Polizei Braunschweig

POL-BS: Erfolgreicher Schlag gegen internationale Kraftfahrzeugdiebe
Zehn Tatverdächtige in Haft
17 Kraftfahrzeuge in Polen sichergestellt

Durchsuchungsobjekt in Polen

Braunschweig (ots) - Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig und der Polizeidirektion Braunschweig

In enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Braunschweig ist einer Ermittlungsgruppe der Polizeiinspektion Gifhorn ein erfolgreicher Schlag gegen internationale Kraftfahrzeugdiebe gelungen. Nach achtmonatiger Ermittlungs-arbeit konnten in Polen im Mai 2015 zehn Tatverdächtige im Alter von 22 - 44 Jahren festgenommen, 17 Kraftfahrzeuge und diverse weitere Beweismittel beschlagnahmt werden. In einer Pressekonferenz stellte die Staatsanwaltschaft Braunschweig zusammen mit der Polizeidirektion Braunschweig am Freitag die bisherigen Ermittlungsergebnisse vor. Polizeipräsident Michael Pientka: "Der Erfolg war nur möglich durch intensive Vernetzung aller beteiligten Dienststellen, national wie international. Vielen Dank an alle Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz!"

In den ersten acht Monaten des Jahres 2014 waren die Diebstähle von hoch- und neuwertigen VW-Bussen der Modellreihe T 5 im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig sprunghaft auf 73 Fälle angestiegen. Im restlichen Niedersachsen waren es dagegen nur 39 derartige Taten. Auffällig war dabei, dass in einer Nacht regelmäßig mindestens zwei VW T 5 in einem engen Tatortbereich gestohlen wurden. Die Polizeidirektion Braunschweig richtete eine Ermittlungsgruppe aus Beamten der Polizeiinspektionen Wolfsburg-Helmstedt, Braunschweig, Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel und Gifhorn ein, um diese Tatserie aufzuklären. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig eröffnete ein Sammelverfahren wegen schweren Bandendiebstahls.

Nach monatelangen akribischen Ermittlungen ergaben sich schließlich erste Verdachtsmomente gegen polnische Tatverdächtige, die offensichtlich hochprofessionell, äußerst konspirativ und mit großem technischen Know-how die Taten begingen. Erste Kontakte zu polnischen Behörden führten schnell zu weiteren Erkenntnissen, die die Verdachtsmomente erhärteten. Das Landeskriminalamt Niedersachsen, das Bundeskriminalamt und Europol wurden eingeschaltet, da neben polnischen auch schwedische Behörden in die Ermittlungen einbezogen wurden.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Braunschweig erließ das Amtsgericht Wolfsburg schließlich neun "EU-Haftbefehle" gegen polnische Staatsbürger und 21 Durchsuchungsbeschlüsse für Objekte in Polen sowie für eine Wohnung in Schweden, die auf dem Wege der Rechtshilfe an die polnischen und die schwedischen Behörden zur Vollstreckung übermittelt wurden.

Am 17.05.2015 reisten Beamte der Ermittlungsgruppe, verstärkt durch Fahnder der Polizeiinspektion Gifhorn, nach Polen, um bei der Vollstreckung der Beschlüsse durch die polnische Polizei dabei zu sein. Zeitgleich wurden am 19. Mai Wohnungen, Werkstätten und Hallen durchsucht. Insgesamt waren ca. 230 Polizeibeamte im Einsatz.

Im Zuge dieser ersten Maßnahmen konnten sechs mit Haftbefehl gesuchte Personen festgenommen werden. Zwei weitere polnische Tatverdächtige wurden festgenommen, nachdem bei ihnen diverse Beweismittel aufgefunden worden waren. In den nächsten Tagen konnten zwei weitere Gesuchte durch Zielfahnder der polnischen Behörden, die wiederum eng mit Zielfahndern des Landeskriminalamtes Niedersachsen zusammenarbeiteten, ebenfalls festgenommen werden. Zurzeit sitzen zehn Personen in Polen in Untersuchungshaft, ein Tatverdächtiger wird noch mit Haftbefehl gesucht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig betreibt Auslieferungsverfahren, über welche die polnischen Gerichte entscheiden müssen.

Bei den Durchsuchungen wurden insgesamt 17 Kraftfahrzeuge und 104 Kfz-Zubehörteile beschlagnahmt, die alle aus Diebstählen stammen. Die Auswertung weiterer sichergestellter Gegenstände dauert noch an.

Drahtzieher der streng hierarchisch gegliederten Bande dürften zwei Männer sein, die einen schwunghaften Autohandel betrieben. Sie bedienten sich mindestens eines Informatikers und zweier weiterer Logistiker, die für die Überwindung der Sicherungseinrichtung an den Kraftfahrzeugen sowie die Ausstattung der "Kurierfahrer" mit zum Beispiel abhörsicheren Mobiltelefonen zuständig waren. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann hier die konkrete Vorgehensweise nicht weiter beschrieben werden.

Die Arbeit der Ermittler und der Staatsanwaltschaft ist aber noch keinesfalls abgeschlossen. Es gilt jetzt die umfangreichen Beweismittel weiter zu untersuchen, die Akten zu vervollständigen, die Beschuldigten nach Deutschland ausliefern zu lassen, in Vernehmungen einzusteigen usw.

Insgesamt werden den Tatverdächtigen zum gegenwärtigen Zeitpunkt rund 100 Kraftfahrzeugdiebstähle mit einem Schadensumfang von ca. 4 Millionen Euro zur Last gelegt. Die Taten ereigneten sich dabei zum einen entlang der Autobahn A 2 mit Schwerpunkt zwischen Helmstedt und Hannover, aber auch an der A 7 in Richtung Hamburg/Bremen. Die Täter erbeuteten dabei in einer Nacht mindestens zwei, manchmal auch drei Fahrzeuge.

Fallbeispiele:

In der Nacht zum 5. Mai 2015 wurden in der Ortschaft Abbesbüttel im Landkreis Gifhorn zwei neuwertige VW T 5 "California" entwendet. Dabei manipulierten die Täter am Tatort Straßenlaternen, um ungestört im Dunkeln arbeiten zu können. Teile der beiden entwendeten Fahrzeuge fand die Polizei am 19.05.2015 bei der groß angelegten Durchsuchung in Polen.

Die absolut neuwertigen Fahrzeuge waren zu diesem Zeitpunkt offensichtlich bereits komplett in Einzelteile zerlegt worden. Der Schaden in diesen beiden Fällen beträgt allein ca. 115.000,-- Euro.

In der Nacht zum 13.03.2015 wurden in der Ortschaft Cremlingen, Landkreis Wolfenbüttel, ebenfalls zwei T 5-Busse entwendet. Eines der Fahrzeuge war von den Eigentümern mit einem GPS-Sender ausgerüstet. Als die Geschädigten den Diebstahl in den frühen Morgenstunden bemerkten, befand sich das mit einem Sender ausgestattete Fahrzeug im Bereich Magdeburg und konnte hier von Fahndungskräften aufgenommen werden. Dabei stellten die Beamten einen zweiten T 5 fest, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht als gestohlen gemeldet war. Die Polizei observierte beide Fahrzeuge. Auch bei dem zweiten Fahrzeug stellte sich schnell heraus, dass es gestohlen war. Es wurde im Bereich Brandenburg gestellt, der Fahrer vorläufig festgenommen. Zwischenzeitlich hatten die Täter den GPS-Sender vermutlich mit technischen Hilfsmitteln entdeckt und außer Kraft gesetzt. Dadurch geriet der zweite T 5 außer Kontrolle und konnte bislang nicht sichergestellt werden.

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