kundschaft - Warnung vor dreisten Geschäften an der Haustür

Köln (ots) - Die erste reguläre Frist zur Kanaldichtheitsprüfung, die private Hauseigentümer in Wasserschutzgebieten bis Ende des Jahres beachten müssen, ruft auch Kanalhaie auf den Plan: Unseriöse Rohrsanierer scheren sich hierbei nicht um den speziellen Geltungsbereich, sondern rufen wahllos an, klingeln an der Haustür oder überrumpeln arglose Hauseigentümer in der Kneipe mit dem dringenden Rat, schnell noch von ihnen fristgerecht eine Zustands- und Funktionsprüfung ihrer privaten Abwasserleitung durchführen zu lassen.

Die vorgeschriebene Prüfung könne mit Hilfe einer speziellen Kanal-TV-Untersuchung samt Bescheinigung zum Schnäppchenpreis von 59 Euro durchgeführt werden - so lautet meist die drängende Empfehlung. "Machen sich die vermeintlichen Fachfirmen dann mit ihren Gerätschaften und Kamera an der Abwasseranlage des Hauses zu schaffen, überraschen sie die Eigentümer etwa mit der Nachricht, die Leitungen seien marode und dringend sanierungsbedürftig", schildert Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW die gängige Masche windiger Kanalsanierungsfirmen auf Kundenfang. "Hauseigentümer sollten sich nicht von Betrügern überrumpeln lassen! Vor der Auftragserteilung sollten sie immer mehrere schriftliche Angebote einholen und sich zur Prüfung ausreichend Zeit erbitten. Betroffene sollten die Polizei über die Notrufnummer 110 rufen, wenn sie an der Haustür massiv bedrängt oder bedroht werden", rät Kriminalhauptkommissar Frank Winkens vom Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz bei der Polizei Köln.

Gemeinsam wollen das Projekt Kanaldichtheit der Verbraucherzentrale NRW und die Polizei gewieften Kanalhaien das unseriöse Handwerk legen. Hierzu ist Ende Juli/Anfang August 2015 ein Informationsstand der Verbraucherzentrale Köln geplant. "Die Details dazu werden in einer separaten Pressemitteilung veröffentlicht", teilte Frau Jessica Kell, Mitarbeiterin bei der Öffentlichkeitsarbeit im Projekt Kanaldichtheit, mit. Am gemeinsamen Aktionsstand erhalten Ratsuchende hilfreiche Tipps, um unerwarteten Attacken mit der richtigen Gegenwehr zu begegnen:

- Prüffrist bis Ende des Jahres nicht für alle:
Um Schäden für Haus und Umwelt zu vermeiden, müssen zunächst 
Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten, die vor 1965 verlegt 
wurden, bis Ende 2015 von einem anerkannten Sachkundigen geprüft 
werden. Später installierte Leitungen unterliegen einer Prüffrist bis
Ende 2020. Wird bei der Prüfung ein Schaden festgestellt, können sich
Sanierungsfristen bis zu zehn Jahren ergeben. Hauseigentümer 
außerhalb von Wasserschutzgebieten sind nicht an die speziellen 
Prüffristen gebunden. Sie müssen jedoch für eine regelmäßige Wartung 
und Instandhaltung ihrer Leitungen sorgen.

- Nur Angebote anerkannter Betriebe vergleichen:
Mit der Überprüfung von Abwasserleitungen in Wasserschutzgebieten 
dürfen nur Betriebe beauftragt werden, deren sachkundige Mitarbeiter 
eigens in einer "NRW-Liste" im Internet verzeichnet sind - unter 
www.sadipa.it.nrw.de/sadipa. Soweit ein Unternehmen hier nicht 
aufgeführt ist, ist davon auszugehen, dass es die gesetzlichen 
Anforderungen nicht erfüllt und die zuständigen Stellen in der 
Kommune die Prüfung nicht anerkennen werden. Den verlockenden 
Schnäppchenpreisen an Haustür und Telefon zum Trotz: In einen 
Angebotsvergleich sollten deshalb nur Betriebe einbezogen werden, die
auch auf "NRW-Liste" verzeichnet sind. Denn ansonsten muss die 
gesetzlich vorgeschriebene Funktionsprüfung wiederholt und damit noch
einmal bezahlt werden.

- Massivem Druck widerstehen:
Dubiose Firmen versuchen bisweilen mit Finten und sogar Täuschungen, 
die Konkurrenz auszustechen, um an einen Auftrag zu kommen und den 
geforderten Rechnungsbetrag möglichst sofort zu kassieren. Wer sich 
hierbei stark unter Druck gesetzt fühlt, sollte bei der Polizei eine 
Anzeige erstatten. Hierzu ist es ratsam, die Kontaktdaten der 
Kanalfirma zu kennen und den Sachverhalt in allen Einzelheiten - vom 
Auftreten der Firma über Auftragsvergabe, Druck oder Täuschung - 
schildern zu können. Auch die Benennung eines Zeugen oder Fotos von 
den vorgenommenen Arbeiten können für die weitere Strafverfolgung 
dienlich sein.

- Vorsicht bei Zusatzarbeiten:
Manche Unternehmen haben neben einer Funktionsüberprüfung auch noch 
fragwürdige Folgedienstleistungen im Angebot. Dazu zählt etwa das 
überflüssige Auskleiden von Leitungen. Oder sie täuschen gravierende 
Schäden vor, die nicht existieren, nur um sie gegen teures Geld 
scheinbar zu beseitigen. Hände weg von spontanen Auftragsvergaben! 
Auf jeden Fall sollten Betroffene sich erst eine Videoaufnahme mit 
den erkannten Schäden zeigen lassen.

- Auftrag und Vertrag widerrufen:
Eigentümer, die in den eigenen vier Wänden mit ungutem Gefühl eine 
Unterschrift unter einen Prüf- oder Sanierungsauftrag gesetzt haben, 
können Schlimmeres oft verhindern, wenn sie den Vertrag binnen 14 
Tagen ab dem Tag des Vertragsschlusses schriftlich widerrufen - am 
besten per Einschreiben mit Rückschein. Wurde den Betroffenen keine 
gesonderte Widerrufsbelehrung zur Verfügung gestellt, bleiben ihnen 
noch 12 Monate und 14 Tage Zeit für einen Widerruf. 

Hilfreiche Informationen hat auch der kostenlose Flyer "Das Geschäft mit Ihrer Abwasserleitung" parat. Erhältlich in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale NRW. Hier weiß man auch rechtlichen Rat, um aus einem dubiosen Vertrag auszusteigen. Rechtsrat gibt es auch beim Verbrauchertelefon Kanaldichtheit der Verbraucherzentrale NRW, Telefon 0211/38 09 300 - und zwar montags und mittwochs von 9 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags von 13 bis 17 Uhr. Einen Notruf in einer akuten Drucksituation nimmt die Polizei unter 110 entgegen. Strafanzeigen können jederzeit in allen Polizeiwachen gestellt werden.

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Köln
Pressestelle
Walter-Pauli-Ring 2-6
51103 Köln

Telefon: 0221/229 5555
e-Mail: pressestelle.koeln(at)polizei.nrw.de

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